Freude an der Netzarbeit
Vom Fluch und Segen des Internets und seinen Gadgets, Widgets, Tools, Apps etc.
Alles darf und soll nur eine Hilfe sein, um einem Talent Raum schenken zu können. Eine Erleichterung zur inneren Annäherung; eine Art und Weise, mit der mit den eigenen Fähigkeiten umgegangen werden darf.
Wenn man ein Internet-Projekt anfängt, “weil doch heute alles so leicht geht im Netz”, dann erlebt man viele Wechselbäder von Euphorie und Frust. Die Gedanken können endlos um die aktuellen Probleme rund um Darstellung, Access, Erreichbarkeit, Verbreitung, Themenauswahl, Zeitmanagement, Reaktionen kreisen. Wirklich endlos. Und immer. Beim Kochen, Putzen, Spazieren – sofern das noch stattfindet. Zum Glück ist man dabei dann meist irgendwann so müde, dass man zwar viel zu wenig schläft, aber zum Einschlafen keinerlei Hilfen mehr braucht.
Dann ist mal Ruhe.
Als Partner, Freund oder Bekannter ist es, kennt man die Faszination des Internets nicht aus eigener Anschauung, manchmal wohl praktisch unmöglich, da noch dahinter zu sehen und verstehen (und akzeptieren) zu können, was daran so speziell sein soll, dass die ganze bekannte Tagesroutine und –ordnung plötzlich wie weggespült ist. Aber das gibt sich. Auch der dazu gehörende Ärger gibt sich. Hoffentlich. Es ist ein bisschen zu vergleichen mit jemandem, der herzlich gerne schreibend gestaltet, ein Layoutprogramm kennen lernt und fasziniert ist von den Möglichkeiten – um dann fortan fast zu verzweifeln, wenn sich etwas nicht so umsetzen lässt, wie man es gerne möchte – auch weil immer neue Fragen zur Anwendung auftauchen.
Beobachtet man das, mag man sich dann wundern: Komisch, er schreibt und gestaltet doch so gern – aber im Grunde flucht er nur noch den ganzen Tag.
Darum, liebe Freunde des Internets, wünsche ich mir, dass wir es alle so halten können und uns neu bewusst machen, was Thinkabouts Wife mir gestern vorlebte:
Es ist ja doof, und die Sache vielleicht objektiv nicht wert. Aber ich möchte im Grunde den ganzen Tag lang nichts anderes machen. Es macht einfach Spass!
Hey, Mädchen, das ist Klasse! Genau das darf nicht vergessen gehen, in allem Gewusel und Geknorze inmitten von Problemlösungen: Es ist ein Spassprojekt, es wird betrieben, weil es MIR Freude macht – und also will ich es auch geniessen.
Sitze ich daneben und spüre ich das, bin ich noch so gerne bereit, mitzuhelfen, entsprechende Freiräume zu schaufeln – weil es zum Glück beiträgt, Voraussetzungen dafür schafft. Aber wir alle, die wir uns in ein Projekt so vergraben können, müssen uns immer wieder bewusst machen, dass diese ursächliche, tief gehende Freude wirklich nicht verloren geht. Wir dürfen an der Sache arbeiten. Wir müssen nicht. Es darf nicht Sucht werden, nicht Frustschleuder. Es soll dem in die Hände spielen, was wir wirklich lieben zu tun.
Dann braucht es auch keine objektiv eh schwer messbaren Erfolgszahlungen. Weil es einen unmittelbar erfahrbaren inneren Gewinn für alle Mühe gibt.
Was auch immer Sie in die Hand bekommen, um einem Talent, das Sie haben, Gestaltungsmöglichkeiten zu verschaffen: Nehmen Sie es an und erhalten Sie es sich so, wie es gedacht ist: Als Hilfestellung. Sie müssen dabei nicht diese Hilfe beherrschen. Sie dürfen vielmehr dabei bleiben, in erster Linie die Substanz pflegen zu wollen. In welchem Kleid auch immer. Es ist der Inhalt, der Ihnen und den Lesern, Betrachtern oder Konsumenten Energie schenkt.
