Die Idee Europa wird 50
© Chappatte in “Le Temps” (Geneva) Mar 22, 2007
Ich gehöre zu einer Generation, die den Krieg nur aus Geschichtsbüchern kennt. Aufgewachsen bin ich mit der Angst vor Atomkraftwerken und -Waffen und im Geist des Kalten Krieges. Aber das “Gleichgewicht des Schreckens” hatte etwas Surreales, die Bedrohung fand nur im Kopf statt. Fast rührend fand ich das Bedauern der Älteren, die den zweiten Weltkrieg erlebt hatten und uns gleichwohl in unserer Jugend und diesen Ängsten nicht beneideten.
Als Jugendliche waren wir wohl genau so abgelöscht oder verdreht wie andere Generationen zuvor und danach. Dennoch schadet es nichts, Jungen wie Älteren zu diesem Geburtstag der EU vor Augen zu führen, wie privilegiert unser Kontinent in seiner jüngsten Vergangenheit war.
In der Schweiz kommen wir mit allem ein wenig hintennach. Selbst in den Kriegen war es uns vergönnt, nur zuzuschauen… Das haben wir manchmal ein bisschen zu sehr beibehalten, scheint mir. In allen Diskussionen über die Art des Beitrags der Schweiz zu Europa kommt dabei wohl zu kurz, was gerade die heutige Jugend an und in Europa finden könnte: Den kulturellen Austausch, das Begreifen übergreifender Gemeinsamkeiten, die sich in der Vielfalt eher vermehren statt einebnen würden, suchten wir sie denn noch mehr.
Im Abwägen der wirtschaftlichen Vorteile steckt nicht nur der Mechanismus, nachdem auch die EU bisher wirklich funktioniert, sondern auch unser Reflex, mit dem wir uns in Europa zu finden versuchen.
Dafür Sorge zu tragen, dass junge Menschen Ausbildung und Job bekommen können und auf ihre Wünsche hören – es wäre in einer überalternden Gesellschaft nicht der schlechteste Weg, auch die Europa-Diskussion zusätzlich zu beleben.

