10 Min. - 1 Stichwort: Gefälligkeit
Können Sie mir eine Gefälligkeit erweisen?
Aber sicher, wenn sie klein genug ist? Praktisch jedem wollen wir doch gefallen, wenn der Aufwand dafür überschaubar ist. Es ist ja sogar höflich, es zu tun… “es”, ist ein Tür aufhalten, z.B. Auch gute Manieren sind Gefälligkeiten… Aber ist es wirklich so gefällig, der guten Manier entsprechend einer Dame die Tür aufzuhalten, während man ihr im Grunde – entschuldigen Sie bitte – am liebsten einen Tritt in den Hintern geben würde? Oder, angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Dame handelt, die ich allerdings eher dämlich finde, ja, so was gibt es, vielleicht eher eben nicht treten sondern sonst wie piessacken möchte.
Nun können Sie argumentieren, dass zwischen Türrahmen nicht der richtige Ort ist, um grundsätzliche Sympathiewerte zwischen zwei Menschen zu diskutieren. Einverstanden.
Aber Manieren oder Gefälligkeiten, das ist ja noch das positver besetzte Wort, sind halt schon dann am schönsten, wenn sie aufrichtig und tatsächlich achtsam geschenkt werden.
Und es ist eine Kunst, diese grundsätzliche Kunst wertfrei und allen Menschen wert zu denken und dann auch zu praktizieren. Und denjenigen, die um etwas mehr fragen, dann unter Umständen wirklich gerne auch mehr zu geben.
Gefälligkeiten gegenüber bereitwillig zur Tat zu sein kann auch Teil eines allgemeinen Vertrages sein mit seinem Geschick: Wenn ich anständig bin, habe ich dann aber etwas zu gut bei Dir, ja? Dummerweise schliessen wir diese Verträge mit dem Schicksal immer ganz einseitig ab und sehen nie die vis-à-versa-Unterschrift des, ja wessen denn?
Solche Verträge werden auch von Atheisten abgeschlossen, scheint mir…
Ganz auf Kriegsfuss stehe ich mit den freundlich Gefälligen, die Dir ins Gesicht lachen, wenn sie Dir gefällig sind, während sie für sie nicht sichtbar ganz offensichtlich denken: Du A…, kannst mich im Grunde mal. In ihrer Feigheit lachen sie sich ihre scheinbare Häme in sich hinein, bis sie sich daran verschlucken. Zuvor aber fühlen sie sich überlegen, weil sie den guten Geschmack oder zumindest das entsprechende Benehmen für sich gepachtet haben…
Dabei sollten wir alle nicht vergessen, dass das gefällige gute Benehmen eher willfähriges Benehmen ist, da es sich der gesellschaftlichen Bewertung ausgesetzt sieht und daher den geringsten gemeinsamen Nenner der Mehrheit abbilden muss – was meist ziemlich armselig daher kommt, zwangsläufig.
*
Dieser Beitrag eröffnet ein neues Thema: 10 Min, in dem die Beiträge immer gleich entstehen: Ich schreibe 10 Minuten über ein Stichwort, das mir unmittelbar zuvor genannt oder geschrieben wird, und ich schreibe dann absolut spontan und ohne Bremse im Kopf darüber, was mir dazu spontan einfällt. Genau 10 Minuten lang. Wer mitmachen und einbezogen werden will, kann mir sein Stichwort per mail mitteilen. Die Regel: Mache ich das Mail mit dem Betreff: “Stichwort” auf, muss ich auch darüber schreiben. Persönliches Ziel ist es, die Übung mindestens einmal täglich durchzuführen. Im Ergebnis entstehen eine Art Kolumnen:
Alle Stichwort-Beiträge erscheinen in einem separaten Blog, der sich “Schreiblust auf Stichwort” nennt und unter schreibmut zu erreichen ist. Beiträge, auf die ich ein internes oder externes positves Echo bekomme, erscheinen dann auch hier.
Sinn der Übung ist schlicht das Fördern der Schreiblust und das Schulen der Technik des Schreibens, wobei 10 Minuten lang die schiere Lust am Schreiben gefördert werden soll, ohne auf jede Kommaregel etc. zu achten: Die rechte Hirnhälfte soll absolut dominieren. Es soll und wird auf schreibmut auch nichts korrigiert werden, auch nicht nachträglich. Darum gibt es hierfür auch keine Illustrationen. Wird der Beitrag hier gepostet, kann eine Illustration eingefügt werden und allenfalls ein Satz “geglättet” werden, sofern er die inhaltliche Aussage dabei nicht verfremdet oder erweitert.
