Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Der Fussball verbindet Völker - und erzählt von Menschen

∞  16 Juni 2010, 00:50

Otto Pfister, deutsches Trainerurgestein mit wohl bald vierzig Jahren Arbeit in Afrika, unter anderem in vielen Nationalmannschaften auch an Weltmeisterschaften, erzählt von den Gegenheiten auf dem Kontinent. Und er erzählt vor allem auch von den Spielern, die ihn heute noch anrufen. Es spricht eine Gelassenheit aus ihm und das heitere Wissen des alten Weisen, dass man noch so viel erzählen kann, es wird wohl allen unverständlich bleiben, welche die Verhältnisse nicht aus eigenem Erleben kennen.
Aber wenn er von “seinen” Spielern erzählt, was für Menschen das sind, dann spricht eine tiefe Freude aus ihm. Da hat ein Mann mit Herz sehr viel Wärme zurück bekommen, und die trägt er in sich und strahlt sie aus. Pfister ist ein Botschafter des Fussballs für Afrika und ein Botschafter Afrikas für Fussball-Europa.

Andy Egli ist Schweizer Ex-Nationalspieler und einer der wenigen, die es schon früh geschafft haben, sich international in guten Ligen durchzusetzen (Borussia Dortmund in der Bundesliga). Seine Trainerkarriere verlief nicht so linear. Aber Egli hat seinen Horizont erweitert und Abenteuer gewagt. Und er hat sie gelebt, aber nicht als Hasardeur, sondern ernsthaft, mit vollem Einsatz. Egli war mehrere Jahre in Südkorea Clubtrainer und hat versucht, die Akzeptanz, die er dabei erfuhr, mit Respekt zurück zu zahlen. Wenn Egli von den Verhältnissen in Süd- und Nordkorea erzählt, von der besonderen Geschichte des in Japan geborenen Mittelstürmers mit der Nummer 9, der eine südkoreanische Mutter und einen nordkoreanischen Vater hat, in Japan eine nordkoreanische Schule besuchte und sich als Fussballspieler für das Land seines Vaters entscheidet, einfach, weil dies sich für den Sohn gehört, obwohl er nie in diesem Land gelebt hat, dann tönt das aus Eglis Mund sehr eingehend feinfühlig; Stimme und Besonderheit der Geschichte passen zusammen. Da sitzt ein Trainer, der auszog, zu lehren – UND zu lernen. Und auch er spricht von “seinem” Spieler, einem Defensiv-Spieler unter den koreanischen WM-Fahrern, und was sie für eine schöne Zeit gehabt hätten “zusammen”, weil das ein ganz feiner Mensch sei.

Es sind dies die Begebenheiten, für die ich das Faszinosum der Fussball-WM so liebe – alle vier Jahre wieder. Ich bin ein grosser Fan dieses Spiels – aber es würde alle, die nie gegen einen Ball getreten haben, kalt lassen, wenn es nicht genau diese Geschichten gäbe und die unverfälschten Gelegenheiten, wirklich etwas über die “anderen” Menschen zu erfahren. Und dabei eben zu spüren, was in ihnen genau so anklingt wie in uns:
Das Menschsein. Die Fähigkeit, Gemeinsamkeit und Verbundenheit zu leben, sich zu begegnen und eine Bereicherung für einander zu sein. Eine Fussball-WM kennt am Ende immer einen Sieger. Aber kein anderes Sportereignis schafft so viele Verbindungen und Begegnungen unter Menschen, über alle Kontinente hinweg. Und interessanterweise sind es am Ende immer die “guten” Geschichten, die bleiben. Fussball bleibt eine Macht in seiner Grundeigenart des SPIELS. Der heiligste Unernst, den wir kennen und dem wir frönen dürfen, weil das Kind in uns sich ausleben darf. Und dazu gehört der Nachbar. Allein Jubeln und leiden ist irgendwie traurig. Und hier, liebe Freunde, geht es tatsächlich um ein Spiel. Zumindest für uns.