Eltern und Lehrer (und Kinder)
Das Kind prügelt sich auf dem Heimweg von der Schule und kommt mit einer Schramme nach Hause. Früher haben die Eltern dies nicht nur bemerkt, sondern das Kind darauf angesprochen und die Situation mit ihm besprochen, allenfalls den Kontakt zur anderen Familie gesucht.
Heute muss das nicht so sein. Erst einmal muss es bemerkt werden- und dann macht Mama oder Papa erst einmal den Lehrer verantwortlich…
Das ist jetzt sicher etwas pointiert formuliert, aber ich kenne mich teilweise wirklich nicht mehr aus, wenn ich Kollegen und Freunde von den Elternabenden erzählen höre. Lehrer werden da in Rollen gedrängt, die sie gar nicht ausfüllen können, weil Eltern schlicht ihre eigene Überforderung abschieben wollen. Lehrer sollten wieder vermehrt danach gemessen werden, wie sie ausbilden und lehren – und nicht erziehen.
Dummerweise sind nicht nur die Eltern heute mit den Ansprüchen, auch den eigenen (und sei es „nur“ bezüglich deren Leben neben den Kindern ), überfordert. Auch die Lehrer haben in ihrem Profil nicht unbedingt das gleiche Niveau an Vorbildsfunktion zu bieten, wie es früher anzutreffen war:
Menschen in allen Funktionen zahlen den Tribut der Individualisierung und hetzen der Befriedigung von Bedürfnissen nach, die bis anhin ganz selbstverständlich zurück zu stellen waren, wenn der Lebensentwurf eine Konzentration der Kräfte verlangte.
Und das treibt die wunderlichsten Blüten: Die Eltern fahren ihre Kinder zur Schule, weil es diesen nicht zuzumuten sei, durch die morgendliche Kälte und den Verkehr zu tapsen – und rufen gleichzeitig nach dem Mittagstisch, weil nur dieser die Berufsausübung erlaubt.
Das verstehe ich, und ich bin grundsätzlich für Hilfestellungen in diesem Bereich (wobei ich auch an die Mütter denke, die ökonomisch gar keine Wahl haben und die nicht in erster Linie Thema dieses Artikels sind). Aber was ich nicht verstehen kann, ist die unterschiedliche Wahrnehmung den Kindern gegenüber:
Ich habe ein Problem damit, das Kind allein aus dem Haus zu lassen am Morgen – aber keines, es durch „fremde“ Personen über Mittag bzw. über lange Zeiten neben der Schule betreut zu wissen??
Es ist, als würde auch hier einfach auf den veränderten gesellschaftlichen Druck reagiert: Hätte das Kind auf dem Schulweg einen Unfall, so wären die Eltern direkt angreifbar, weil sie diese Situation überhaupt zuliessen. Entfremdet sich das Kind in der Fremdbetreuung, so ist das aber mittlerweile etwas anderes – während früher genau dies zu einem Rabenmutter-Image geführt hätte.
Eine verwirrte Welt, irgendwie, in der unsere Kinder aufwachsen.
PS:
Eben lese ich in der Zeitung vom Grundimpuls von uns Menschen, uns nach dem Verhalten der Mehrheit zu richten. Beispiel:
Nichts motiviert mehr zu einem ökologischeren Verhalten als der Hinweis, dass die Mehrheit der Nachbarn sich genau so verhielten. Dies ist sehr viel wirksamer als die rein sachliche Argumentation für mehr Oekologie oder Einsparungspotentiale in der eigenen Geldbörse.
Auf das eigentliche Thema des Beitrags bezogen bedeutet das: Wir bestimmen mit unserem Bild von Familie deren sozialpolitische Entwicklung mit – bzw. lassen uns vom Druck der Mehrheit beeinflussen.
vielleicht ein Buch zum Thema, aus dem grössten Respekt heraus für die schwierige Aufgabe der Kindererziehung…
Kindgemässe Entspannung (Lutz Pinay)
via Wege zur Ruhe
