Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Gott ist tot - und die Ethik müde.

∞  1 Oktober 2013, 20:28

Das Ethische lässt sich nicht narren, so wenig, wie Gott seiner spotten lässt; …
Sören Kierkegaard

Nun habe ich aber das Gefühl, dass die Hemmung, über Gott zu spotten, ganz sicher abnimmt. Und ich glaube auch, dass sich unser Gefühl für Ethik wandelt, ja, dass wir die Ethik selbst immer mehr biegen.

Oder ist es etwas anderes, wenn sich unsere Augen an Elend gewöhnen? Wenn sich unser Intellekt ganz schnell ausschalten lässt, indem wir das Elend der andern begründen, und also nicht selbst mehr etwas ändern wollen – geschweige denn müssen?

Politiker opfern alles dem Wählerwillen, sprich dem Wiederwahlwollenwillen.
Unternehmer ordnen alles dem Wachstum unter.
Und die Natur ordnet uns sich unter, auch wenn wir es (noch) nicht sehen.
Und das dürfte auch mit meiner Beobachtung und Mutmassung oben zu unserem Verhältnis zur Ethik durchaus ganz direkt etwas zu tun haben.

Wir fordern Freiheit, und leben sie dann so, dass wir in ihr ja nicht zu sehr ins Denken kommen.

Wir sind einfach nicht reif, um mit der Erde umzugehen. Wir hätten Gott dringend nötig. Doch statt in der Spiritualität Anregung und Gespür für die Art, wie wir selbst Teil der Natur sind, zu suchen, erklären wir die Welt und machen uns dabei mit unseren heutigen Irrtümern vor dem Wissen der nächsten Generation lächerlich.