Darf Mandela niemals sterben?
Es gibt Menschenleben, die verlaufen unfassbar: Es ist, als würde die Strahlkraft vorgelebter Selbstlosigkeit und der Vergebungswillen stets den nächsten Frevel auslösen: Diese Menschen scheinen nie genug gelitten zu haben, und die Symbolkraft und Beispielhaftigkeit, die sie besitzen, erschwert ihr Leiden immer neu.
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War für ein Leben hat Nelson Mandela geführt! So viele Jahre schlimmste Haftbedingungen haben nicht verhindern können, dass er zum Symbol eines selbstbewussten, vorwärts gewandten Schwarzafrikas geworden ist – ohne das schlimmste Blutvergiessen auszulösen. Mandela hat als Mensch unglaubliches Charisma, aber er war nicht so sehr der politsche Führer seiner Nation. Und so erlebt er auf dem Sterbebett, was ihm schon zuvor immer wieder widerfahren ist: Sein Name wird missbraucht und um sein Erbe wird gestritten, lange bevor er unter der Erde ist. Das stilisierte Antlitz von Mandela ist längst eine Marke und verspricht Millionen an möglichen Einnahmen. Dennoch darf er nicht sterben. Noch nicht. Noch immer nicht. Stattdessen soll er seinen Geburtstag feiern, als wäre er praktisch gesund. Es wird darüber gestritten, wer ihn besuchen darf und wer nicht – und wer, bitteschön kann bei einem solchen Leben schon entscheiden, dass nun genug gelitten ist?
Und wie schwer mag es einer solchen Seele fallen, an welche die Welt so viel Bedeutung angehängt hat, sich zu lösen und zu gehen? Ganz bestimmt erlebt Mandela gerade jetzt ein weiteres letztes Mal das Wehklagen seiner Umgebung, auf dass er weiter zu kämpfen habe – für irgend eine Sache. Die verheerende Zerstörung, die Verblendung kommt aus den eigenen Reihen…
Dabei liegt längst nicht mehr in Mandelas Hand, was aus seinem Vermächtnis wird, und je länger es dauert, um so mehr wünscht man sich, er würde die Befürchtungen, die wohl angebracht sind, nicht mehr hegen müssen. So er sie denn nicht längst kennt – und irgendwann in diesen Tagen ablegen wird, weil kein Menschenleben, wirklich keines, gewaltiger ist als der Übertritt aus dieser Welt in eine, in der alles, woran wir Last hängen, nichts und niemanden mehr zu Boden drücken kann.
Wie weit ist Nelson Mandelas Weg noch? Seine letzten Wochen sind gerade jetzt für mich eine unheimliche Qual.
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