Die Zuneigung fühlen - und ihr auch eine Sprache geben!
Zum Siebenjährigen Bestehen dieses Blogs erlaube ich mir mal einen Griff in die Mottenkiste. Manchmal stöbere ich selbst gerne in alten Beiträgen an altem Ort – so langsam sollte ich die Inhalte allerdings alle mal hier bündeln – und die alten Sachen still und leise chronologisch am Ende, das in einem Blog ja der Anfang ist, hier einfügen. Ist allerdings eine Heidenarbeit – und liegt darum noch auf einer gaaaanz langen Bank.
Also: Text vom 17. Oktober 2006 (ich kann mich ganz knapp beherrschen, stilistische Verbesserungen anzubringen; der Text soll hier unverändert stehen):
Wie oft denke ich Gutes über einen Menschen und sage es ihm nicht?
Man solle nicht zuviel loben, nicht zu viel der Worte machen, Menschen nicht mit Zuneigung erdrücken, höre ich immer wieder.
Wir haben Angst, zurück gewiesen zu werden und in der Tat können wir oft mit Lob oder Liebe, auch freundschaftlicher Art, sehr schlecht umgehen, auch und gerade dann, wenn wir sie unverhofft erfahren.
Nicht zuviel reden, weil dies – inflationär gebraucht – den Zauber entwertet, das Aussergewöhnliche alltäglich macht, ist ein anderer Einwand.
Alltäglich und abgenutzt kann aber nichts werden, was wir wirklich denken. Und tatsächlich scheint es doch so, dass wir sehr viel öfters einen liebevollen oder zumindest achtsam-respektvollen Gedanken für jemanden haben, ohne dass wir ihm oder ihr diesen aber auch mitteilen, wirklich sagen würden.
Schauen wir uns doch um. Nicht mal in unseren engsten Beziehungen pflegen wir die nur scheinbare alltägliche Geste des zärtlichen Wortes. Dabei ist dieses, so ganz nebenher gesagt und doch direkt aus dem Bauch auf die Lippen kommend, die wirkliche Essenz einer Geborgenheit schenkenden Vertrautheit, eines Zusammengehörens, einer Umarmung der Seele.
Niemand fühlt sich mit einem Menschen jederzeit und überall restlos wohl. Da stehen wir uns schon selbst zu sehr im Wege. Aber die Summe aller erlebten und immer wiederkehrenden Feiern jener Augenblicke, in denen dem eben doch so ist und ich, Du dies auch bemerkst, und sagst, macht das Wissen aus, aufgehoben zu sein. Ein einzelner Blick, eine Berührung, ein Kosewort, ein Hauch für Nachhaltigkeit, niemals wirklich ohne Bedeutung. Tragen wir uns Sorge!
