Ferien. Zeit für ruhige Geschichten voller Frieden.
Wir sitzen in einem Esszimmer mit tief hängender Decke. Der Durchgang ins Kaminzimmer liegt im Dunkeln. Ich bleibe am Tisch sitzen, eine glückliche müde Leere im Kopf. Ich bin in den Ferien angekommen. Nach nur zweieinhalb Stunden Fahrt sieht die Welt innerhalb der Schweiz ganz anders aus. Das ist immer wieder faszinierend, führt allerdings nicht dazu, dass ich häufiger herum reise. Wenn ich es aber tue, wenn ich Luftveränderung wünsche, ohne mich ins Flugzeug zu setzen, dann bietet die Schweiz wohl eine einmalige Vielfalt auf engstem Raum.
Dieser knappe Raum ist unser Problem, bestimmt so manche Eigenart, ist eine Bedrohung mit seiner Enge – aber vieles von diesem Raum ist auch Teil einer Natur, die sich trutzig wehrt gegen allzuviel Verschandelung durch uns Menschen. Wie lange noch? muss man zwar gerade hier bei uns fragen – jede Sekunde wird ein Quadratmeter zusätzlich überbaut – und doch hofft man, wenn man so auf einer Bank in Mergoscia hoch über dem Stausee sitzt, draussen wie drinnen, wir mögen doch zur Vernunft kommen und mehr teilen. Wie dieses Haus, das zur Ferienmiete ausgeschrieben ist. Längst ohne eigenes Ferienhaus, entdecken wir, zwanzig Jahre später, das Tessin neu, und es ist herrlich, zu erleben, wie so Vieles die Erinnerungen in meiner Frau neu belebt und sie ins Erzählen kommt. Wie ich, der ich nun hier sitzen darf und meine eigenen Geschichten bekomme.
Ich habe Ferien.
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