Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ein Unternehmer, der nie Manager wurde

∞  29 Juni 2010, 13:05

Nicolas G. Hayek ist tot.


Mit dem gebürtigen Libanesen ist ein Monument für das verantwortungsvolle gesellschaftliche Bewusstsein eines Schweizer Unternehmers abgetreten. Patrioten können Beklemmung auslösen. Sie können aber auch zu Leitsternen werden, Vorbildern, die durch ihre Haltung und ehrliche Stellungnahme genau so wie durch ihre Taten Identifikation beweisen – mit dem Land, in dem sie leben und in dem ihre Erfolge möglich wurden.

Hayek war ein Querdenker, ein Unikum. Unkonventionell zu sein und zu bleiben mag manchmal wie ein Programm erschienen sein, aufgesetzt aber wirkte es nie. Hayek hat seine innere Unruhe immer wieder in Ideen gekleidet, die er nicht nur formulierte, sondern auch zu verwirklichen versuchte. Dieser Mann, mit den um die Anzugenden hoch gekrempelten Hemdsärmeln und den vielen Uhren an beiden Handgelenken war verrückt genug, die Schweizer Uhrenindustrie gegen die fernöstlich billig kopierende Konkurrenz ausgerechnet mit einer noch billigeren Plastikuhr retten zu wollen – und er war gleichzeitig Realist, Arbeiter und schlau genug, das auch erfolgreich umzusetzen.

Hayek hat immer wieder quer gedacht, hat Etabliertes in Frage gestellt. Bei ihm blieb das nie Koketterie, denn er war verrückt und mutig genug, für seine Ideen auch einzustehen – und ein persönliches Risiko einzugehen. Was hat man über ihn gelacht, als er zum Autobauer werden wollte! Man mag über den Smart noch heute lachen, aber er rollt. Und zwar sehr viel weiter verbreitet als man das je gedacht hätte. Dabei kann ich mir vorstellen, dass Hayek vor allem freute, dass diese kleine komische Kugel auf vier Rädern etablierte Hersteller endlich dazu brachte, selbst ein wenig Risiko zu nehmen und eigene ähnliche Konzepte zu erstellen.

Hayek hat Swatch an die Börse gebracht, hat das Spiel eines börsenkotierten Unternehmens angenommen, akzeptiert, und mti seinen kommunikativen Talenten meisterhaft beherrscht. Er ist aber stets Unternehmer geblieben – und Visionär. Er hat sich stets persönlich eingebracht und sich so verhalten, wie sich ein Patron und Chef verhält: Er ist hin gestanden und für seine Meinungen eingetreten. Und er hat dafür auch immer wieder persönliches Risiko genommen.
Nicolas G. Hayek hat sich so, vielleicht zum Ärger vieler stromlinienförmig wirkender Konkurrenten und Mitspieler, etwas erhalten, was unbezahlbar ist: Glaubwürdigkeit.

Hayek wäre nie dort angekommen, wo er am Ende war, wenn nicht auch er Ränkespiele durchgestanden hätte. Nicht jede Idee, die er umsetzte, stammte von ihm, vielleicht hätten sich nächste Menschen manchmal frühere Zügelübergaben auf dem Kutschenbock gewünscht – am Ende aber steht eine Swatch, um die man sich auch ohne den Patron keine Sorgen machen muss.

Die Sorge um das Wohlergehen der Schweiz, wie es der Unternehmer Hayek stets erkennen liess, könnte aber zu einer Art Leitstern werden, in dessen Geist ich mir viele andere Wirtschaftsgrössen der Schweiz wünsche, welche mit ihrem ehrlichen Engagement für einen sozialen Frieden und wirtschaftliche Prosperität den eigenen Erfolg dann leichter zu finden glauben, wenn möglichst viele Menschen Unternehmens- und Wirtschaftsziele zu den eigenen Zielen machen können, weil sie für ehrliche Arbeit einen Lohn erhalten, der ihnen gerne bezahlt wird. Und darüber hinaus die ehrliche Wertschätzung, die da sagt: Ohne dich geht es nicht. Ohne dich wäre es nie gegangen und wird es nie gehen.

Nicolas G. Hayek ist gestern 82-jährig um die Mittagszeit in seinem Büro gestorben. Wir hätten ihn noch lange nötig gehabt. Was er aber anstiess, wird weiter leben. Auch das Selbstbewusstsein, mit der bewussten Annahme einer Konkurrenzsituation, auf die eigenen Stärken vertrauend, erfolgreich sein zu können. Together.