Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ab wann und wie ich Leere spüre (1)

∞  12 Mai 2007, 22:01

Gedanken über die tiefere Leere in 6 Teilen, wobei ich auch am Ende erst am Anfang der Erkenntnis stehe, dass diese Leere nicht zu fürchten ist, sondern willkommen sein darf


Vielleicht suchen wir auch erstmals nach ihm, dem Sinn, und finden ihn nicht.
Oder ein Sinn kommt uns abhanden.
Wir sehen ihn nicht mehr. Wir können ihn nicht halten.
Diese Unruhe, die im Grunde auf die Leere eines fehlenden oder abhanden kommenden Sinns reagiert, treibt uns um.
Vielleicht sind die Gründe für unsere Begegnung mit der Leere banaler:
Wir fühlen sie plötzlich,
weil zu viel zu erledigen ist
oder nichts der Erledigung würdig scheint.

Ich kann ihr täglich begegnen, dieser Leere. Und sie immer wieder verscheuchen. Ein Spiel wie zwischen Katz und Maus.

Wenn also die Aufgabe fehlt, die ich annehmen könnte,
wenn nichts zu tun ist oder zu tun lohnt,
wenn kein Gedanke ruhen will,
wenn etwas gerade erledigt ist
und nichts Neues sich anbietet,
wenn ich nur zu tun habe
und nicht mehr denken kann,
oder wenn es „bei mir oben immer denkt“,
wenn ich immer beim Danach bin und nie beim Jetzt.

Immer kann da Leere sein, und ich mag sie plötzlich fühlen wie den kalten Hauch aus dem offenen Kühlschrank, wenn ich eh schon friere.

Dass mich das Gefühl der Leere erreicht und mir darin kalt wird, ist meine gefühlte Angst, dass sich meine Betriebsamkeit nicht lohnt, weil sie, die Leere, nur übertüncht wird. Diese Leere kehrt wieder, wie sie zuvor da war und danach noch immer da ist.

Es ist die Frage nach meinem Woher und Wohin, und das in Momenten, in denen ich zu viel Zeit habe, um diese Fragen wegdrängen zu können und gleichzeitig zu wenig, um sie mir wirklich stellen zu lassen.

Immer dann, wenn ich erkenne, dass mein Tun nichts dazu beiträgt, dass ich gerne bei mir selbst bin, spüre ich diese Unruhe, die nirgends anschlägt und mich ins Nichts treibt.

Die Leere ist mir Drohung, weil ich in ihr eine Gefahr vermute.
Sie fordert meinen Widerspruch, doch mit der Zeit bin ich ihn schon leid, bevor ich ihn erhebe…