Anruf für mich?
Anrufe, die die Welt nicht braucht, und ich schon gar nicht: Telefonmarketing ist eine Seuche.
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Ich bin eigentlich ein ziemlich höflicher Mensch. Das sehen wahrscheinlich nicht nur die Menschen so, die das Heu auf der gleichen Bühne haben wie ich – sondern auch all jene, denen ich zufällig begegne. Ich muss ziemlich schlecht drauf sein, dass ich die Contenance nicht wahre und zumindest alle Welt (auch) leben lasse. Doch einige Menschen sehen das ganz bestimmt nicht so. Dazu gehören nicht nur Menschen, die nun mal ein anderes Bild von mir haben und die ich, warum auch immer, in Weissglut versetze, sondern auch jene bemitleidenswerten Geschöpfe, die bei einer Telefonmarketing-Firma beschäftigt sind und auf dem Weg zum nächsten Umfrageergebnis oder Abschluss eines Vertrages im “Zufallswahlgenerator” meine Telefonnummer angewählt bekommen:
Verzeihung, aber ihr Marktforschungsfirmen und Telefonverkäufer – ihr seid einfach wie die Pest für mich! Und darum droht Euch alles bei mir: Von der wortlosen Stille des beiseite gelegten Hörers bis zum sofortigen rigorosen Anpfiff ist alles möglich. Das ist reine Stimmungssache, aber immer mit einer einzigen Botschaft versehen:
Ihr nervt!
Manchmal weise ich noch darauf hin, dass wir eigentlich dieses Sternchen in der Adressdatenbank haben, das “wünscht keine Werbung” signalisiert – die wohl nutzloseste Willenskundgebung, die je standardisiert wurde – doch in aller Regel muss die Person am andern Ende da einfach durch. Sie kann ja ihrerseits einfach auflegen und die nächste Nummer vorgesetzt bekommen – bei der sie wohl Ähnliches zu hören bekommt. Oder etwa nicht? Was für ein Job das ist! Und was für eine Plage diese Anrufe geworden sind! Da wir aktuell oft zwei Leitungen aktiv bedienen müssen, kommt es nun vor, dass ich an der einen Leitung ein wichtiges Telefonat führe, während es auf der andern klingelt. Und tatsächlich war das dann heute nicht zum ersten Mal so ein Werbefritz, der mir höchstens die Konzentration im wirklich wichtigen Gespräch versaut hat.
Und dann stelle ich mir die armen Seelen vor, die von eigentlich niemandem überhaupt noch einen Anruf bekommen, und dann kriege ich endgültig die Wut, wenn ich mir vorstelle, dass so jemand eingewickelt wird von so einem Heini, der wie eine willkommene Abwechslung wirkt, nur um die einsame Person schamlos über den Tisch ziehen zu können.
Und noch etwas verstehe ich nicht: Wie können die Anrufer eigentlich Erfolg haben, die mit den Hintergrundgeräuschen einer halben Fabrik, vermischt mit dem Palaver eines lauten Grossraumbüros anrufen und Börsengeschäfte an den Mann bringen wollen? Im Auftrag einer Firma, die ich nicht kenne, in einem deutsch, das ich kaum verstehe und mit der schmierigen Jovialität eines Hütchenspielers auf dem Jahrmarkt. Es ist wirklich grausam. Es gibt keine Woche ohne solche Ärgernisse.
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