Der Reverend und sein Schäfchen
Ich habe so meine Nachrichtenzeile, die ich auf verschiedenen Portalen täglich einmal rauf und runter fahre. Es ist leicht, jeden Tag zum gleichen Ergebnis zu kommen:
Die Welt spinnt. Das heisst: Die Menschen auf dieser Welt.
Was auch immer leichter fällt: Nicht darüber zu schreiben. Also: Nicht unentwegt. Ich kann mir ja auch gar nicht mehr zuhören. Ich muss wie ein altes keifendes Waschweib des Mittelalters klingen. Und ich hasse es durchaus, mich allzu oft auch genau so alt zu fühlen. Und so hirnzermatscht:
Ich blicke ungläubig auf den Bildschirm, wo der Pfarrer im amerikanischen Senat laut vor der Sitzung im Gebet fleht, Gott möge die Welt von dem Irrsinn befreien, der in diesem Saal gleich wieder wüten wird. Als dann spät abends bekannt wird, dass sich die Streithähne auf einen Kompromiss geeinigt haben, der etwa so überraschend war wie das Ei, das doch tatsächlich runter fällt, wenn es über die Tischkante rollt, höre ich den O-Ton eines US-Parlamentariers, der doch tatsächlich meint, die Gebete des Reverends hätten ihn “inspiriert”. Wenigstens er wird diese Nacht scheinbar gut schlafen.
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