Die Fans auf dem schmalen Grat
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Besuch bei den Swiss Indoors in Basel am Freitag. Turnierdirektor Roger Brennwald verweist gerne darauf, dass dieses Tennisturnier mit einem Budget von 20 Mio CHF der mit grossem Abstand grösste Sportanlass der Schweiz ist. Und wie bei anderen “Events” mit Strahlkraft lässt sich dieser Aufwand nur mit Sponsoren stemmen. Das ist ein schmaler Grat, aber nicht nur in der Weise, wie es sich die Turnierorganisatoren bewusst sind.
Ich weder unsere Firma sind Sponsoren des Anlasses noch Mieter von Logen. Ich kann also nicht beurteilen, wie viel man als Turnierbesucher dieser Kategorie vom Anlass zurück erhält. Ich gehöre zu jenen Tennisbegeisterten, die sich in Pausen durch die Gänge quälen und an den verschiedenen Ständen entlang der Hamsterpfade nach etwas Essbarem Ausschau halten. Ich war zudem eingeladen, und mein Gönner wollte es sich nicht nehmen, mich zum Essen ins Restaurant einzuladen. Weisse Tischtücher, Bedienung und eine sehr überschaubare Menukarte – mit höchst stolzen Preisen. Man bezahlt für die Gunst, mit ein wenig mehr Ruhe und auf einem Sitzplatz ein Essen einzunehmen, das man sich nicht in einer Schlage erstanden hat, einen stolzen Aufpreis, der sich an Edelrestaurants in der Innenstadt orientiert, wenn überhaupt. Und so beschleicht einen das schale Gefühl, einigermassen über den Tisch gezogen zu werden.
“Draussen” ist es auch nicht wirklich viel besser. Da sind die Preise auch hoch, aber vergleichbar mit dem Aufschlag, den man bei anderen Sportveranstaltungen schon bezahlt, mittlerweile mit einem inneren Grummeln, das man manchmal selber nicht mehr hört. Wenn man dann aber in die Auslage guckt, die mitten am Nachmittag schon mal so ausgedünnt ist, dass die fettige Ablagefläche im Deckenlicht blinkt, wenn der Muffin oder der Hefekranz oder das Sandwich schmeckt und vielleicht auch riecht, wie irgend ein Muffin, Hefekranz oder Sandwich eben schmeckt, dann wird dieses Grummeln wieder etwas stärker.
Unter dem Strich frage ich mich manchmal, ob ich eigentlich die Gunst, meine geliebten besten Tennisspieler einmal live sehen zu können, wirklich mit low-service rundum “büssen” muss?
Wenn schon klar ist, dass so ein Anlass nur finanziert werden kann, wenn Sponsoren kräftig in die Tasche greifen und dann auch in separaten Service-Zonen entsprechend hofiert werden, dann sollte man sich für das Fussvolk eine andere Strategie überlegen, die wohl nur ein paar hunderttausend Franken mehr kosten würde, wenn überhaupt:
Entweder ich passe da die Preise im Mantel ums Stadion der Qualität des Angebots an und senke sie, oder aber ich sorge dafür, dass es für einen Aufpreis in der Hand oder auf dem Teller dann auch mehr zu erleben und zu schmecken gibt als am HotDog-Stand am Bahnhof. Dann dürften die Snacks sogar einen Franken mehr kosten, wenn denn auch etwas dahinter stecken würde.
So aber bewegt sich der Anlass wie so mancher andere auf einem schmalen Grat, auf dem man die Treue der wirklichen Fans riskiert: Man braucht sie, weil sie für die Stimmung sorgen und die sind, die nicht nur für den Entscheidungssatz bei den wirklichen Stars tatsächlich auf ihren Plätzen sitzen, und weil sie für die Stimmung sorgen – aber viel mehr als ein Eintrittsticket zu ja durchaus hohen Preisen offeriert man ihnen nicht. Da ist der Gap zum Abriss nicht sehr weit – genau so wenig weit, wie Planen und Rohrkonstruktionen zu kaschieren vermögen, dass man sich in einer vierzig Jahre alten Halle mit schlechter Belüftung befindet.
Immerhin: Ausgeleuchtet ist sie bestens, die Sicht aufs Spielfeld dürfte von allen Plätzen aus gut sein. Und am Ende kommt jeder von uns wegen den Spielern und nicht wegen einer lappigen oder strammen Käsescheibe. Mindestens so lange, wie Roger Federer spielt…
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