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Das Schweizer Volk watscht die Manager ab

∞  3 März 2013, 20:37

Bilder:
istockphoto.com/MHJ

Das Schweizer Stimmvolk hat die so genannte Abzocker-Initiative angenommen – mit einem Zweidrittelmehr, was äusserst bemerkenswert ist, weil Volksinitiativen an sich meist bei Abstimmungen einen schweren Stand haben: Sie sind nicht durch den üblichen parlamentarischen Prozess gegangen (und haben sich dadurch als allgemein bedeutend ausgewiesen) und können daher spezifische Anliegen betrefffen, die es schwer haben, eine Mehrheit hinter sich zu bringen. Hier war das anders, und danach ist das Parlament nun verpflichtet, gesetzliche Regeln gegen übermässige Boni für Manager von Aktiengesellschaften zu erlassen.

Wie viel davon schlussendlich übrig bleibt und wie griffig sich so was überhaupt regeln lässt, bleibt abzuwarten: Man bedenke, wie selten sich selbst bei grossem öffentlichen Aufsehen und entsprechender Missbilligung Aktionärsversammlungen wirklich zu einer kritischen Haltung gegenüber Verwaltungsräten und derer Beschlüsse durchringen können (alle Anträge des Novartis-Verwaltungsrates sind trotz der Diskussionen um Vasella mit mehr als 90% Zustimmung durchgewunken worden). Der Effekt besteht ja auch eher im Signal und der Frage der Verankerung einer Grundstimmung im Volk, und daher ist das Ergebnis in seiner Wirkung wohl dort von Bedeutung, wo sich Wirtschaftsvertreter langsam Gedanken über ihr Bild in der Öffentlichkeit machen (sollten): Die Arbeit der Wirtschaftsverbände im Hinblick auf diese Abstimmung war in jedem Fall wieder mal von Konzeptlosigkeit geprägt – verbunden mit dem wie immer letzten und wichtigsten Argument: Wenn Du Bürger, gegen die Wirtschaft entscheidest, ziehen Firmen weg und gehen Arbeitsplätze verloren. Dieses Argument und diese Angstmache verfängt dann nicht mehr, wenn man sich zuvor seine Bürger zu Wutbürgern gemacht hat: Wenn wir erleben, dass Arbeitsplätze auch dann abgebaut werden, wenn die Wirtschaft summt, aber mit noch weniger Arbeitsplätzen richtig brummt, wird ja auch weiter rationalisiert.

Es ist wirklich Zeit, aufzuwachen und Diskussionen über unsere Wirtschaftsethik ganz neu zu führen. Auch wenn es purer Luxus erscheint, angesichts der Lecks, die wir schon haben: Am Ende diskutieren wir über Auswüchse eines Systems, das bereits in Auflösung begriffen ist. Also, liebe Manager und wirklich unternehmerisch denkende Spitzenkräfte, lasst uns doch vermehrt über den Sinn sozialverträglicher Besoldungssysteme nachdenken, die zu Leistung motivieren, aber auch zu einer Arbeit, die ein gar nicht so unbestimmtes Gesamtwohl nicht völlig ausser acht lässt. Am Ende ist Be-Achtung auch eine Frage des Images der Unternehmen: Man erwähnt nur dann gerne, bei welcher Firma man Abeilungsleiter ist, wenn diese nicht dem grossen Rest der Gesellschaft gestohlen bleiben kann. Wir brauchen unternehmerisch denkende und gesellschaftlich-politisch bewusst handelnde Manager und Führungskräfte, denn wir alle wollen auch als Arbeitnehmer eine Arbeit leisten, die sich am Ende nicht gegen uns selber wendet.

Die Schweiz ist bekannt für Arbeitende mit hoher Disziplin, Leistungsbereitschaft und echtem Arbeitsfrieden. Daran hat sich nichts geändert. Aber es ist ein Gut, das man wie eine seltene Pflanze auch pflegen muss. Die Abzocker-Initiative ist auch dafür ein Mahnruf.