Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


10 Min. - 1 Stichwort: Strand

∞  4 Mai 2007, 18:57

Wenn ich mich an den Strand denke, sehe ich zuerst stets eine Schaumkrone, und dann die Welle, die sich überschlägt, in sich zusammen fällt.

Unsichtbare Kraft, das Rauschen, als käme es von nirgendwo, verhallte stets und verklänge doch nie in einem Schweigen.

Ich rieche Salz und ich fühle Sehnsucht. Das Meer und seine Weite – es fehlt mir in meiner alpenländischen Enge. Ich mag dabei vor allem den rauen Charakter des Strandes. Karibik-Palmen haben da nichts verloren. Zum Rauschen gehören vielmehr Wolken – und kühle, klebrige Frische zwischen den Zehen, ein Wind, der an der Jacke ruckelt und zerrt.

Die Sonne zeichnet Schlierenfäden hinter Milchglas am Horizont und bringt ein nächstes, anderes Wetter mit. Nirgends verspricht die Welt so viel ständige Veränderung und bleibt sich doch so gleich, wie eben am Meeresstrand.

Ich fühle mich geerdet und blicke in die Ferne, ohne wirklich hinaus treten zu wollen. Es ist, als würde mir dieser Stand, mit seiner wogenden, tiefen Weite vor mir, erst verdeutlichen, wie schön es ist, eine Wurzel zu haben, die gleichwohl in der nächsten Ebbe fortgespült werden kann.

Ich stehe auf Treibsand. Da hocke ich mich lieber hin. Selbst der sicherste Boden lebt sich eben von uns fort, verändert sich, stirbt und wird neu, immer wieder.

Warum legen wir Teer über die Erde? Wir können noch so schnell über sie hinweg fliegen, wir kommen doch nicht von ihr los. Wir verlieren sie vielleicht, aber wir gewinnen niemals etwas anderes.

Die Boote am Strand, wetterig genarbt, die Salzluft in Furchen im Holz vergraben, Seetang an den blättrig abgespreizten Farbresten. Nichts ist für ewig, alles bleibt ein Werden und Gehen. Der Mond wartet schon über der Düne, die Sonne verbleicht im schwarz werdenden Wasser. Es ist Zeit für Nahrung. Und einen guten langen tiefen Schlaf.


***

dazu hat Caro das Bild

Nevermore


beigesteuert (für Original-Ansicht auf Bild klicken):




und dazu bemerkt:

Kein kleine-Welt-Strand sondern ein Stück einer Sandbank, an der Nordküste der Grafschaft Kent, unwirtlich, voller Wattwürmer,
kalt und salzig in meiner Laufblase brennend.

Aber eben. Das Meer. Anziehend wie ein Luftballon für ein Kind.

Minuten später war dieser Abschnitt von der hereinbrechenden Flut überspült.