Ägyptische Fussballsöldner in Not
Frieden? Ist relativ. Was über ägyptische Fussballer kommt, wenn sie für ihren Schweizer Club in Israel Fussball spielen sollten…
![]()
In der Champions-League-Vorqualifikation hat das Los dem Schweizer Meister FC Basel als Gegner Macabi Tel Aviv beschert. In der Schweizer Mannschaft gehören die Herren Mohamed Salah und Mohamed Elneny zu den Leistungsträgern. Ob sie allerdings in Israel ihrer Arbeit nachgehen werden, ist höchst ungewiss. Ganz offensichtlich wird aus Ägypten von verschiedensten fundamentalistischen Kreisen Druck auf die Spieler ausgeübt, in Israel NICHT anzutreten, und die Clubführung scheint davon auszugehen, dass man auf die beiden Spieler nicht wird zählen können.
Wie weit und wie sehr die Beiden sich zuvor überhaupt für Politik interessiert haben, ist nicht bekannt. Dass sie sich beeindrucken lassen, schon eher, und das ist nicht wertend gemeint. Es ist allerdings einfach peinlich, wenn der Spieler Salah im Hinspiel just in dem Moment unbedingt seine Schuhe binden muss, wenn seine Kollegen das übliche Handshake vor dem Spiel mit Gegnern und Schiedsrichtern vollziehen.
Rationale Argumente gibt es zuhauf, aber sie greifen nicht, weil der Fanatismus und der Druck, den fundamentale Kreise bei solchen Gelegenheiten ausüben, unbeschreiblich gross werden kann – und die betroffenen Spieler nicht mit unseren Köpfen und Herzen darüber nachdenken – sie werden in ihrer Erziehung angesprochen, ihnen wird eine Identität vorgehalten, die sich an Abgrenzung orientiert, an einer Moral, die politisch-religiös verschachtelt auf die direkten Protagonisten und bestimmt auf ihre ganzen Familien einwirkt. “Ehre” bedeutet hier, die eigene Seite nicht zu “verraten”, und nicht etwa, Menschen auf dem Sportplatz im Akt eines friedlichen Wettstreits zu begegnen.
Da hilft es rein gar nichts, dass Ägypten mit Israel einen mehr als 30-jährigen Friedensvertrag hat und es – diplomatisch offiziell – keine einzige aktuell offene politische Frage gibt, die öffentlich diskutiert würde. Salah und Elneny bewegen sich auf den gleichen rohen Eiern, wie die Diplomatie. So gesehen offenbart der Sport nur wieder einmal mehr die Unvernunft der Mehrheiten und die Lagerbunker-Mentalität, die noch immer zwischen den Völkern herrscht.
Der Mensch ist soweit frei,
als er reif ist.
Lotte Nadler
![]()
