Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Mann mit Zyklus?

∞  21 Oktober 2014, 23:32

Ob ein glücklicher Tag oder ein bestimmtes Ereignis, das meine Fitness voraussetzt, gut ausgeht – wer hat da nicht schon von seinem möglicherweise erst abzugleichenden Biorhythmus geflachst? Seit den Achtzigerjahren ist der Ausdruck Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs geworden. Darin steckt meist Spass, zumal die These, dass wir körperlich, emotional und geistig in unterschiedlich langen Zyklen von Geburt an festgeschriebene und also berechenbare Ups und Downs haben, sich in keiner Weise empirisch je hat belegen lassen. Eine Spielerei also – und doch ist der Flachs eine Art Synonym für eine Beobachtung, die auch Männer machen können:

Denen ist der Zyklus der Frau zwar auf Ewigkeit ein Mysterium, und sie glauben sich in der Rolle jenes Parts der Menschheit, der schwankungsfrei zielsicher linear durch das Wellental der Tage zu schreiten vermag, während die Frau einmal pro Monat Kopfschmerzen hat und missmutig wird, Zeitdauer schwankend. Darüber spasst dann wieder der im Grunde Unverständige, der übrigens zu jener Spezies gehört, der, müsste er sich mit dem gleichen biologischen Phänomen herumschlagen, darüber vor Achs und Wehs gar nicht mehr in die Gänge käme. Männer leiden lauter als Frauen, und viel schneller. Darum gebären sie Gott sei Dank auch keine Kinder.

Je älter ich aber werde, um so häufiger stelle ich an mir selber fest, dass ich wahrscheinlich sehr wohl genau so einen Zyklus habe wie Frauen. Er ist nur nicht so ausgeprägt und darum auch nicht voraussehbar, und sei es nur, weil ich viel zu wenig sensibel mit mir selber umgehe. Vielleicht reagiere ich auch nur auf den Mond, so wie es die Pflanzen tun und meine Haare und Fingernägel, die bei abnehmendem Mond viel weniger schnell wachsen als umgekehrt.

Nun, wenn das zunehmende Alter dazu führt, dass ich besser auf mich acht gebe und ich sensibler für solche Vorgänge werde, gewinne ich ja tendenziell Sinnesfreude hinzu, denn es ist doch schön, Freude, Müdigkeit, Energie und Erschöpfung bewusster zu spüren – und vor allem in den Körper hinein horchen zu können, um ein wenig voraus zu sehen, was er und ich gerade brauchen.