Die Macht jeder Kränkung kann relativ werden
SMS zum Tag:
Kränkung und Demütigung können nur so stark sein, wie unser Drang, ausgerechnet von diesen Missgünstigen Anerkennung zu erfahren.
Oft lässt sich gut ohne leben.
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Ich kenne Menschen, die immer und immer wieder ein ihnen widerfahrenes Unrecht repetieren können. Sie erleben es immer wieder, hadern mit den Menschen, die Urheber waren, vielleicht aber auch mit dem Geschick, das sie diese Erfahrung machen liess. Und dann beginnt das Teufelsspiel im Kopf: Man beginnt zu überlegen: Was wäre wenn? Was wäre mir als Karriere möglich gewesen, wenn mich dieser oder jener Chef nicht übergangen hätte?
Was wäre schulisch möglich gewesen, wenn ein bestimmter Lehrer mir mehr zugetraut und nicht in Vorurteilen mir gegenüber verhaftet geblieben wäre und – schlimmer noch – sie auch Teil seiner Beurteilungen werden liess?
Da wir keine Möglichkeiten haben, diese Dinge mit den betreffenden Menschen zu klären – und auf diesem Weg zu erfahren, dass auch sie sich verändert haben, genau so, wie wir selbst – können wir diese Gedankenkreisel zur ständigen inneren Unrast werden lassen. Mit fatalen Folgen für unser Seelenheil.
Wer auch immer wann auch immer in meinem Leben Grund für eine verbaute Chance war, Teil einer Missachtung meines Wesens, Urheber einer Verletzung, die mich immer begleiten wird: Er oder sie ist Teil meiner Geschichte und darin auch eine Art Lehrer. Wir müssen unseren Blick weg von der fassungslos machenden persönlichen Missgunst in einem bestimmten Moment bekommen und ihm seinen Platz in der Vergangenheit geben – aber nicht mehr: Wir sind nicht das Ereignis, die Person, die uns begegnete und Macht über uns hatte, wir sind das, was wir daraus gemacht haben:
Haber wir nach dieser Weiche, die uns den direkten Weg verbaute, das Reisen aufgehört? Was haben wir erfahren, erlebt, geschenkt bekommen, was uns sonst vielleicht nie widerfahren wäre? Wir lassen alles hinter uns. Auch die Erfolge. Der grösste Triumph, der schlimmste Schmerz – das Danach kommt immer. Es schwächt ab, relativiert, regelt sich ein, wird Geschichte. Wir sollten den Prozess nicht behindern, indem wir das Leid wach halten, indem wir es immer wieder erleben, scheinbar erleben müssen. Ist es wirklich zwingend? Oder wollen wir auch dies nicht loslassen: Das Recht, empört zu sein, Frust zuordnen zu können, Dinge, die wir nicht auf die Reihe bekommen, auf etwas zurückführen können, dem wir die Schuld geben können?
Jeder Schüler lernt dazu. Tag für Tag. Und je aufmerksamer und bereitwilliger er dazu ist, je besser er seine Ziele kennt, um so mehr kann er lernen. Über das Leben, das er wirklich führen will.
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