Hartnäckig geduldig mit sich bleiben
Die Geduld nicht verlieren, auch wenn es unmöglich scheint, das ist Geduld.
Aus Japan
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Mir fällt das oft selbst schwer genug...
Die Geduld nicht verlieren, auch wenn es unmöglich scheint, das ist Geduld.
Aus Japan
Ihnen scheint das unmöglich zu sein, dass es nie Momente gibt, in denen man schlicht die Fassung verlieren muss? Natürlich. Das geht mir genau so. Und dennoch gibt es eine Anwendung dieser Geduld-Maxime, die ganz nah bei uns liegt – und in der wir tatsächlich im Grunde dazu verdonnert sind, genau diesem Spruch nach zu Leben:
Im Umgang mit unseren Schwächen.
Unser aller Leben kennt zumindest Phasen, in denen wir uns darum bemühen, uns selbst auf die Schliche zu kommen und uns in jenen spontanen Reaktionen und tief eingefressenen Verhaltensmustern zu ändern, wo wir genau spüren, dass uns unser Verhalten zum wiederholten Mal überhaupt nicht gut tut: Und das zu ändern, ist, wer wüsste es nicht, unsäglich schwer.
Wir bekommen in Form von Erziehung und Vorbildern, die wir erst unbewusst und dann vielleicht auch ganz absichtlich während der ersten zwanzig Jahre unseres Lebens imitieren, so viel mit auf den Weg, nach dem wir unsere Verhaltensmuster ausrichten, Mal für Mal. Wir sind anhand unserer Wertemassstäbe und Selbstbilder in unserem Verhalten äusserst berechenbar, auch in den vielen Reaktionen, die wir, kaum zeigen wir sie, auch schon bereuen. Und ist unser “Spontan“verhalten schon so ausgelegt, so verhält es sich mit unserem Hang zu unseren eigenen Stimmungen erst recht so.
Wenn wir uns kraft unserer Vernunft und mit der erkämpften Empathie einer gewissen Selbstliebe um uns kümmern wollen und also beobachten, was uns in den Kummer treibt – oder in das Verhängnis zwischenmenschlicher Verstrickungen, so ist das Verstehen, warum die Dinge so kommen, immer wieder, das eine. Aktiv zu ändern, was man selbst dazu beisteuert, ist gerade in den kleinen Re-Aktionen aber so unglaublich schwer.
Und genau da greift das japanische Sprichwort nach uns: Die Geduld nicht zu verlieren, selbst wenn wir immer wieder scheitern, die Geduld mit uns selbst immer wieder aufzubringen, ohne in bequeme Lethargie zu verfallen, aber eben auch den Mut zur Arbeit an der Veränderung nicht zu verlieren: Ja, das ist ein edles Übungsfeld für unsere Fähigkeit zur Geduld. Denn die Hartnäckigkeit, das Lernen und Verstehen weiter zu treiben, ist genau so eine Schwester dieser Geduld wie die heitere Gelassenheit gegenüber jedem Ausbruch, mit dem die Geduld wieder einmal stiften gegangen ist.
Ja, wir können lernen. Und unsere Ungeduld geduldig bekämpfen. Weil wir es selbst verdienen.