Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Das Fest voller Erwartungen

∞  21 Dezember 2007, 23:16

Wie viele Weihnachtsfeiern mag es in unserem Land geben? Wie manche Anstrengung, Feierlichkeit zu verbreiten, Behaglichkeit zu schenken?

Unser Umgang mit Familie ist oft ein gar Wunderlicher. Selten höre ich die stumme Absicht der Gastgeberin so deutlich: „Ich will es Recht machen.“

Wir setzen uns unter Druck. Dieser Abend muss einfach einer der schönsten im Jahr werden. Da muss doch diese Stimmung aufkommen, von der alle reden…

Aber was dem alles im Weg stehen kann! Die Gastgeberin spürt die Erwartung der Gäste – und erwartet den Dank. Denn natürlich klappt – wie meistens zuvor – auch diesmal alles. Es ist objektiv alles in Ordnung. Und doch bleibt oft Unruhe zurück, wie wenn die Tischbombe das finale Feuerwerk nicht gezündet hätte. Da eine Bemerkung, dort eine Gestik, die Dinge aufmerken lassen in der Mördergrube, die da ein verletztes Herz ist, das sich erinnert.

Familienfeste sind Laktatteste für bestehende Beziehungen – selten aber Therapiestunden, die bestehende Verhältnisse verbessern, entkrampfen.

Oder doch nicht? Nehmen wir nicht vielleicht doch ein bisschen Verwunderung mit uns nach Hause, dass es doch wirklich nett, ja gar feierlich war und sich alle Mühe gaben? Vielleicht liesse sich was ändern, sollte man bald mal den einen oder anderen anrufen, einen Schritt machen?

Erst aber ist man froh, dass es überstanden ist, in Anstand und sogar mit Freude. Und am anderen Morgen nimmt man sein Leben wieder auf, und eine Woche später sind die Gedanken vergessen.
Weihnachten ist eine Episode, sagen wir dann schnell mal so dahin. Aber da lügen wir uns wohl in die Tasche.

Weihnacht mag oft nicht mehr das einfache Fest sein, bei dem man den Duft der Tannennadeln riecht und die traditionellen Rituale pflegt – es bleibt aber die Sehnsucht danach – und nach dem, was dahinter steht: Die Sehnsucht nach väterlicher und mütterlicher Liebe im göttlichen, gütigen Sinn, nach der Verheissung, in jeder Lebenssituation aufgehoben, gewollt zu sein und eine Hand über sich zu spüren, die Geborgenheit und eine Liebe schenkt, die – wie jede kraftvolle Liebe – nicht verdient werden kann. Sie kann nur angenommen werden.

Nehmen Sie die Angebote dieser Art an, die ihnen das Leben offeriert? Steigen Sie Ihnen doch nach. An Heiligabend. Aber dieser Abend ist nicht die letzte Chance – vielmehr ein Sinnbild für den immer neuen Anfang, mit dem wir willkommen geheissen werden im Versuch, Mensch zu sein.
Mehr ist nicht verlangt, wird nicht erwartet. Von niemandem, der Gleiches versucht. Ob verwandt oder nicht.