Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Definiere oder kommuniziere Leistung und entlöhne sie

∞  17 Januar 2010, 20:54

Kommunikation ist alles, sagt man. Auf jeden Fall ist sie oft sehr entscheidend, wenn es darum geht, ein Team für ein Ziel zu motivieren. Sie wäre auch extrem wichtig, wenn es darum geht, dem Volk zu erklären, warum Banken nach wie vor so exorbitant hohe Boni auszahlen. Aber dies wird nicht wirklich ein Artikel um die Boni-Zahlungen an sich.

Wohl niemand weiss so genau zu ermitteln, ob die Boni nun im konkreten Fall unter dem Strich tatsächlich ähnlich hoch sind wie bisher, oder die Gesamt-Lohnsumme eben doch massgeblich gesunken ist. Kommunikation muss auch gewollt sein, und ich denke, dass das wirklich Allergefährlichste an dieser Situation ist, dass dies je länger je weniger überhaupt versucht wird. Es herrscht das Gefühl vor, dass sich hier ein Wirtschaftszweig oder gar die Wirtschaftsspitze als Ganzes verselbständigt hat und entkoppelt ist von allen Einbindungen in das Basis-System von Gesellschaft und Politik. Unternehmenserfolg definiert sich dabei je länger je mehr am Börsenkurs, und dies ist nun wirklich die letzte verlässliche Grösse für die tatsächliche Leistung eines Unternehmens. Die Börse bildet allenfalls die Bewertung einer Tendenz ab: Der Börsenkurs steigt auch, wenn eine Firma wider Erwarten weniger Verlust gemacht hat… Und das Spiel mit dem Schüren und Dämpfen von Erwartungen ist heute eine Basiskompetenz des Managers, der viel eher Kommunikator denn Unternehmer ist. Einer im übrigen sehr speziellen Form von Kommunikation… Und da eine Bilanz eines börsenkotierten Unternehmens heute so undurchsichtig oder – neutraler formuliert – so komplex ist, dass sie eh kaum mehr zu verstehen ist, wird diese Kommunikation noch bedeutender – und sind die Politiker noch hilfloser. Die kommen mir in fataler Deutlichkeit in diesem Fall wirklich als mein verlängerter Arm vor: Sie geben meiner Ratlosigkeit und Unkenntnis eine Stimme…
Ich wüsste kaum einen Politiker, der in der Lage wäre, in einem sachlichen Gespräch über Unternehmensführung wirklich plausibel zu erklären, auf welchen Grundlagen sich ein Bankengesetz heute stipulieren liesse. Darum wirken auf mich die Boni-Diskussionen auf Parlamentsebene eher peinlich. Es bräuchte Konzepte und nicht blosse Unmutsbezeugungen, welche im Ergebnis noch nicht mal so weit reichen, dass die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Abspaltung ganzer Wirtschaftseliten vom Verantwortlichkeitsdenken für die Gesamtheit bewusst gemacht werden könnten.

Liegt es am Ende auch daran, dass grosse Teile des Mittelstandes längst Elemente des Prinzips verinnerlicht haben, nach dem jeder verdient, was ihm bezahlt wird und keiner was dafür kann, wenn er eben entsprechend geschickt ist? Natürlich ist das nicht falsch, zumal wenn Sie es neutraler formulieren und ehrlich zugeben, dass man von niemandem verlangen kann, dass er einen offerierten Lohn nicht annehmen soll. Aber das ist ja gar nicht die Frage. Das Problem ist, dass es Formen der Entlöhnung gibt, welche die Menschen korrumpierbar machen: Sie verlieren das Gefühl für das eigene Rückgrat und verschliessen sich der inneren Eigenansicht: Denn wer bezahlt hat recht. Und gehört zu den Guten. Was kann daran falsch sein? Schlechter als jene neben mir, welche das Geld auch nehmen, bin ich ganz bestimmt nicht. Und schliesslich ist meine Firma ganz bestimmt nicht so blöd, mir mehr zu bezahlen, als sie glaubt, müsse sie bezahlen, um mich zu halten. Und genau so wird es ja auch nach aussen verkauft – und damit kann jeder an seine eigene Wichtigkeit glauben.

Auf dieser Basis, wenn sich eine Grundselbstverständlichkeit einschleicht, dass eine Diskussion um die Moral von Löhnen und den Wert von Arbeit eine Debatte der Unwissenden und Ignoranten ist, bekommen wir ein ganz grosses Problem. Wahrscheinlich haben wir es schon längst.

Ich denke da gerade an eine Talk-Sendung vom letzten Freitag, in dem eine Business-Frau, Verantwortliche für die Unternehmenskommunikation, von ihrer Freude “am Erbringen von Leistung” gesprochen hat. Womit wir nicht mehr bei den Boni wären, sondern bei jenem Kern, welcher mitten im Problem hockt:

Definiere Leistung. Und bewerte sie. Für ein Unternehmen, für eine Gesellschaft.

Gibt es eine einzige Bedienung in einem Restaurant, die für Ihre Leistung entlöhnt wird, welche mit ihrem freundlichen Wesen den Besuch der Gaststätte zu einem Erlebnis macht, bei dem man zwar nicht für ewig sitzen bleiben kann aber schon beim Aufstehen weiss, dass man hierher sehr bald zurück kehren wird?
Ich glaube nicht.

Und wie entlöhnt man eine Mutter von drei Kindern, welche diese Kinder in einer wirklichen Geborgenheit aufwachsen lässt? Die Debatte führen wir schon so lange. Wir sind keinen Schritt weiter gekommen. Und das können wir auch nicht. Denn hier wäre das Installieren von Werten gefragt, welche nicht der Wettbewerb heraus schält. Sie müssten gesetzt und installiert werden von der Gesellschaft. Von uns. Vom Staat. Den wollen wir aber so weit wie möglich zurück gedrängt wissen, weil er ineffizient ist und wir längst jedermann die Fähigkeit abgesprochen haben, irgend etwas in unserem Zusammenleben besser beurteilen zu können als wir selbst.


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Hier ein Beispiel, wie man vielleicht auch Ihrer Leistung auf den Grund gehen könnte, oder auch eher (eben) nicht…:

Ich brauche jetzt einen starken Espresso. Ich bin eben nicht wirklich belastbar…