Das Monster und das Wunder Namens Mensch
Ich habe mich nie an Diskussionen beteiligt, ob nun Mario Simmel ein ernsthafter Schriftsteller sei oder nicht. Sein Erfolg ist unbestritten, und – für mich – seine ehrliche Absicht in seinem Schaffen auch.
So richtig gepackt hat mich nun die Abfolge der Zitate, die er in einem Interview mit Peer Teuwsen für die Weltwoche nr. 51/52 2007 verwendet hat – sie ergeben, für sich, direkt an einander gereiht, obwohl in einem langen Gespräch im Original weit auseinander liegend, schon ein dichtes Spannungsfeld und stehen für mich als Sinnbild für die Erkenntnis, dass das besser Schreiben mit dem mehr Lesen beginnt (es muss ja vielleicht nicht Simmel sein, aber warum auch nicht, aber ganz sicher etwas von jenen, die er zitiert; ob und welche Vorsätze ich mir da nun doch genommen habe, bleibt mein Geheimnis):
Ein deutscher Philosoph hat mal geschrieben:
Wir sind so furchtbare Irrläufer der Evolution, dass wir tief in uns ein geheimes Einverständnis haben: Wir gehören weg. Nur so ist das durch Jahrtausende gehende Kriegen, Morden, Stechen, Hauen zu erklären.
Johann Nestroy sagt:
Auswendig bin ich ein lustiger Mensch.
… Die schlimmen Jahre waren in Sekunden vergessen. In der Bibel heisst es:
Vergangen wie eine Nachtwache.
Dostojewski:
Einer wird umkehren müssen und wieder mit der Liebe anfangen.
Darum geht es doch beim Schreiben wie beim Atmen: Um uns. Ohne jeglichen Narzissmus. Aber etwas anderes haben wir nicht, mit dem wir uns beschäftigen können und müssen. Und „es“ ist ja auch monströs genug. Aber auch lohnend genug. Denn mit der Liebe anfangen – was gibt es Schöneres? Immer wieder? Mag es auch Schmerzen bereiten. Auch immer wieder.
