Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Die Einsamkeit da oben

∞  3 Januar 2011, 23:08

Wissen Sie, wie es sich anfühlt, Chef zu sein? Ich meine nicht den Chef, den sie täglich sehen, mit dem Sie arbeiten, vielleicht gar ein Bier trinken, nach Feierabend, manchmal. Ich meine den Chef einer großen Firma, den Sie unter Umständen gar nie sehen, nach Ihrer Arbeit. Vielleicht wissen Sie von ihm, dass er sich gar nie an Ihren Tisch setzen würde. Oder Sie glauben, es zu wissen. Aber haben Sie sich schon mal überlegt, mit wem dieser Chef sein Bier trinkt? Zuoberst ist man verdammt allein. Und wenn man es nicht ist, muss man im Gegenüber vielleicht den unredlichen Berater vermuten. Immer. Wer meint es schon ehrlich, wenn er es mit der Macht zu tun hat oder selbst welche anstrebt? Und das Feierabendtrinken in Countryclubs kann gar nicht so gehoben sein, dass es nicht auch elend anmuten könnte, bei so viel dringender Usanz, souverän den Habituė zu geben… 

Unter Ihren Kollegen gibt es bestimmt auch Ehrgeizlinge, vielleicht ist einer von Ihnen Ihr nächster Chef… Konkurrenz gibt es also immer, aber je weiter oben, je windiger wird es, mag die Luft auch noch so duften. Und der gute alte Patron? Er lädt sich womöglich gerade die Sorgen der ganzen Firma neu auf die Schultern. 

Es ist ein einsamer Job, entscheiden zu müßen. Und diese Entscheidungen haben es oft an sich, dass sie nicht unbedingt “populär” sind. Aus allen diesen Gründen sind solche Chefs, die sich um echte Kommunikation selbst bemühen, die begründen und nachvollziehbar machen wollen, was sie tun, es wert, dass man Ihnen zuhört, auch dann, wenn Sie keine begnadeten Kommunikatoren sind. Nicht alle haben das Guru-Selbstvertrauen eines Steve Jobs, aber viele sind wohl in der Lage, gemeinschaftlicher zu denken, als es ihr einsames, scheinbar zwangsläufig ein wenig abgehobenes Leben vermuten ließe. 

Wenn sich solche Persönlichkeiten also hinsetzen können, um zuzuhören, dann sollten wir auch mit Ihnen reden. Und zwar so, dass alle am Tisch die Firma im Auge haben. Damit der nächste Grundsatzentscheid sich für alle etwas weniger einsam anfühlt.