Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ich Asthmatiker auf dem Tennisplatz

∞  17 Mai 2009, 13:11

Ich habe einen neuen Fixpunkt in meinem Alltag geschaffen. Nachdem ich fünfzehn Jahre im Ort wohne, bin ich nun endlich auch dem hiesigen Tennisclub beigetreten. Und geniesse es, nun ganz in der Nähe Sport treiben zu können.

Sport hat immer zu meinem Leben gehört, und wird immer eine Rolle spielen. Indem ich wie irgendein Fan Karrieren verfolge und Leistungen bewundere, aber ganz sicher auch als aktive Freizeitgestaltung und Einladung zur Geselligkeit. Wenn ich einmal keinen Sport mehr treibe, werde ich vielleicht nicht nur ein Stück Selbstdisziplin verlieren: Ich werde ganz bestimmt eine intensive Auseinandersetzungmöglichkeit mit meiner eigenen körperlichen Wahrnehmung einbüssen.

Vor zwei Wochen etwa, anlässlich des ersten Interclubwochenendes, lag plötzlich eine Frau auf dem Platz, reglos, auf dem Rücken liegend. Sie hatte sich wohl einen Muskel gezerrt und ob der plötzlichen Immobilität und dem Schmerz eine Art Schock erlitten und zu hyperventilieren begonnen.
Später hörte ich jemanden sagen: “Mit Asthma spielt man auch nicht Tennis.”
Falsch!
Ich habe auch Asthma, und ich spiele Tennis. Und das hoffentlich noch lange. Mittlerweile tue ich es sehr oft gar ohne Medikamente, und in 90% der Fälle geht das sehr gut. Und wenn nicht, dann eben nicht:
Asthma ist für mich keine Krankheit (mehr). Eigentlich habe ich sie nie als solche wahr genommen. Das einzige, was mich bedrücken konnte, waren die unsicheren Prognosen, wie sich mein Asthma entwickeln würde.

Als Kind registrierte ich unbewusst, dass ich mehr investieren musste, um die gleiche Leistung zu bringen, ich lernte beim Fussball das Adaptieren der Bälle und das Vorausdenken der Laufwege, um mit kürzeren Strecken das Gleiche zu erreichen. Ich bildete mir ein, in meiner herrlichen und gesunden Selbstvergessenheit im Spiel, dass ich eben ein besonderer Kämpfer wäre, wenn ich keuchend wie ein Wallross über den Platz schnaufte. Aber ich lief über den Platz! Und ich bin sicher, dass die Tatsache, dass ich, bis ich achtzehn war, von meiner “Krankheit” nichts wusste, ein Vorteil für eine unbeschwerte Jugend war.
Nun ist ein Leistungsasthma auch sehr viel leichter zu ertragen und zu behandeln, als eines, das stark durch Allergien bedingt ist. Ich schliesse also nicht auf andere und treffe keine Aussagen, die ich auf Asthmapatienten generell angewendet sehen möchte. Ich kann nur von mir schreiben.

Auch die Frau, von der die Rede war, soll weiter Sport treiben! Und wieder Tennis spielen. Etwas pointiert kann ich sogar sagen: Wenn wir Asthma akzeptieren, uns aber nicht behindern lassen, dann fällt es uns gar leichter, Sport als das zu begreifen, was es ist: Spielerischer Wettkampf unter entspannten Zeitgenossen, die wissen, dass sie nicht Weltmeister werden (müssen), aber sich meisterlich amüsieren und durchaus auch verausgaben dürfen. Die Grenzen dieses Tuns zu erkennen, lernen wir vielleicht etwas schneller – das kann aber gar dabei helfen, ein geliebtes Hobby möglichst lange pflegen zu können, weil die Vernunft immer auch dazu gehört, notwendigerweise.