Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Der Umgang mit Für und Wider

∞  13 Dezember 2009, 17:52

Es sind heftige Wochen, und ich blicke auf manche eigene Stimmungsschwankung zurück, hin und her gerissen zwischen erfahrenem Zuspruch und missverstandener Kritik, ob ausgeteilt oder eingesteckt. Vor mir liegen auch einige Mails von Menschen, die sich aus dem Diskurs verabschiedet haben, ob sie nun mit diskutierten oder nur still mitlasen. Und damit meine ich noch nicht mal den Stamm meiner Leser, dem die “unparteiische”, allgemein gültige Kontemplation zu allen Themen besonders gefiel.

Wir sind alle ein bisschen müde, während in der Öffentlichkeit jeden Tag Wortmeldungen aufkommen von Menschen, Personen und Vertretern von Parteien und Organisationen, die auch noch in irgend eine Richtung mobilisieren wollen.
Wenn ich mich an einer politischen Debatte so beteilige, dann ist das am Anfang vielleicht nicht gänzlich wohl überlegt. Ich frage mich aber jeweils sehr wohl, ob ich bereit bin, mich den Folgediskussionen auch zu stellen.


Wie heftig dies wird, kann ich zwar nie abschätzen, aber ich weiss zumindest, ob das, wofür ich bin, auf mehr als einem Impuls beruht, sondern auf Grundeinstellungen, die einem Ansturm auch standhalten. Und darum ist für mich eine Debatte, wie sie hier ausgelöst wurde, auch in ihrer Länge und Heftigkeit so lange etwas Gutes, als es mir gelingt, die Voten als Hilfen zu sehen, meine Positionen ständig zu überprüfen – und dazu zu lernen. Die Diskussion darf aber nie zur Selbstdarstellung werden. Damit meine ich mich selbst, und niemand anderen. Jeder einzelne macht mit sich selbst aus, ob es dazu kommt oder nicht. Ich bewege mich hart an der Grenze, denke ich.

Jede politische Grundsatz-Diskussion wie in der Folge der Minarett-Initiative kennt auch Wellen, Peaks, bei denen der emotionale Ausschlag groteske Formen annehmen kann. Zum Glück wird im politischen Alltag durch die “formale Kraft des Faktischen” manches wieder relativiert und zurecht gerückt.
Für mich war und ist klar, dass ein solcher Diskurs am Ende in meiner kleinen Welt, zumindest in meinem Schreiben und Reflektieren, auch einen Frieden finden muss:

Positionen, die nicht den Widerpart brauchen, um erneuert zu werden, sondern Teil einer Weltanschauung sein können, bleiben lebendig, ohne dass sie stets herausgefordert werden. Und so wird dieses Blog auch ein Schauplatz dieser Art Verarbeitung sein, indem es hier Gedanken zu lesen geben wird, die sich zum Beispiel mit folgenden Phänomenen, Wahrnehmungen, Überlegungen und Fragen beschäftigen:

- Die Angst vor der Angst

– Der Wunsch nach der einfachen Antwort

– Mehrheit und Minderheit

– Protest, Debatte, Streitgespräch, Gespräch, Austausch

– Der Hang zum Gegensatz

– Die Herausforderung des Ganzen (Yin und Yang, wie es gemeint ist)

– Religionsfriede als Norm setzt Glauben ohne Dogmen voraus

– Wer Respekt fordert, muss sich diesen auch verdient haben

Herzlich gern nehme ich weitere Themenstellungen oder mögliche Titel entgegen.
Und überlege mir darüber hinaus, mich zu politischen Themen eher per Kolumne zu äussern. Zu festgesetzten Zeiten, wiederkehrend. So, wie ich es zu gesellschaftlichen Themen schon einmal gemacht habe. Was brauche ich dazu mehr als den inneren Antrieb und die Disziplin für die Pflege des eigenen Mediums?
Die atemlose Hetze, hinter einem Thema her, zermürbt einen Einzelkämpfer ohne Redaktion im Hintergrund; ganz ohne Medium, das als Institution einen gewissen Rahmen schafft und damit ein Gerüst erstellt, in dem man seinen Halt hat, eine erste Anlaufstelle. Dagegen steht als Positivum und Gegengewicht die unbedingte Freiheit, die sich nur sich selbst verpflichtet sieht und auch gut daran tut, diese Verpflichtung hoch zu achten, will man nicht unglaubwürdig werden. Das soll und wird mir nicht passieren, und so wird hier auch zukünftig viel Integratives für alle Menschen zu lesen sein, die guten Willens für ein friedliches und echtes Zusammenleben sind.