Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Auf zum befreiten Flug

∞  22 April 2008, 17:51



Du fragst, ob Du ein Recht auf Dein eigenes Leben hast?
Die Mutter, die Dich aufzieht, hat Dich im Idealfall behütet, sich für Dich eingesetzt, alle Kräfte für Dich frei gemacht, ihre Schwingen über Dich gebreitet, Dich zwischen ihren Klauen im Gefieder ihres warmen Bauches gewärmt, Dich gefüttert ohne Ende und nicht geruht, bis zum letzten Tag.

Doch die Schwingen, die Dich schützten, das Fleisch, das Dich nährte, die Wärme, die Dir wachsen half – Alles ist dazu da, dass Du Deine eigenen Schwingen gebrauchst. Gott hat Deiner Mutter Dein Leben anvertraut, sie damit beschenkt, manchmal auch geprüft, wenn es schwer war und kräfteraubend, aber am Ende kannst Du nur der Vogel werden, der Du werden sollst, wenn Du die Aufwinde nützt, die Dir Gott zugedacht hat: Alles an Dir ist dazu da, Dein eigenes Leben zu leben und also zu fliegen. Ein Vogel, der nicht den freien Flug wählt und stattdessen im Nest seiner Eltern verweilt, ist Grund für Traurigkeit. Die Eltern müssten erkennen, dass alle Mühe vergeben war.

Ein Vogel aber, der den freien Flug wagt, weckt auch Wehmut, aber da wird auch ein Stolz sich regen, dem Leben Recht gegeben zu haben. Dass dies auch Eltern lernen und es einfach geschehen lassen müssen, ist ein weiterer Teil Demut, den das Leben verlangt.

Die Zukunft, die Freiheit im Flug, das Geschick der Winde vielleicht, der Instinkt, die Souveränität und Milde, die verstreichender Zeit innewohnen kann, lässt Dich vielleicht manchmal zurück fliegen. Eine Regel dafür gibt es nicht. Zur Regel gehört die eigene Gestaltung, die Loslösung – wenn möglich in beidseitigem Frieden. Die Luft, die Freiheit und die Weite, die Du riechst, ersehnst – sie gibt Dir Recht und ruft Dich, denn sie wartet auf Dich, um einen wirklich stolzen Vogel aus Dir zu machen.

Und Du wirst staunen, was Du alles kannst und wie Du auf den Winden reiten kannst. Du wirst die reine Freude erleben, wenn Du erkennst, wie weit Dich Deine Schwingen tragen, und Du wirst in so vielem erkennen können, was Dir an Gutem mitgegeben wurde. Wo auch immer Du fliegen wirst: Jeder Lufthauch wird Deinen Dank aufnehmen und weiter tragen.