Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Die Zwickmühle der Fabrikantenidentität

∞  21 November 2013, 21:11

Ich arbeite in einer Branche, in der sich mittlerweile alle alt eingesessenen Firmen entschieden haben, wie sie dem Verdrängungsdruck widerstehen wollen: Als Fabrikanten, welche die Nischen besetzen, in denen echte Qualität Exklusivität verspricht, oder als Produzenten, die es verstehen, mit maximaler Automatisation höchsten Ausstoss zu geringsten Kosten zu schaffen.

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Manchmal bedauere ich es, dass wir – auch auf Grund unserer Produkte-Range – nie eine andere Wahl hatten, als auf Masse zu setzen. Dabei geht ein Stück Berufsstolz verloren, weil das eigenen Denken, das das sorgfältig konzipierte, hergestellte und kontrollierte Produkt im Zentrum sieht, kannibalisiert wird. Wer wen verdirbt, der Kunde den Hersteller oder umgekehrt, ist dabei oft nicht so deutlich zu sagen. Fest aber steht, dass im Retail heute so lange um jeden Cent gefeilscht wird, bis auf Produzentenseite jede Luft draussen ist. Und wenn Du dann mehrmals gegen ein ganz offensichtlich schlechteres Produkt, das einfach nur billiger ist, den Kürzeren gezogen hast, dann gehst Du über die Bücher.

Zurück bleibt man, auch als Sieger im nächsten Verdrängungskampf, ein wenig der Verlierer im eigenen Berufsstolz. Das Rezept, um dem widerstehen zu können, habe ich auch noch nicht erfunden. Ich könnte viel Geld damit verdienen, hätte ich es… Was ich einfach immer wieder betonen kann, ist:

Wir sind als Konsumenten oft an der Misere der schwindenden Qualität mitschuldig, weil wir so sehr und immer noch entschiedener nach dem Preis auswählen, dass uns angesichts des Schrotts, den wir immer wieder kaufen, am Schluss nur das Schulterzucken bleibt und der Reflex:

Das nächste Mal habe ich wieder Glück und das Ding taugt.

Mit dieser Einstellung ziehen wir die Standards der Wertigkeit der Alltagsprodukte laufend nach unten – und die Lebensmittel gehören auch dazu.