Leben - das ist wirklich trendy
Von Horizonten mit Ausblick, Durchblick, oder Tunnelblick.
Sind Sie auch trendy? Auf der Höhe Ihrer Zeit?
Oder sind Sie out? Von gestern einfach (Verzeihung).
Also, ich bin häufig so was von out. Einfach grausam. Dass “man” überhaupt noch mit mir spricht, ist selbst für mein Vis-à-Vis schlicht ein Wunder der Fürsorglichkeit. Ich bräuchte gar nicht auf meine Jahrringe zu achten, um zu wissen, dass mein Stern am Sinken ist. Der Tennisball hat seinen höchsten Punkt erreicht, von nun an geht es abwärts.
Aber halt! Ha! Da gibt es ja noch das Internet und im Internet das Bloggen. Und das ist eine Form von Web 2.0, wie interaktive Webanwendungen begrifflich gemeinhin gern zusammen gefasst werden. Das soll so was von “in” sein. Einfach angesagt ist es, heisst es. Wobei, natürlich, bloggen schon öde ist. Es müsste eigentlich ein Podcast sein, zumindest, und wer nicht twittert und tumblrt ist schon fast wieder unbeweglich, starr, öde. Es wartet das Fallbeil der intellektuellen Abhalfterung an jeder Ecke, alle paar Monate gibt es einen neuen Furz. Und wehe, Sie verpassen den Abgang!
Das brauchen Sie alles nicht? Getroffen! Nur gibt es Leute, die müssen das erst mühsam rausfinden, nachdem sie sich bis zum Hals in jedem einzelnen Tool eingegraben haben. Ich bin selbst auch neugierig und habe überhaupt nichts gegen das ständige sich Entwickeln und das Erforschen der Möglichkeiten. Dem Internet liegt dieser Antrieb der ständigen interaktiven Weiterentwicklung ja als Grundprinzip zu Grunde. Was dieser flapsige Artikel will, ist nur dies:
Wann immer Menschen einen Trend prägen, sehen sie sich selbst auf der Bergspitze, mit dem absoluten Durchblick. Und vergessen dabei, dass gerade das Gegenteil eigentlich fast zwingend der Fall sein muss: Nur, wer sich mit absoluter Faszination einem Phänomen widmet, ist an dessen Auswertung tatsächlich an vorderster Front beteiligt. Und dafür braucht er einen Tunnelblick. Die virtuelle Möglichkeit kann da schon mal reale Tatsachen unwichtig erscheinen lassen. Wenn sich das Leben aber im Internet abzuspielen beginnt, geht es verloren.
Wir sind aus Fleisch und Blut – und daher nur wirklich fassbar für unsere Mitmenschen, wenn wir anfassbar sind. Also müssen wir uns so begegnen, dass wir uns in die Augen sehen und die Hand schütteln können.
Und da kann es mir dann passieren, dass mir mein Freund sagt:
“RSS-Feed? Was ist das?” Und wenn ich es ihm begeistert erklärt habe, sagt er noch immer: “Und für was brauche ich so was?”
Manchmal ist eine ehrliche Frage tausend Mal besser als eine unreflektierte Antwort. Sie trägt die Antwort schon in sich.
Die Sonne scheint. Zeit für einen Spaziergang!

© Thinkabout, 2008, “einfach weiss”
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