Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Gegengewalt

∞  30 April 2010, 20:37

Kommentare von und bei Frau Zappadong lassen mich für einmal dunkles brüten:

Ich glaube an die Liebe. Ich meine damit jene Liebe, welche keine Bestätigung braucht. Die Mitgefühl für alle Wesen empfinden kann. Göttliche Liebe eben.
Aber ich weiss, dass ich sie nicht so in mir trage, dass ich meine Liebsten dafür opfern würde. Obwohl ich damit nur eine äussere Unversehrtheit meinen kann. Aber das reicht:

Ich habe Militärdienst geleistet, weil ich, würde ich einem raubmordenden, vergewaltigenden Soldaten begegnen, der meine Frau bedrohte, nicht zusehen würde. Ich würde mich wehren. Und zwar so, dass ich dem Kerl notfalls auch den Schädel einschlagen würde. Ich weiss das. Und darum habe ich in einer Verteidigungs-Milizarmee meinen Dienst geleistet. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, den Dienst zu verweigern. Weil ich diesen Reflex in mir kenne – und ich mich folglich nicht durch andere beschützen lassen kann. Oder nicht nur. Ich muss selbst Teil des Dilemmas sein.
Ich weiss nicht, wie man darüber urteilen mag. Es ist eben einfach meine Realität. Würde so was geschehen, so hätte ich das ganze Leben lang damit zu kämpfen. Ich würde mein Trauma gegen das verhinderte Trauma meiner Frau eintauschen. Und genau so würde ich für meine Landsleute gegen eine Bedrohung von aussen kämpfen. Damit würde womöglich nichts, rein gar nichts verhindert und zusätzliches Leid entstehen. Und meine Frau würde vielleicht, ja fast sicher dennoch Traumatas entwickeln. Aber dennoch ist es die einzige Botschaft, die ich zur Zeit bei einer solchen Aggression zu vermitteln hätte: Ich wehre mich für meine Liebsten.

Und nun, wie denkt man das weiter, wie würden Sie es sehen:
Was ist mit dem Kidnapper, den man fasst, während das Kind verschollen ist und der Täter nicht damit heraus rückt, wo sich das Kind befindet? Würden Sie in einem solchen Fall eine Befragung unter Gewaltanwendung, also Folter gutheissen?
Auch hier ist meine Antwort: Ja. Ich stelle mir vor, es wäre mein Kind. Vorausgesetzt, ich habe den Täter vor mir, und er rückt einfach nicht damit raus: Ja. Ich würde es gutheissen. Der Zeitfaktor. Ein Leben, das vielleicht noch gerettet werden kann. Ein Täter, der, am Ende eines fatalen Weges, auch sein Unglück noch schlimmer macht… Ja, ich glaube, ich würde es gutheissen – und stünde im nächsten Dilemma. Denn wo bitte, liegen die Grenzen, wenn sie einmal überschritten sind? Aber ich würde Ja sagen.