Mein Schreiben. Täglich.

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Benaglio will beim Vaterwerden dabei sein

∞  3 September 2010, 20:37

Diego Benaglio wird Vater. Geburtstermin für seine Frau ist der 8. oder 9. September. Just am 7. September spielt die Schweiz gegen England das erste Qualifikationsspiel für die Fussball-Europameisterschaft 2012. Es kann also sein, dass der Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft bei diesem Spiel fehlen wird, denn Diego Benaglio soll seinem Trainer mitgeteilt haben, dass er bei der Geburt dabei sein wolle.

Das nimmt der “Blick” in seiner Ausgabe von gestern in einem Kommentar einer Reporterin namens Nicole Vandenbrouck zum Anlass, einen Kommentar zu schreiben.
Und dieser Kommentar ist einen Kommentar wert.

Frau Vandenbrouck ist eine Frau, was ihr natürlich per se schon Gewicht verleiht. Und der “Blick” ist DAS Medium für ein rechthaberisch patriotisch moralinsaueres Gesülz der ganz besonderen Art:

Das geht nämlich nicht, dass der Torwart des nationalschweizerischen Fussballs sich von einem Quali-Spiel wegen schlechter Familienplanung dispensieren lässt.
Zudem muss nach der Dame “eine Frau, die ihr Herz einem Profisportler schenkt, gewisse Umstände akzeptieren.”
Der Brustton der Überzeugung hält weiter fest, dass von einem Sportstar nicht verlangt werden kann, dass er für eine Geburt alles stehen und liegen lässt. Der Kerl hat ja auch eine Verantwortung gebenüber seinem Team!

Andere haben die Planung besser drauf, und dazu gehört natürlich auch, dass man den Kaiserschnitt zwischen zwei Terminen punktgenau zu setzen weiss (wenn Mann denn schon dabei sein muss).

Das Verrückteste an diesem unsäglichen Kommentar, der ganz offensichtlich nur dazu taugt, solche Gegenkommentare wie den hier zu provozieren, ist, dass die “Reporterin” ganz offensichtlich annimmt, dass der arme Kerl Benaglio sich einem ehefraulichen Verdikt beugt und fremdbestimmt handelt.

Und warum, bitteschön, soll ein Sportstar eine grössere Verantwortung gegenüber seinem Team haben als, z.B., ein Abteilungsleiter in einer Firma?

Es ist doch irgendwie tröstlich, dass diese Frage in diesem Fall ganz unter Männern gelöst wird. Dem Vernehmen nach hat Benaglio mit seinem Chef Hitzfeld gesprochen und der hat gemeint, “eine Abreise Benaglios müsste man in jedem Fall akzeptieren”.


Nachsatz: Das bringt mich wieder auf den kürzlich gelesenen Satz, dass die Geschlechterfrage mittlerweile vor allem eine Streitfrage unter Frauen ist. Irgendwie ist da was dran.