Alex Frei muss den Boden (wieder) finden
Die Schweizer Fussballnationalmannschaft hat sich für die WM-Endrunde in Südafrika qualifiziert. Ein glanzloses 0:0 gegen Israel hat dafür gereicht.
Auch das kann bedeuten, dass man Klasse hat: Wenn einem nicht alles gelingen muss, und man ein Ziel dennoch erreicht, dann ist ganz offensichtlich Substanz vorhanden, und das auch in der zweiten Reihe: Nicht weniger als drei Spieler waren grippegeschwächt. Torhüter Benaglio, das defensive Bollerk Benjamin Huggel und Sturmtank Alex Frei. Das waren gewichtige Ausfälle – doch diese ganze Achse wurde gut kompensiert durch die Kollegen Wöflli, Fernandes und Derdiyok. Wohl noch nie hatte die Schweizer Mannschaft eine solche Breite an valablen Spielern, und da ist Trainer Hitzfeld dann der erste, der dem auch Rechnung trägt und seinen Worten Taten folgen lässt: Es spielen nur hundertprozent gesunde Spieler. 98% oder gar 90% reichen international nicht. Bei Bayern nicht und in der Nationalmannschaft der Schweiz schon gar nicht.
Ausgerechnet Kapitän Alex Frei redete sich stattdessen selber fit, meinte am Vortag, er hätte zwar noch keine Kraft, aber, mit hellseherischem Blick in die Zukunft, “bis morgen abend ist die da”.
Sein Trainer sah das anders und teilte ihm frühzeitig mit, dass er nicht spielen würde. Wie man in der Presse lesen konnte, soll Alex Frei ob dieses Verdikts “beinahe ausser sich geraten sein” und es “nicht gut aufgenommen haben”.
Darauf angesprochen, meinte Hitzfeld, dieser unbedingte Wille, zu spielen, spreche für die Einstellung des Spielers.
Aber für einen Kapitän ist das, Verzeihung, ein unmögliches Verhalten. Seit Freis Verletzung im ersten Spiel der EM-Endrunde im eigenen Land hat dieser Spieler ganz offensichtlich das Gefühl, die Spielwiese, auf der sich die Nati tummle, sei ihm noch etwas schuldig. Es ist überhaupt erstaunlich, wie ein Spieler, der an der EM in Portugal einen Gegenspieler bespuckt, den Vorgang dann leugnet, es zum Captain bringen kann. Der gleiche Spieler stösst nach seinem 40. Tor in der Nationalmannschaft den zur Gratulation herbei eilenden Kameraden Padalino zur Seite, damit seine Geste zu diesem Jubiläum auf den Fotos auch sicher ohne störende Nebenmänner zur Geltung kommt. Alles ein bisschen viel, finde ich, einem Selbstdarsteller und Torjäger vielleicht eigen, aber nicht einem Mannschaftsführer.
Alex Frei ist vielleicht der Schweizer Spieler, der aus seinem Talent am meisten heraus geholt hat. Damit dieser Satz in der Gegenwartsform geschrieben seine Gültigkeit noch immer hat, muss der Mensch Alex Frei ganz schnell begreifen, dass der Spieler Frei die Demut braucht, dass jeder Tag so genommen werden muss, wie es die eigene Form und die Bedürfnisse der Gruppe erfordern.
Mit Hitzfeld hat er den Chef, der ihm das beibringen kann. Gnädiger Weise ohne Presseleute als direkte Beobachter.
Einer der Berichte mit dem Hinweis zur Nichtnomination von Alex Frei
Nachtrag 23h17:
Eben erschienen, passend zum Thema:
Hitzfeld: Bruch mit Captain Alex Frei?
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