Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Wieder joggen?!

∞  11 Oktober 2014, 00:11

Wir leben hier auf dem Land.
Eine sehr bäuerliche Landschaft mit viel Nähe zur Natur.
Und hier war ich heute zum ersten Mal seit Jahren wieder joggen. Und ich habe es genossen. Weit und breit kein Hund, der sich mir in den Weg stellt, während von seinem Frauchen oder Herrchen nichts zu sehen ist. Dabei wäre hier Platz genug für Haustiere – oder eben solche, die Auslauf brauchen.

In der Agglomeration grosser Städte ist die Anzahl Einwohner pro Hund deutlich kleiner – und ich würde mal behaupten, dass zwei von drei Vierbeinern falsch gehalten werden und vom Rest die Hälfte nie eine Hundeschule erlebt hat.

Tierfreunde sind oft nicht die Menschen, die Tiere halten. Sondern jene, die darauf verzichten.

Wissen und Zweifel

∞  10 Oktober 2014, 00:16

Mit dem Wissen wächst der Zweifel.
Johann Wolfgang von Goethe

Tatsächlich gibt es verschiedene Wege, mit seinem Wissen umzugehen. Wissen bedeutet Macht, heisst es ja auch. Es erleichtert Entscheidungen, mag man annehmen: Wer über die Faktenlage Bescheid weiss, kann ausgewogener Handeln und wird nicht überrascht.

Manches Wissen bedeutet auch gesellschaftlichen Status, und so genannte “Experten” können sich in diesem Wissen durchaus sonnen – und ihre Existenz darauf begründen.

Der Stand meines Wissens ist ebenso der Stand meines aktuellen Unwissens. Es ist ja nie so, dass wir eine Sache abschliessend überschauen können, und je scheinbar souveräner wir Bescheid wissen, um so mehr Raum entsteht für die Ahnung, dass rein gar nichts gesichert ist oder gesichert bleiben muss. Denn in letzter Konsequenz bedeutet grosses Wissen die Erkenntnis, dass die Fragen immer grösser sein werden als die Antworten.

Der Umgang mit unseren Zweifeln ist eine Frage der Weisheit, und aus ihr wächst die Demut, die uns vor Selbstüberschätzung schützt – und die Welt damit. Hoffentlich.

Verletzte verletzen ist leider oft viel zu leicht - und entsprechend hässlich

∞  8 Oktober 2014, 22:51

Ich kriege gerade mit, wie weh sich Menschen tun können. Und wie leicht es Personen haben, die ein Gespür für die Sehnsüchte verletzter Menschen haben, sich übers Netz so unwiderstehlich darzustellen, dass ihr alles geglaubt wird: Vor allem, dass sie besser sind als alle reale Sch…, welche die Zielperson doch schon so reichlich erlebt hat.

Und wieder wird Vertrauen erschrieben und erschleimt – und wie es rauskommen kann, muss, ist fast jedem klar, der neutral aus Distanz darauf blickt.

Für die angegriffene und ausgenützte Person aber ist es eine Katastrophe. Stalking, das über virtuelle Kanäle begründet wird, ist oft noch machtvoller, weil die Informationen, welche der Angreifer sammelt, sehr schnell höchst intim sein können.

Nicht nur unsere Kinder sind gefährdet, nicht nur Facebook ist ein gefährlicher Ort. Auch Blogs und reine Mail-Kontakte können enorm kompromittierend werden.
Logisch, mögen Sie nun antworten, und selbst schuld, wer sich eine Blösse gibt. Aber auf welchen “Kanälen” auch immer: Vertrauen, der Willen zur Öffnung gehört zu jeder Art Freundschaft, die sich entwickeln soll. Und es ist ein anhaltendes Unglück, das zutiefst verletzte Personen in der Regel genau jene sind, die nicht aus dem Erlebten vernünftig lernen können – es sei denn, sie verschliessen sich zukünftig komplett: Womit sie erst recht Opfer bleiben.

Jede Trainerentlassung auf Schalke ist auch ein Medienlehrstück

∞  8 Oktober 2014, 00:01

Schalke 04 hat seinen Trainer entlassen. Eine Fussballmeldung. Aber im Grunde ist es auch eine Einladung, noch genauer hinzusehen, wie Medien funktionieren. Wie informieren sie, was lassen sie gelten, was nicht?

Schalke 04 ist ein Kultklub. Dazu macht ihn erst einmal die enorme Anziehungskraft im gesamten Ruhrpott. Das führte immer dazu, dass in der Führungsetage auch Menschen zu Gast waren, die nicht nur von Fussball wenig Ahnung hatten, sondern auch von Management. Geschweige denn von Unternehmertum. Schalke war immer Emotion. Verliert man zwei Spiele, sieht man sich in der Hölle, gewinnt man danach zwei, träumt man von Titeln in Europa. So ist das auf Schalke. Und so wollen es die Medien. Denn nichts verkauft sich so gut wie Emotion.

Die Emotion, welche die Medien schüren, ist dem Management abträglich. Einverstanden. Wenn aber die gleichen Medien die von Emotionen geleitete Führung kritisieren, dann wird es bereits ein wenig absurd, denkt man sich die Sache richtig zu Ende.

Hier soll es aber ganz bewusst nicht um Revolvermedien gehen, sondern schlicht um die Berichterstattung und die Reporterreflexe einer eher renommierten Sendeanstalt in Sachen Sport, dem ZDF Sportstudio nämlich. Denn Jens Keller, der nun entlassene Trainer von Schalke 04 war auch dort Dauerthema. Und mindestens so schnell, wie der Rest der Medienwelt wurde da jeweils danach gefragt, wie sicher denn der Trainer im Sattel sitze.

Man stelle sich vor, des Trainers Mannschaft gewinnt ein Spiel. Jetzt könnte man das Spiel analysieren, ein Fazit ziehen und auf die nächste Aufgabe verweisen. Für einen Reporter auf Schalke kann es damit nicht genug sein. Er muss den Sportchef vors Mikrofon holen und ihn, wie schon vor einigen Wochen, fragen, ob denn nun der Trainer sicherer im Sattel sitzen würde? Stereotype Antwort: Wir diskutieren gar nicht über den Trainer. Es wird nachgehakt. Es wird nochmals darauf verwiesen, dass keine Diskussion über den Trainer geführt würde.

Es tritt ab der Sportchef. Stimme aus dem Off des Reporters: “Ein klares Bekenntnis zum Trainer sieht anders aus.”
Hä?

Hier trifft die innere Unruhe auf Schalke auf eine Reportagementalität, welche die Unruhe geisselt, selbst aber alles tut, dass gar keine Ruhe aufkommen kann. Das mag journalistischer Kniff sein. Am Ende aber werden nicht nur die Verantwortlichen bei Schalke 04 unglaubwürdig. Für viele Zuschauer sind auch die Reporter längst nicht mehr ernst zu nehmen. Was nicht nur das ZDF nicht daran hindern wird, die Entscheidung der Trainerentlassung nun in Frage zu stellen und mehr oder weniger unerträglich mahnend den Zeigefinger zu heben…

Stammt der folgende Satz von Beckenbauer?

“Leute, spielt’s Fussball.”

Nicht nur er hat dabei immer besser ausgesehen als in der verbalen Interaktion…

Kreative Wohnideen - das wäre private Altersvorsorge

∞  6 Oktober 2014, 23:19

Die Babyboomer werden in gut zehn Jahren das heutige Rentenalter erreichen.

Ich gehöre zwar nicht zu jenen, die glauben, dass bis dahin Rentenansprüche illusorisch werden – denn noch scheint mir das unvorstellbar, und vor allem von solcher politischen Tragweite im Verhältnis des Bürgers zu seinem Staat, dass ich mir das lieber gar nicht vorstellen will Und es ist auch noch genügend Zeit, dass die Politiker die Verpflichtung des Staates gegenüber seinen Bürgern in dieser Frage erkennen und moderate Lösungen finden.

Wenn ich also bezüglich der Rentenansprüche nichts davon halte, dass man nun den Bürger einfach zu mehr “Selbstverantwortung” und damit Selbstvorsorge ermahnt, zumal wenn die möglichen Sparvariationen dem Anspruch des Staates auf Konsum als Triebfeder des Wachstums so diametral entgegen stehen, so denke ich doch, dass wir gar nicht genügend private Kreativität an den Tag legen können, wenn es darum geht, wie wir denn im Alter zusammenleben wollen? Denn nicht nur die Finanzierung unserer Rente wird schwierig werden – es wird auch immer weniger sozialen Rückhalt durch Familienstukturen geben: Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Menschen allein, und auch wenn sie nicht unbedingt möchten, dass das so bleibt, so werden uns in jedem Fall in vielen Fällen die sozialen Auffangnetze fehlen – und Pflegeheime, wie wir sie kennen, sind ja nicht unbedingt das, was wir uns selbst wünschen würden, oder?

Darum finde ich jeden Ansatz interessant, bei dem Wohnformen diskutiert werden, auf privater Initiative beruhend, in der sich Gemeinschaften von Menschen in ähnlicher Lebenssituation bilden können, in denen aktive Lebensgestaltung und Unterstützung möglich ist – und der Verbleib im sozialen Umfeld, auch wenn die Gesundheit nachlässt. Die Tatsache, dass solche Modelle vielleicht schon zehn Jahre vor der Pension geplant und projektiert werden könnten, für alle offenen Fragen entsprechend Raum, Zeit und Knowhow gefunden werden könnte – es könnte dazu führen, dass die Energie aus dem Berufsalltag in eine aktive und pro-aktive Alters-Lebensgestaltung mündete. Phantasterei in unserer individualisierten Gesellschaft? Womöglich noch. Aber die Zukunft wird zeigen, ob Modelle von Stadtsiedlungen, in denen familiengerechte Strukturen in Überbauungen sich mit Single-Haushalten vertragen und ihnen umgekehrt Nähe, soziale Kontakte und Gemeinschaftsempfinden erleichtern sollen, sind eventuell Erfahrungsschatz am andern Ende der Alterspyramide – mit gleicher Zielsetzung.

Der Gedanke, sich einer gewissen Trostlosigkeit am Ende des eigenen Lebens nicht zwangsläufig ergeben zu müssen, macht doch eigentlich für sich schon Mumm, oder? Was wir nun brauchen, sind Modelle, die Mut machen, Erfahrungsaustausch und konkrete Beschäftigung mit dem Thema – nicht erst, wenn der Postbote zum ersten Mal mit der AHV an die Tür klopft.

Überfremdung als überstrapaziertes Dauerthema

∞  5 Oktober 2014, 22:58

Ich bin mal gespannt, wie lange es geht, bis auch die Frage, ob es im örtlichen Kaff eine Tempo-30-Limite geben soll, mit Ausländerfragen verknüpft wird. Irgend einer Partei werden bestimmt Argumente einfallen, mit denen die Angst vor einem unkontrollierbaren Anstieg des Ausländeranteils genutzt werden kann – jede Wahl wird mittlerweile von diesem Thema bestimmt – und das Verhältnis zur EU ist natürlich erst recht davon bestimmt.

Was die SVP los getreten hat, haben alle anderen Parteien längst sich auch zu eigen gemacht. Und während sie sich gegenseitig Fremdenfeindlichkeit bzw. Populismus vorwerfen, bleiben die tatsächlichen Probleme nicht nur ungelöst – im Grunde werden sie gar nicht in Angriff genommen. Es sei denn, wir Bürger würden die Parteien und Politker daran messen, was sie denn dafür tun wollen, dass die Ausländer, die wir brauchen, gerne kommen und die Menschen, die hier schon leben, dies nicht als Problem empfinden:

Wir benötigen als Land, das aus sich heraus gar nicht so viel Leistung personalisieren kann, wie das Land und seine Wirtschafts- und Forschungssysteme laufend generieren, Konzepte für ein Zusammenleben, das mit den in der Tat knappen Ressourcen verantwortungsvoll umgeht. Die Barriere an der Grenze ist keine Lösung, das Verschliessen der Augen auch nicht. Aber faire Lösungen brauchen Differenzierung – auch in der politischen Diskussion.

Jenseits aller Vernunft und Menschlichkeit

∞  5 Oktober 2014, 00:06

Geiseln des Isamischen Staates – Enthauptungsvideos auf Youtube – und eine amerikanischer Regierung, der verlauten lässt, die USA würden “alle zur Verfügung stehenden Mittel” einsetzen”, um eine Wiederholung zu verhindern – und die entsprechende Geisel zu befreien.

Unerträglich ist das alles – und soll es ja gerade sein. Ganz im Sinne der Terroristen, denen die ganze mediale Macht der Öffentlichkeit in die Hände spielt. Und das Volk hört die Botschaft der Regierung, die gar nicht anders kann, als Unmögliches zu versprechen – denn klar ist, dass nach Lager der Dinge die IS allein bestimmt, ob es nochmals geschieht oder nicht.

Und wenn es geschieht, geht die Unerträglichkeit weiter – inklusive der Hilflosigkeit, die wir alle angesichts der Situation spüren: Es gibt keinen Weg, dem Konflikt bis aufs Blut mit Menschen auszuweichen, die genau diesen Konflikt wollen.

Schlimm daran ist auch, dass die ganze islamische Kultur und alle Muslime einer Zerreissprobe ausgesetzt sind, die uns eigentlich zusammen bringen müsste, statt uns zu trennen. Dazu wird noch mehr zu schreiben sein. Nicht nur dazu.

An Tagen wie diesem

∞  3 Oktober 2014, 19:22

Wir schickten die Frauen heute allein zum Einkaufen. Grosszügig, nicht wahr? Während sich mein Freund im Büro vergrub, sammelte ich Baumnüsse ein und betete die Herbstsonne an. Das Kundentelefon mit Orange France kam zwar nicht zustande, der sicher freundliche Kundenberater rief mich nicht mehr zurück. Aber es läuft ja alles, zumindest in der Grundkonfiguration, wie dieses Posting beweist.

Und was geschieht? Die Frauen kommen mit einem Hundert-Euro-Einkaufsgutschein zurück. Sie haben Jetons bekommen an der Kasse, die Kassierin hat ihnen erklärt, was sie diese Jetons rein stecken sollen, und der Apparat spuckte dann den besagten Zettel aus. Die drittgrösste Gewinnkategorie überhaupt, und die Freundin ist jetzt ganz aufgeregt: Sie habe noch nie was gewonnen, meint sie… Keine Ahnung, ob es stimmt, aber schön ist dass alles eh. Wir freuen uns über das kleine oder auch grosse Glück, das uns über den Weg gelaufen ist, und ich sitze nun wieder auf der Terrasse:

Die Nüsse sind eingesammelt und ausgelegt zum Trocknen, die Sonne flutet durch die Abendluft, die Blätter leuchten. Von Zeit zu Zeit beginnen die Bäume zu rauschen. Es ist mild, hinter dem Haus fährt manchmal ein Auto vorbei, doch das Geräusch stört nicht. Selbst das Auto wird Teil der Idylle, und die Einkaufsgutschein-Gewinnerin kocht gerade für uns. Die Natur schenkt mir diesen wunderbaren Herbstabend, und ich würde gerade jede Weissagung bejahen, die mir verheisst, dass immer für mich geschaut werden wird.

Dies ist doch eine der schönsten Qualitäten, die wir uns als Menschen erarbeiten können: Dass wir so viel Zuversicht in uns tragen, dass uns vor der Zukunft nie bange sein muss – und wenn wir Sorgen haben, so wollen wir doch glauben, dass sich Lösungen finden werden – und dazu beitragen, was immer wir können. Mehr ist nicht zu tun, ist nicht möglich – und auch nicht nötig.

Wer mit dieser Haltung leben kann, ist wirklich gesegnet. An Tagen wie heute ist das einfach. Und morgen?



Die Welt

∞  3 Oktober 2014, 00:25

Du siehst die Welt nicht so wie sie ist, du siehst die Welt so wie du bist.

Mooji

Und wir sollten endlich wieder ein wenig auf den Boden finden:

Das Leben ist lebensgefährlich.
Krankheiten gibt es nicht nur in Afrika.
Ein bisschen bomben reicht nicht, um den Krieg fern zu halten.

Das Leben ist doch so schön, weil es nicht selbstverständlich ist.
Und es verdient, dankbar gelebt zu werden.
Und manchmal muss man auch den Kopf hin halten.
Und den Stolz zeigen, etwas zu verteidigen.

Die Welt ist nicht schlecht, weil sie grausam sein kann.
Sie kann nicht schlecht sein, wenn wir bei dem bleiben, an das wir glauben.
Wir bauen die Welt mit.
Wir müssen uns ihr nur stellen und bereits ein, unser Bild überprüfen zu lassen –
und es zu verteidigen.
Damit bestimmen wir das Bild der Welt mit.

Afrika - und wir peinlichen Westler

∞  2 Oktober 2014, 00:50

#484896077 / gettyimages.com


Afrika hat eine traditionelle Volkskrankheit, die den Kontinent bedroht, zumindest die armen Afrikaner, und eine neue, die noch mehr Opfer forderte, weil sie auf kulturelle Voraussetzungen traf, die sie begünstigten: Wir sprechen im Zusammenhang mit Afrika die Krankheiten Malaria und Aids fast simultan aus. Und wir müssen uns dabei gleich zweimal einen Spiegel vorhalten lassen:

Aids ist in westlichen Ländern heute viel besser kontrolliert als in Afrika, weil es genügend – zwar aufwendige, aber regulierende – Therapien gibt, welche der Krankheit den Schrecken des sicheren Todes genommen haben. Was bleibt, ist ein grosses Geschäft, weil die teuren Behandlungen lebenslang notwendig sind – und im Westen von den Krankenversicherungen bezahlt werden. Was dazu führt, dass hier geforscht und investiert wird – während die gleichen Therapien in Afrika von praktisch niemandem bezahlt werden können – weshalb sie nur dann Nachdruck erleben, wenn gerade ein Pharmariese ein wenig Image-Werbung nötig hat.

Noch viel bemerkenswerter und beschämender ist die Situation bei der Bekämpfung der Malaria. Wenn wir Westler von der Malaria Notiz nehmen, dann steht unsere eigene Ferienreise bevor, und wir lassen uns aufklären, dass es die gängige wirklich unproblematische Malariaprophylaxe – je nach Region gar nicht mehr gibt. Das Problem ist, dass die Erreger-Mücken resistent gegen die extensiv angewendeten Mittel geworden sind, und die Forschung für Alternativen vernachlässigt wurde: Wir zetern unseren Protest und finden es skandalös, erleben aber nur für einmal, dass es beklemmend ist, mit dem eigenen medizinischen Problem zu einem uninteressanten kleinen Markt zu gehören, für den sich die Forschung der Pharmafirmen nicht lohnt: Die meisten Afrikaner, die Malaria-Medikamente nötig hätten, könnten sich die alternativen Medikamente gar nicht leisten – zumindest nicht mit den hohen üblichen Margen für die Pharmafirmen. Also keine Forschung. Oder nur eine eingeschränkte.

Nun haben wir die Sequenzen der Ebola-Epidemie auf den Bildschirmen und sehen die surreal wirkenden Bilder der vermummten Gestalten in ihren Schutzanzügen, Gummistiefeln und Latexhandschuhen und denken uns den Kontinent Afrika einmal mehr weit weg von allem, was bei uns vorstellbar wäre. Und wir lesen oder sehen vielleicht noch die Reportagen der mutigen und idealistischen medizinschen Helfer, die vor Ort ihr Leben riskieren – für die Infizierten oder jene, denen die Krankheit droht. Aber es ist weit weg.

Aber das ist vorbei. In den USA, so wurde nun bekannt, ist ein Ebola-Patient eruiert worden. Einer. Sofort werden die Reportagen fetter. Wir erfahren, dass der Mann in Quarantäne liegt und ein Teil seiner Verwandten auch. Und die Berichte gleichen sich: Die Offiziellen der Gesundheitsbehörden fühlen sich genötigt, in der Tatsache, dass der Patient zuerst wieder nach Hause geschickt wurde, bevor er beim zweiten Besuch aufgenommen wurde, ein Versäumnis zu sehen, das so bestimmt nicht mehr vorkomme – und die Deutschen betonen sogleich, dass so was bei ihnen gar überhaupt nicht vorkommen könnte, weil die Sicherheitsmassnahmen viel besser wären.

Da verspricht jeder Verantwortliche Dinge, die gar nicht zugesagt werden können, verdeutlicht man sich auch nur ansatzmässig, wie weitmaschig das Netz bleiben muss, in dem die Symptome einer solchen Infektion zu lange verborgen bleiben können – oder falsch diagnostiziert. Dafür wird dann noch angefügt, dass die Ebola-Krise nun wirklich gezielt, fundiert und mit aller Macht bekämpft werden müsste. Peinlicher könnte der Westen nicht mehr bezeugen, wie selbstbezogen er agiert – wie alle Regierungen aller Länder auf der ganzen Welt. Das Unerträgliche ist nicht so sehr die Vorstellung, dass allen das eigene Heil am Nächsten liegt, sondern der Umstand, dass der Westen immer so schnell dabei ist, weis machen zu wollen, er würde anders handeln.

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