Kreative Wohnideen - das wäre private Altersvorsorge
Die Babyboomer werden in gut zehn Jahren das heutige Rentenalter erreichen.
Ich gehöre zwar nicht zu jenen, die glauben, dass bis dahin Rentenansprüche illusorisch werden – denn noch scheint mir das unvorstellbar, und vor allem von solcher politischen Tragweite im Verhältnis des Bürgers zu seinem Staat, dass ich mir das lieber gar nicht vorstellen will Und es ist auch noch genügend Zeit, dass die Politiker die Verpflichtung des Staates gegenüber seinen Bürgern in dieser Frage erkennen und moderate Lösungen finden.
Wenn ich also bezüglich der Rentenansprüche nichts davon halte, dass man nun den Bürger einfach zu mehr “Selbstverantwortung” und damit Selbstvorsorge ermahnt, zumal wenn die möglichen Sparvariationen dem Anspruch des Staates auf Konsum als Triebfeder des Wachstums so diametral entgegen stehen, so denke ich doch, dass wir gar nicht genügend private Kreativität an den Tag legen können, wenn es darum geht, wie wir denn im Alter zusammenleben wollen? Denn nicht nur die Finanzierung unserer Rente wird schwierig werden – es wird auch immer weniger sozialen Rückhalt durch Familienstukturen geben: Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Menschen allein, und auch wenn sie nicht unbedingt möchten, dass das so bleibt, so werden uns in jedem Fall in vielen Fällen die sozialen Auffangnetze fehlen – und Pflegeheime, wie wir sie kennen, sind ja nicht unbedingt das, was wir uns selbst wünschen würden, oder?
Darum finde ich jeden Ansatz interessant, bei dem Wohnformen diskutiert werden, auf privater Initiative beruhend, in der sich Gemeinschaften von Menschen in ähnlicher Lebenssituation bilden können, in denen aktive Lebensgestaltung und Unterstützung möglich ist – und der Verbleib im sozialen Umfeld, auch wenn die Gesundheit nachlässt. Die Tatsache, dass solche Modelle vielleicht schon zehn Jahre vor der Pension geplant und projektiert werden könnten, für alle offenen Fragen entsprechend Raum, Zeit und Knowhow gefunden werden könnte – es könnte dazu führen, dass die Energie aus dem Berufsalltag in eine aktive und pro-aktive Alters-Lebensgestaltung mündete. Phantasterei in unserer individualisierten Gesellschaft? Womöglich noch. Aber die Zukunft wird zeigen, ob Modelle von Stadtsiedlungen, in denen familiengerechte Strukturen in Überbauungen sich mit Single-Haushalten vertragen und ihnen umgekehrt Nähe, soziale Kontakte und Gemeinschaftsempfinden erleichtern sollen, sind eventuell Erfahrungsschatz am andern Ende der Alterspyramide – mit gleicher Zielsetzung.
Der Gedanke, sich einer gewissen Trostlosigkeit am Ende des eigenen Lebens nicht zwangsläufig ergeben zu müssen, macht doch eigentlich für sich schon Mumm, oder? Was wir nun brauchen, sind Modelle, die Mut machen, Erfahrungsaustausch und konkrete Beschäftigung mit dem Thema – nicht erst, wenn der Postbote zum ersten Mal mit der AHV an die Tür klopft.
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