Handwerker und Lieferwagenfahrer
Bei Thinkabouts geht selten was kaputt. Und wenn, dann bündeln wir das gleich, wie es scheint. Das ist praktisch, weil der versierte Handwerker dann gleich mehrere Dinge erledigen kann. Wenigstens theoretisch.
Der Elektriker war bestellt. Stecker reparieren bzw. erneuern, Gegensprechanlage vom Wackelkontakt befreien, Ständerlampen-Dimmer-Schalter auswechseln. Die Typen-Bezeichnung hat er auch brav zuvor erfragt.
Mal sehen, ob ich alles zusammenbringe, da es mir von Thinkabouts Wife rapportiert wurde. Sie hat den Part der treulichen Begleitung des Handwerkers in der Wohnung übernommen. Also:
Die Steckdose an der Wand klappt. Das alte Ding war einfach hinüber und bröselte sich in die Einzelteile.
Den Dimmer-Schalter-Typ für die Stehlampe hat er als Ersatzteil nun doch nicht dabei. Man wüsste ja noch nicht, ob wirklich der Schalter kaputt wäre. Richtig. Aber das Geschäft hat nach dem Typus gefragt, und die Bemerkung, dass das Teil gerade nicht an Lager war, erklärt nicht, warum es nicht für diesen Hausbesuch nachbestellt wurde, zumal wir in der Folge hören, dass der Typus Standard wäre und das Teil eigentlich immer an Lager sei und erst noch innert zwei Tagen von Fachgeschäften zurück gegeben werden könne. Irgendwie nicht besonders logisch, oder?
Es ist dann tatsächlich nicht der Dimmer-Schalter, das Problem wird anderweitig geortet und behoben. Der Mann kommt ja richtig vorwärts. Bleibt die Gegensprechanlage. Da hat sich ein Draht gelöst und der muss neu gelötet werden. Das ist nun definitiv ein Problem. Denn einen Lötkolben hat er nicht dabei. Auf die Frage, ob er so ein Werkzeug selten brauche, meint er: “Nein, das kommt durchaus öfter vor.”
Also fährt der junge Mann zurück in die Firma und holt Lötkolben und Leuchtmittel für die Stehlampe. Die Zeit läuft. Am Ende bezahlen wir für 65 Minuten inklusive Botengang in die Firma und wieder zurück den Regie-Ansatz von 75 Minuten. Jede angerissene Viertelstunde wird aufgerechnet.
Fazit: Es scheint mir, dass Handwerker sehr oft vor allem fürs Autofahren bezahlt werden – und ein gewisses Mass an Vergesslichkeit und fehlender Organisation ins Kalkül einer sich lohnenden Abrechnungspraxis gehört.
Ob die Rechnung für das Gewerbe aufgeht? Wie oft höre ich Branchenvertreter despektierlich über Baumärkte und Hobbyhandwerker wettern? Dann, liebe Gilde des goldenen Handwerks, solltet ihr dazu Sorge tragen, dass man der Kundschaft vermitteln kann, dass man auch zugunsten des Kunden das eigene Denken einschaltet und damit keinen zusätzlichen Anlass bietet, auf Selfmade umzustellen.
Fairerweise sei’s angefügt: Gegensprechanlage funktioniert wieder und Licht haben wir auch. Und freundlich war der Mann auch.
