Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Heimeliges Geklappergeplapper

∞  6 Februar 2010, 16:49

Es ist grau vor dem Fenster. Hier drinnen aber fällt glühbirnengelbes Licht warm von den Wänden zurück, und ein sehr vertrautes Geräusch füllt den Raum. Es ist das Klappern unserer Computertastaturen. Ich bin ja der Meinung, dass keine Tastatur genau gleich wie irgend eine andere klingt, schon gar nicht jene, welche in ein Laptop eingebaut sind. Vor allem ist da aber natürlich die Art und Weise, wie wir mit diesen Tastaturen arbeiten. Anschlag und Rhythmus sind genau so individuell wie die Technik, die man sich für etwas aneignet, das man täglich praktiziert. Es wäre bestimmt auch interessant, einmal zu beobachten, wie sich dies im Lauf der Jahre durch Übung und Gewohnheit verändert – und in welchen zahlreichen Aspekten auch überhaupt nicht.

Ich behaupte, dass ich die Art, wie meine Liebste schreibt, aus unzähligem anderem Tastengeplapper heraus hören könnte. Es ist der Anschlag einer Hand, die noch eine IBM-Kugelkopfschreibmaschine gebändigt hat, und dies auch noch mit langen Fingernägeln. Die Nägel sind geblieben, die Tastatur hat sich gewandelt. Die Technik aber ist die gleiche, angedrillt sozusagen, und so hämmert Thinkabouts Wife immer ein wenig auf die Tasten ein, als hätte enicht nur das “T” einen ein wenig alterslahmen Druckpunkt.
Ihr Schreiben hat einen ganz eigenen Rhythmus, der in einem interessanten Gegensatz – oder ist es eher die konsequente Parallelität? – zur Technik steht:
Wenn Thinkabout’s Wife schreibt, dann ist ihr Hämmern sehr regelmässig , baut sich in jedem Satz zu einer Kette von Anschlägen auf, die immer noch ein bisschen lauter klacken, und immer bleibt ein Punkt ein Punkt. Es ist, als müsste das Überlegte mit Nachdruck bekräftigt auf den Bildschirm kommen, und so erhält jeder Buchstabe noch ein bisschen extra Ernsthaftigkeit mit auf seinen Weg in die Tastatur. Ein wenig meisselt Thinkabout’s Wife ihre Sätze in den Computer.

Und ich? Meine Hände fliegen eher über die Tasten, mein Anschlag ist eher weich, als hätte ich Angst, der Gedanke, eben erst eingefangen, wäre entflogen, bevor ich ihn mit den Tasten eingefangen, niedergeschrieben und damit scheinbar gebändigt hätte. Mein Schreiben hat etwas Flüchtiges, und so ist auch mein Anschlag und die Haltung meiner Hände, die immer ein bisschen über der Tastatur schweben. Erst wenn ich gegenlese und ich Sätze korrigiere, wird mein Fingerdruck kräftiger.
Ganz allgemein ist es aber wohl so, dass man bei mir hört, ob ein Text gut wird:
Die Tippfolge hat dann eine ruhige Wellenbewegung, so, als würde jemand am Piano sitzen und eine unhörbare, ruhige Melodie nachspielen. Es ist diese Art Schreiben, die einfach mal entstehen lässt, aus einer stillen Aufregung, die selbst neugierig darauf ist, was im Resultat danach darin von mir zu entdecken ist.

So klappern wir uns also was vor und sind dabei doch zusammen. Wir finden das schön, andere dürfen das getrost langweilig finden. In der Tat bin ich froh, sind Sie oder jemand anders in diesen Momenten nicht bei uns. Sie würden sich ausgeschlossen fühlen – oder ich hätte mindestens das Gefühl, und das müssten sie dann erst verscheuchen, sonst wäre es sehr schnell vorbei mit dem Geklappergeplapper. Denn, ob man es glaubt oder nicht, es ist durchaus etwas sehr Intimes und Persönliches. Es ist eben Schreiben.