Erprobt
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Manchmal schaue ich in unserer beschaulichen Alltagswelt über den Tisch oder rüber zum Sofa, betrachte meine Frau, und denke daran, was uns das Reisen gelehrt hat. Oder bewiesen.
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Wir sind eigentlich nicht besonders risikofreudig, keine Hasardeure und schon ein Rummelplatz lässt uns ernsthaft fragen, warum um Himmels willen wir bitteschön die Füsse von der Erde nehmen sollten? Und das auch noch freiwillig.
Aber ferne Reisen machen und die dazu notwendigen Erfahrungen einsammeln – das war irgendwie immer ein Teil von uns. Da lohnte sich für uns die damit verbundene Unwägbarkeit immer, und es hat uns auch als Paar immer wieder gut getan: Es ist nicht so, dass wir in solchen Situationen gelernt hätten, uns auf einander zu verlassen. Aber wir haben es bestätigt bekommen, es anwenden können.
Es mag sein, dass eine Beziehung auch davon profitieren kann, wenn die Notsituation einfach voraussetzt, dass man sich “jetzt” auf einander verlässt – aber das ist nicht das gleiche.
Ich muss vielmehr immer wieder daran denken, dass ich mit meiner Gefährtin wirklich überall hin komme – und mich da auch auf sie verlassen kann. Und zusammen wundern wir uns manchmal, was der Fährtenlenker sich bei diesen Gelegenheiten jeweils für uns ausgedacht hat: Eine Art Workshops, um die besondere Situation dafür zu nutzen, uns zusammen zu schweissen. Oder kann es ein Zufall sein, dass an den speziellsten Orten oft sehr spezielle Ereignisse die Situation noch schärfer ins Bewusstsein trieben?
Die Reifenpanne – genau in der Mitte der mit 91 Meilen längsten geradeaus verlaufenden Strasse der Welt in Australiens Süden.
Die plötzlich gekappte Rückfahrmöglichkeit zum Schiff, das in einer halben Stunde ablegt – in Hammerfest, Norwegen, der nördlichsten Stadt der Welt.
Oder der Rausschmiss aus der Transsib durch korrupte russische Zöllner mit dem Zusammenlesen der Ausrüstungsstücke auf dem Bahnsteig – nicht irgendwo, sondern in einem unbekannten Grenznest an der russisch-mongolischen Grenze.
Wir haben Frustrationen und Ängste ausgestanden, uns Handlungsfähigkeit zurück erkämpft, von den Stärken des andern profitiert, die Frustrationen geteilt, Schwächen eingestanden, und immer gewusst: Zusammen ist alles nicht wirklich eine Krise.
Es ist also sehr schön, zusammen in der Wohnung zu sitzen.
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