Der schöne Fluss der Tage
Ein Leben der Tage, scheinbar ganz ohne einen grossen umspannenden Bogen. Sie folgen sich dahin und müssen so wenig, wenn “man”, also ich, es genau bedenke.
Da sind Menschen, die mir trauen, vertrauen, mich brauchen, vielleicht, oder vermeintlich, mir in jedem Fall gut tun und mich lehren, auch auf mich selbst zu hören, wenn ich rate, berate, begleite, sehe und dann auch denke: So ganz anders ist das Dich selbst Umtreibende auch nicht. Gott sei Dank. Wir sind in unserem Fragen einander doch alle Geschwister.
Ich lerne Geschichten und finde eigene, ich lese Gedanken und denke selbst weiter, ich bin auf Besuch und doch bei mir. Thinkabouts Wife putzt uns die Wohnung, und – bevor der Aufschrei erfolgt – sie tut es so selbstverständlich nebenbei und doch bewusst, wie ich den Abwasch oder die Wäsche besorge – weil wir uns Zeit nehmen dürfen für uns, allein und gemeinsam, daneben und dabei, bewusst und manchmal einfach so geschenkt.
So vieles wäre zu tun, in den kleinen Dingen. Unerledigt, nicht drängend, aber nicht verschwindend. Der Reisebericht, die Wäsche, das Buch, das unbedingt weiter gelesen werden soll, der zu redigierende Text, der nächste Eintrag, die Fotostrecke, die dem Kollegen so viel Freude macht.
Genug offene Enden und anregende Anziehung, die ich geniessen kann – wenn ich mir nicht den Zwang auferlege, aus welchen Gründen auch immer zu denken, ich müsste längst damit fertig sein.
Also freue ich mich auf den Kaffeetisch heute Nachmittag mit lange nicht gesehenen lieben Menschen, auf das mir angebotene Doppel morgen Abend mit Kerlen, die wirklich Tennis spielen können, und auf mein nächstes Rendez-vous mit dieser Tastatur, das lange davor schon folgen wird.
Und ich sage danke für das Alles und Alle, die mir dabei helfen, immer ein Lernender zu bleiben, selbst wenn ich vermeintlich der Rat Gebende bin. Denn lernen und staunen, das tue ich jeden Tag, über Euch, Sie, mich, meine Geschöpfe rundum, bis zur Erschöpfung. Bleiben aber tut die Freude auf den nächsten Tag und das Wissen, dass es nicht mehr braucht, um glücklich zu sein. Es braucht keine Aufregung, Sensation, kein Ziel, keine Initiative. Der rote Faden zeigt sich von allein, richtet sich in meiner Erinnerung plötzlich auf mich aus, dringt zu mir durch, schlängelt sich an mir vorbei und führt mich in die Zukunft.
Und ich? Darf einfach bei jedem Kringel der Gegenwart stehen bleiben und ihn betrachten und untersuchen, an ihm zupfen und ziehen, bis sich der Knoten plötzlich zu lösen beginnt und dann alles von alleine weiter führt, in die nächste Gerade, der bestimmt wieder eine Kurve folgt und ein unbekanntes Dahinter.
Wir alle können immer wieder vor dem nächsten Aufblühen stehen:

