Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ich darf es jeden Tag wieder mit mir versuchen

∞  30 April 2011, 22:33


ZUR VERGRÖSSERTEN ANSICHT: AUFS BILD CLICKEN


Wenn ich jemandem meinen Glauben zu erklären versuche, dann möchte ich dieser Person schildern, wie ich Gottes Gegenwart empfinde. Das ist aber für jemanden, der nicht glaubt, schwer zu verstehen. Aber was das heisst, und wie sich das erfahren lässt, kann man, glaube ich, durchaus auch Menschen erklären, welche keinen Zugang zum christlichen Glauben haben:

Wenn wir gütig genug mit uns umgehen, um uns wirklich ergründen zu können – und dies in aller Mühsal, die es bedeutet, auch zu wollen, dann stossen wir immer wieder auf viele Dinge, bei denen wir an uns selbst verzweifeln könnten:

Immer gleiche Verhaltensmuster, das Ausbrechen der Gedanken in Wunschvorstellungen, wie das Leben doch sein könnte – oder gar sollte, das Gefühl, Erwartungen genügen zu müssen, die wir doch eigentlich längst nicht mehr akzeptieren wollen, Ärgerlichkeit, die uns vor der Klarsicht steht – ich könnte noch Seiten lang weiter machen. Wir alle haben keine Mühe, viele Dinge aufzuzählen, in denen wir immer versucht sind, wenn sie uns aufgezeigt werden, zu antworten:

“Ich weiss.”

Um dann auf die Frage, warum wir denn nichts ändern würden, zu verzweifeln.

Aber: Wir können es jeden Tag neu versuchen. Womit wir wieder am Anfang dieser Sätze sind: Diese Gottesliebe, das Wissen darum, bei ihm aufgehoben zu sein, das ist etwas, was wir alle im Grunde von uns kennen:

In unserem Innersten gibt es einen Kern unserer Seele, die Essenz unseres Wesens, die sich durch keine fremde oder eigene Gewalt hat verderben oder beschädigen lassen. Wir können diese innerste Kraft in uns immer wieder suchen und finden, und die Tatsache, dass sie in uns wohnt, kann uns die bahnbrechende Erfahrung bescheren, dass nichts, was uns von aussen bedrängt, uns wirklich etwas anhaben kann, wenn wir in uns wohnen und uns vertrauen – und damit auch den Mut finden, genau danach zu leben. DAS ist Gottes Liebe. In meinem Glauben erlebe ich , dass es über die Tatsache dieses meines Wesenskerns hinaus auch eine Kraft gibt, die mir jeden Tag anbietet, leichter zu mir zu finden – und da auch bleiben zu können.

Sie will uns genau dazu führen, und darum ist dieses Bild mit seinem Text eine so liebevolle Ermahnung für mich selbst: Die Tatsache, dass ich es selbst geschrieben habe, dass ich den Ort kenne, ihn fotografiert habe, dass ich dies alles immer wieder erinnern kann, ist keine Garantie, dass es mir besser gelingt als Ihnen, mir diese Erfahrung lebendig zu erhalten. Es ist ein unendlicher Weg, bis wir uns nicht mehr fortreissen lassen. Und doch:

Es kann uns allen gelingen. Immer besser. Denn die Kraft, die uns genau dahin führen will, zu einem inneren Glück, das keine äussere scheinbar wichtige Erfüllung braucht, scheint nie zu versiegen. Sie wartet auf uns. So lange wir leben.

Eine Freundin hat mir einen wunderbar einfachen Satz gesagt:

Weisst du, ich darf es jeden Tag wieder versuchen.

Wunderschön.
Genau so darf man es sehen, statt an der eigenen Unzulänglichkeit zu verzweifeln.

Ich darf es jeden Tag wieder versuchen. Mit mir.

Es gibt keine wichtigere Person in meinem Leben.