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Die Pharmalobby ist unfassbar

∞  13 Februar 2013, 19:03

Der Kampf gegen überteuerte Medikamentenpreise in der Schweiz ist episch. Und fast erfolglos.

istockphoto.com/MHJ:
“Take Your Medicine”

Immerhin sind nun, wie man hört, bei den patentierten Medikamenten erste Erfolge erzielt worden – und der Vergleich mit dem Ausland zeigt nur noch 12% höhere Preise. Ich verzichte hier auf Anführungszeichen bei nur, denn bei anderen Produkten ist dieses Ergebnis sehr oft nicht besser. Aber was ist es für ein Kampf, an einen solchen Punkt zu kommen. Und wie wird ein solches Ergebnis kompensiert?

Wie war das nochmals? Als Grund für die überteuerten Preise führte die Pharmalobby an, dass damit der Schweizer Standort, der in erster Linie ein hochwertiger Forschungs- und Entwicklungsstandort sei, gestützt werde und damit Arbeitsplätze gesichert würden. Und natürlich haben wir höhere Standards für die Produktauszeichnung etc. etc. Wir kennen die Gründe, und nicht in jedem Fall haben wir ja dafür kein Gehör, siehe Lebensmittelskandale.

Nur lasse ich mich nicht gerne für dumm verkaufen. Weiter hiess es nämlich, statt der Pharmaindustrie die Preise zu drücken wäre es viel wichtiger, die Patienten dazu zu veranlassen, vermehrt Generika zu verlangen, statt der teureren Originalpräparate. Ganz im Sinne der Krankenkassen würde das eine effektive Einsparung der Gesundheitskosten bringen. Und was hören wir nun?

Generika sind in der Schweiz verglichen mit dem Ausland auch teurer. Aber nicht 12%, sondern 100%. Der Schweizer zahlt also das Doppelte. So nebenbei erfährt man dann auch noch, dass der Pharmaindustrie bei der Beurteilung der Preisvergleiche und der Festsetzung der Medikamentenpreise bis vor kurzem ein Euro-Wechselkurs von 1.40 zugestanden wurde – geht’s noch? – neu sind es 1.29. Was immer noch fünf Punkte zu hoch ist, die Pharmalobby aber zetern lässt, als würde die Stilllegung aller Basler Chemie-Schornsteine unmittelbar bevor stehen:

Wenn wir also wieder mal über die Banker wettern, dann sollten wir uns ganz schnell bewusst machen, dass es keine einzige Branche gibt, in welcher der Gewinn nicht bis zum äussersten maximiert wird und dafür jede erdenkliche Lobbyarbeit geleistet wird. Wir brauchen für die Sicherheit der Grundversorgung und der Gesundheitskosten regulierende Eingriffe des Staates – der freie Markt hat nie das Gemeinwohl im Sinn. Die Klauen einer Wirtschaft, die masslose Pfründe zu zementieren versucht, muss man dadurch allerdings nicht loswerden, im Gegenteil.

Was ich mich bei solchen Meldungen und den Statements der Industrie jeweils frage, ist, ob sich die Damen und Herren Wirtschaftsvertreter eigentlich bewusst sind, dass sie mit jedem neuen alten Mantra über die zu sichernden Arbeitsplätze und zu optimierende Wirtschaftsbedingungen den Goodwill, den sie durchaus in der Bevölkerung besitzen, beschädigen, bis eines Tages nur noch bitterer Hohn erzeugt wird?

Ihr Pfründenverwalger und –optimierer, seid Euch bewusst:

Ihr untergräbt das Wurzelwerk und zerstört den Humus, auf dem die Prosperität Eurer Firmen wirklich fusst: Den Einsatzwillen und die Loyalität der eigenen Arbeitnehmer, die selbst auch Konsumenten sind, und auch darin ein Mindestvertrauen aufbringen können sollten, dass das angepriesene Produkt tatsächlich seinen Wert hat.

Überhöhte Preise tragen eine enorme Sprengkraft in sich: Sie zerstören Kundenvertrauen und damit Kundentreue und machen damit zum Ende die eigenen Angebote beliebig. Wenn man nun davon ausgeht, dass irgendwann diese Gefrässigkeit bestraft wird, könnte man sich damit trösten und annehmen, dass zu guter Letzt ehrlich am längsten währt. Nur ist es ja leider so, dass nicht nur bei den Bankern die Zeche am Ende tatsächlich von den Arbeitnehmern bezahlt wird:

Hat die Firma viel Geld verdient, ist dabei aber verdorben worden, so höhlt sich ihre Substanz aus, bis der Arbeitswille der Angestellten kein Substrat mehr vorfindet, mit dem sich arbeiten liesse. Die ehemaligen Gewinne aber sind längst im grossen Reibach als Boni und Provisionen ausgeschüttet worden. Oder gibt es irgend ein Bonus-Programm, das verringerte Gewinne zugunsten grösserer Nachhaltigkeit belohnen würde?