Blogbeiträge und Ihre Vertiefung
Insbesondere der Umgang mit Kommentaren
In den Kommentaren zu meinem Eintrag Was ist unsere Natur hat sich eine Frage meiner LeserInnen heraus geschält, die ich hier aufgreifen und beantworten möchte.
Ich bin gefragt worden, worum es mir mit meinen Artikeln geht? Was meine Motivation dafür ist und vor allem, welche Art der Reaktionen ich mir wünsche und wie ich damit umgehen wolle?
So zumindest verstehe ich es. Soll aus einem Beitrag eine Diskussion entstehen, die an Ort und Stelle im Dialog der Kommentare weiter geführt und von mir begleitet, wenn möglich geleitet und vertieft wird?
Oder begnüge ich mich, Fragesteller zu sein, der mit den aufgeworfenen Fragen oder meinen Antwortversuchen auf Lebensfragen Impulse setzt, deren Reiz dann bei jedem Einzelnen eben weiter wirkt oder auch nicht?
Dazu die folgenden Bemerkungen:
1.
Ein Blog wie dieses ist erst einmal ein Tagebuch der Gedanken, Stimmungen und der inneren Umtriebigkeit – und damit ein gutes Stück weit ein Egotrip. Mit der Veröffentlichung entweicht auch ein gewisser Druck: Es steht nun auf Papier bzw. eben in Bits und Bytes, was eben noch angestaut im Kopf sich sammelte. Ein Blog hat also auch immer Ventilfunktion.
2.
Als ich 2004 im Oktober unter Thinkabout bei myblog begann, machte ich schnell die Erfahrung, dass mein Blog im Verhältnis zur Zahl der Leserschaft sehr wenig kommentiert wurde. Natürlich war mein Ego dadurch getroffen und ich erkundigte mich bei Kollegen und Freunden nach möglichen Gründen. Das Echo war oft das Gleiche:
Die Texte regen zum Nachdenken an, geben eine Meinung wieder, aber sie sind nicht provokativ. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er die Gedankengänge nachvollziehen und annehmen, ob er sich darauf einlassen will und kann. Dies ist ein relativ stiller Prozess.
Mir hat diese Antwort gefallen – und sie hat mir eingeleuchtet. Sie passt auch zu meiner Absicht, hier trotz manchmal dezidierten Aussagen nicht der Oberlehrer sein zu wollen – und auch nicht der Aufreger. Sondern der Anreger.
Vieles, was ich hier in den Raum stelle, ist Teil meines eigenen Lebensversuches, und ich kann nicht behaupten, alle diese Dinge schon so verinnerlicht zu haben, dass ich sie vorleben könnte.
3.
Dass sich der Kreis der Kommentierenden erweitert und belebt hat, ist relativ neu, auch für mich, und ich muss mich noch darauf einstellen. Es kann sogar passieren, dass ich einzelne neue Kommentare verpasse. Wird eine Diskussion aufgenommen und ein Thema weiter gedacht, so geniesse ich es aber auch, einmal selbst der stille Mitleser zu sein. Ich bin nicht der Guru, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, sondern geniesse die Erfahrung über alle Massen, wenn Leser dieses Blogs selbst zu Anregern werden und sich unter einander ein Austausch entwickelt. Da will ich manchmal ganz bewusst nicht dazwischen funken.
4.
Ich weiss nicht, wie viel Worte und Gedanken wirklich bewirken können. Das Wichtigste passiert in unseren Herzen. Wir müssen annehmen, was wir lesen, aufnehmen und prüfen, und dann leben, was wir als wahr und brauchbar erachten. Es ist schlicht nicht zu messen, wann sich eine Diskussion über eine Lebensfrage erschöpft hat. Im Grunde ist das nie der Fall – sie stellt sich allenfalls neu oder geht mit den gefunden Antworten in die praktische Überprüfung unseres täglichen Lebens. Darum, und gerade darum stelle ich fest:
5.
Das Wunderbarste an meinem Bloggen ist wohl der Austausch und das Kennenlernen von Menschen verschiedenster Couleur in meinem Haus, die hier Gemeinsames entdecken und sich kennen lernen. Mit Respekt, Sympathie und Freude über Überein-Stimmungen (Harmonie) und Anregungen (Hegemonie) durch Meinungsvielfalt. Begonnene und geschlossene Freundschaften sind mit das konkreteste und freudigste Ergebnis eines solchen Projektes. Darum gilt auch: Wer gerne eine Mail-Adresse eines/einer Kommentierenden von mir erfahren würde, kriegt sie – sofern meine Nachfrage beim Betreffenden ein Ja ergibt. Wobei jede® zu verstehen ist, der das nicht will.
6.
Ich scheue zu philosophisch werdende Diskussionen. Sie ermüden und heben einen gerne ab, statt zu vertiefen, zu erden. Ich finde aber jede Erfahrung, jeder Beitrag eigenen Erlebens enorm bereichernd. Alles kann eine Hilfe sein, uns zu lehren, mit unseren Augen zu sehen, was andere schon entdecken durften.
7.
Wer immer auch hier kommentiert, muss stets mit der Möglichkeit leben, dass seine Texte keinen sichtbaren Widerhall finden. Das geht mir mit jedem Text so. Und längst habe ich gelernt, dass es die Gemeinschaft der stillen Leser gibt, die sich gleichwohl in einem gemeinsamen Mitfragen hier finden – und dies regelmässig. Auch für diese Leser schreibe ich – und kommentieren Sie. Jeder, der sich äussert, macht damit ein Angebot. Es kann und wird still und leise oder laut und deutlich angenommen oder abgelehnt. So ist das immer mit dem Medium der Schrift und deren Trägern, ob Zeitung, Buch oder Internet.
Nach e-tracker, einer sehr rigorosen Software, die fast alle Suchmaschinenanfragen auszufiltern vermag und also nur Besucher zählt, die bewusst auswählend und nicht im Rahmen eines automatisierten maschinellen Verfahrens die Seite anwählen, haben im Ferienmonat August knapp 7000 Besucher rund 22‘000 Seiten dieses Blogs angeklickt. Es ist also ein kleines Blog, aber ganz sicher keines, das nicht gelesen wird. Und das ist sehr schön. Ich wünsche mir, dass sich die Leser ernst genommen fühlen – und dafür ist dieser erklärende Eintrag gedacht.
Und Sie brauchen mir darauf jetzt auch nicht zu antworten. Ich habe mittlerweile ein sehr gutes Gefühl für Sie entwickelt und fühle mich gehört, bedacht, gewogen, manchmal für zu leicht befunden, manchmal für zu schwer. Aber es ist schön, dass Sie da waren – und noch schöner, wenn Sie wiederkommen.
Worte mögen verblassen – aber das Licht, das Ihnen hilft, sie zu lesen, wird Ihnen immer Neues zeigen…:

Ablage: Zum Blog[gen] und Zugeneigt
