Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Lama oder Serviceblitz?

∞  3 September 2013, 19:36

Zwei Serviceleistungen in Restaurants kurz hintereinander, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten.

Wir sitzen an einem wirklich spektakulären Aussichtspunkt in Madeira im Café und geniessen die Aussicht. Da der Kellner auf sich warten lässt, sehr lange auf sich warten lässt, gehen wir davon aus, dass Selbstbedienung ist. Ich stehe auf und will rein gehen, da kommt er “schon” daherspaziert, einen vollen Teller für den Nachbartisch auf der Hand balancierend. Also setze ich mich wieder – bis ich ihm in den Rücken rufen muss, was ich hasse – aber er war schon wieder auf dem Weg in den schützenden Innenraum.

Also bestellen wir, was wir trinken wollen, und das bekommen wir dann auch recht zackig. Dann ist er auch wieder weg und ward nicht mehr gesehen. Nach unserem ausführlichen Schwatz und dem Geräusch des Luft ansaugenden Röhrchens auf zwei Gläserböden beschliesst Thinkabout’s Wife, das Geschirr zurück zu bringen und gleich drinnen zu bezahlen. Sie trifft dort zwei junge Burschen an, die sich viel zu erzählen haben und von denen es dann schlussendlich immerhin einem von Beiden peinlich ist. Meine Frau bleibt freundlich – manchmal, wenn sie den Nerv dazu hat, also möglichst oft, ist sie in solchen Situationen von ausgesuchter Höflichkeit: Manchmal beginnt dann auf der Gegenseite das Denken, und sonst Schwamm drüber, die nächste Beiz steht an der nächsten Ecke.

Und tatsächlich: Im ersten Dorf im Tal besichtigen wir eine Kirche und haben dann Lust, einen für hier typischen Kuchen zu essen. Bevor wir uns auf der Aussichtsterrasse auch nur hinsetzen können, ist schon eine Kellnerin da und fragt uns – wir haben noch keinen Tisch ausgesucht – was wir trinken möchten. Das wissen wir tatsächlich schon, wollen aber oben sitzen. Kein Problem, und sie rauscht davon. Kaum sind wir oben angelangt und kaum haben unsere Hintern mit der Sitzkante der Stühle Fühlung aufgenommen, rauscht schon eine Kollegin des ersten Serviceblitzes heran, ahnt aber schon, dass sie zu spät kommt, notiert aber gerne noch die Zusatzbestellung, und ist auch schon weg. Kurz darauf ist alles da, und später beim Bezahlen genügt ein Augenkontakt, und die Dame ist am Tisch.

Luftlinie liegen die beiden Lokale zwei Kilometer auseinander – wenn sich die Serviceleister auf einen Biorhythmus in der Mitte, gerne etwas näher beim zweiten Erlebnis, einstellen könnten, wäre das fein – und dem Umsatz sicher zuträglich. Wir waren auf jeden Fall verblüfft, auf so kurzer Zeitachse so eindrucksvoll die unterschiedliche Wirkung der Kellnerleistung vorgeführt zu bekommen.