Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Der geldgierige Schweizer, den alle Österreicher lieben

∞  31 Oktober 2013, 21:13

Marcel Koller, und damit ein Sportereignis, ist auch heute nochmals mein Thema. Aber vor allem deshalb, weil sich an der Art, wie der österreichische (Boulevard-)Journalismus die Vertragsverhandlungen mit dem Schweizer begleitet hat, ein sehr plattes Bild, das man sich von den Schweizern macht, ablesen lässt.

Ich notiere aus einem Artikel des Tagesanzeigers:

Koller, so der Tenor, werde ganz bestimmt das verlockende, hoch bezahlte Angebot aus der Schweiz annehmen. […] «Marcel Koller ist und war in diesem Land ein Söldner», schrieb der Herausgeber der Boulevardzeitung «Österreich», Wolfgang Fellner, am Dienstag im Leitartikel. Er bezichtigte Koller der Charakterlosigkeit und des Verrats: Der Trainer wechsle nur in die Schweiz, weil er dort 300’000 Euro mehr bekomme: «Und Geld ist für einen Schweizer immer ein Motiv.»
[…]
Auch in der seriösen bürgerlichen «Presse» wusste ein Sportredaktor vorgestern noch genau, dass Koller schon auf dem Weg in die Schweiz sei und der ÖFB ihn besser nicht aufhalten sollte. Denn der grosse Wurf sei Koller halt nicht gelungen, und Ersatz in Österreich zu finden, sollte nicht allzu schwierig sein. 24 Stunden später jubelt derselbe Journalist, dass «der Schweizer Weg der richtige ist». Koller entspreche nicht den Klischees der Eidgenossen und sei deshalb zum Liebling der österreichischen Fussballnation geworden: «Er besitzt ein gesundes Mass an Humor, und vor allem hat er ein weiches Herz.»

Mir scheint einmal mehr, dass man sich Neid einfach verdienen muss. Ich habe selbst Jahrzehnte in einer kleinen eigenen Firma gearbeitet, und es ist kein Jahr vergangen, in dem ich nicht von mehr als einer Seite unverhohlenes Erstaunen ausgedrückt bekommen hätte, dass “eine so unscheinbare Firma einen solchen Erfolg haben könne”.

So ähnlich kommt mir das hier auch vor, kommt mir die Mär, die Schweizer würden einfach vom gehorteten Schwarzgeld profitieren, vor. Es ist die Missgunst jener, die sich selbst klein und minderwertig fühlen und für die Prosperität anderer unbedingt einfache Erklärungen brauchen. Aber es bleibt einfach ein schales Gefühl zurück, wenn solche Klischeebilder zu solch hässlicher Berichterstattung führen. Und besonders peinlich muten dann die Kehrtwendungen an, die man nur deshalb vollführen muss, weil man – höchst unprofessionell – ein vermutetes Ende zu einem Fazit heran gezogen hat, das dann gar nie eintritt. Dumm gelaufen. Nun sind Sportjournalisten oft nicht gerade die Prämierten ihrer Gilde, um auch mal ein Klischee zu bemühen (ätsch), aber ein Herausgeber einer Zeitung, und mag sie für den Boulevard zusammen schmieren, ist ein anderes Kaliber. Solche Entgleisungen sind, mit Verlaub, meiner Meinung nach ein veritabler Skandal.

Nicht so direkt wirklich Demokratie

∞  24 April 2013, 18:05

Demokratie – ein Wort, manchmal wie ein Glaubensbekenntnis. Kriege werden geführt, um einem Land die Demokratie zu bringen. Zumindest scheut sich mindestens ein Protagonist nie, das allen ernstes so zu sagen. Doch wie weit her ist es eigentlich mit Demokratie, was verstehen wir darunter? Und wenn es mehr davon geben soll – wer bestimmt das eigentlich, wer weiss es und wie soll dieses Mehr aussehen?

Demokratie ist ein Wahlrecht. In den meisten Demokratien, die sich so nennen, beschränkt sich die Teilnahme des Bürgers am Auswahlprozedere für die Regierung, die sich dann alle vier Jahre um die Wiederwahl bemüht – und dazwischen wenig bis keine Rechtfertigung ablegt. Das tatsächliche passive und akive Wahlrecht für alle ist keine so geringe Errungenschaft, genau so wie das Recht, Parteien zu gründen. Dass damit schon einiges bewegt werden und die politischen Lager sich anders thematisieren können, haben wir erlebt, mit den Grünen nachhaltig, mit der Piratenpartei vielleicht weniger, mit den Grünliberalen und der BDP in der Schweiz weniger spektakulär, aber gleichwohl belebend.
Und das Bewusstsein für die Notwendigkeit oder Wünschbarkeit der Gewaltentrennung ist zumindest vorhanden.

Aber ist das Demokratie? Und ist denn die Skepsis nicht nur der Politik sondern grosser Teile der Presse in Deutschland und Österreich gegenüber den Forderungen nach mehr diretker Demokratie nicht in höchstem Mass irritierend? Der Wähler, der ein Kreuzchen macht alle vier Jahre, ist zu dumm oder zu unverantwortlich, um über Sachentscheidungen befinden oder gar konkrete Begehren stellen zu können, die am Ende auch noch umgesetzt werden müssten?

Verfolgen wir Schweizer diese Debatten – oder Kommentare über Abstimmungsergebnisse bei uns – so wird uns schlagartig bewusst, wie unterschiedlich unser Demokratieverständnis ist – und wie segensreich eine jahrhundertelange Tradition, in der ein Mehrparteien-Bundesstaat mit starker föderalistischer Prägung diese Kultur der Meinungsbildung und Sachentscheidung über viele Generationen ausbilden und verfeinern konnte.Der selbstverständliche Reflex, dass zu grundlegenden Entscheidungen auch von gewählten Volksvertretern die Meinung des Volkes einzuholen und dann umzusetzen sei, ist nirgends sonst ausgebildet.

In Österreich ist gerade ein Volksbegehren NICHT zustande gekommen, das mehr direkte Demokratie forderte. Tatsächlich haben sich so wenige Bürger zur Unterschrift bequemt, wie noch nie in der Geschichte der Volksbegehren. Und die Parteien, offiziell Hüter der Demokratie, reiben sich insgeheim die Hände, nicht ohne zu betonen, dass es mehr Mitbestimmung für die Bürger geben müsse. Ein erster Vorschlag liegt auch schon vor:
Es sollen Volksbegehren möglich sein, die dann auch verbindlich vorgelegt werden müssten (!), wenn 650’000 Unterschriften dafür beglaubigt würden.
In der Schweiz werden dafür 100’000 benötigt, und wir haben eine nicht viel gernigere Bevölkerungszahl wie Österreich. Je höher diese Unterschriftenzahl als Hürde ist, um so mehr Geld wird benötigt, um eine Kampagne zu führen – dies nur als einer der zusätzlichen Stolpersteine, wenn es darum geht, sinnvolle Wege aufzuzeigen. Und, wie gesagt: Wer hat nur schon gelernt, den Bürger “richtig” zu fragen, was er denn selbst will? Wer überwindet den Reflex, es ihm vorsagen zu wollen? Hier wären wieder die Medien gefragt, welche diese Debatten anstossen müssten, die richtigen Fagen stellen und die Überheblichkeit überwinden sollten, das einzig intellektuelle Gewissen des Staates sein zu können.


Die USA ganz mau legal zum Datenklau

∞  23 März 2012, 13:11

Die USA verlangt den sehr weitgehenden Datenaustausch bei den unterschiedlichsten Mutmassungen über Steuer- und Strafdelikte. Und droht der Schweiz, aber auch allen anderen Staaten mit der Wiedereinführung der Visum-Pflicht für alle, die in die USA reisen wollen. Bereits 20 Staaten haben das geforderte Abkommen mit den USA unterzeichnet.

Es sind andere Zeiten als auch schon. Es gibt wieder mehr Schwache und Starke – schlecht scheint es aber allen irgendwie zu gehen, auf jeden Fall ist jedermann davon überzeugt. Und darum lernen wir alle viel deutlicher und unverblümter kennen, was es heisst, wenn die Mächtigen ihre Macht auch zum Einsatz bringen, denn sie tun es ungeschminkter und mit neuem Ton – der auch die Drohung in der Verhandlung mit einschliesst. Seit 9/11 wird jede Diskussion über den gläsernen Bürger vom Sicherheitsargument bestimmt, ungeachtet der Tatsache, dass die damaligen Attentäter nicht etwa datentechnisch unbekannt waren, sondern eines der Probleme schon damals darin bestand, die “richtigen” Daten rechtzeitig richtig zu interpretieren und zu gewichten. Wie viele Unschuldige hat wohl Guantanamo jede Möglichkeit genommen, je wieder ein normales Leben zu führen?

Und nun also die Streitigkeiten um Steuerauskünfte. Vom Datenmaterial über die eigene Person zur gläsernen Vermögensauskunft. So langsam kommen die Anmassungen der Staaten uns näher und es fällt immer ein bisschen schwerer, darauf mit Schulterzucken zu reagieren und leise oder laut zu denken, man sei nicht betroffen – oder wer nichts verbrochen habe, müsse auch nichts befürchten.

Wenn denn nun die österreichische Innenministerin, Frau Mikl-Leitner, die eigenen Verhandlungsergebnisse mit den USA voller Stolz kommentiert, werde ich doch ein wenig stutzig: Sie streicht nämlich heraus, dass Österreich in den Verhandlungen mit den USA das Optimum heraus geholt habe. Grund: Unsere Nachbarn haben als bisher einziges Land mit den USA bei der Regelung des “Austauschs” von Polizeidaten eine Kündigungsklausel vereinbart. Frau Mikl-Leitner strahlt, weil Österreich damit das Abkommen kündigen könne, wenn die USA Datenschutzbestimmungen verletzten.

Wie bitte?`Darf ich Sie fragen, wieviele Verträge sie selbst privat abgeschlossen haben, in denen Sie selbst kein Kündigungsrecht besitzen wenn die Gegenpartei die Regeln nicht einhält? Es kann sein, dass Sie wenig Verhandlungsspielraum haben, weil Sie am kürzeren Hebel sitzen – aber keine Kündigungsmöglichkeit? Egal, wie sich die Gegenpartei verhält? Nun weiss ich auch, dass politische Konstellationen immer nur Wetten laufen haben, die bei veränderten Machtverhältnissen sofort neu formuliert werden – aber deutlicher könnte man als “Partner” der USA nicht mehr bezeugen, wer die Hosen anhat, oder?

Gewissermassen als verbaler Cartoon zum Sachverhalt passt das Beispiel, das Sie gegenüber Radio DRS zu inhaltlichen Punkten nannte: Nehmen Sie an, die USA verlangt im Rahmen eines Strafverfahrens gegen Sie von Ihrem Staat die Herausgabe Ihres DNA-Materials und bekommt dieses auch. In der Folge stellt sich heraus, dass die Anschuldigungen gegen Sie völlig haltlos sind. In einem solchen Fall müsse die USA das Material vernichten.
Ich stelle fest: Die einzieg korrekte Vorgehensweise ist ganz offensichtlich ausserordentlich und ein Verhandlungserfolg.
Na dann gute Nacht.

Schweiz orientiert sich im US-Datenstreit an Österreich
So hätten Privatpersonen kein Recht darauf, dass falsche Daten geändert oder gelöscht werden. Deshalb sei es wichtig, dass nur bei schwerer Kriminalität Daten ausgetauscht werden. – am Ende des Artikels


Die Schweiz ist richtungsweisend anders

∞  19 Juli 2010, 18:08

Die Schweiz ist anders. Was mir früher immer ein bisschen wie die Marotte eines überbetonten Mentalitätsunterschieds vorkam, erscheint mir heute grundlegend gültig zu sein. Und dabei meine ich nicht nur Verhaltensweisen und menschliche Reflexe auf äussere Einflüsse, sondern vor allem auch unser politisches System und die daraus resultierenden unterschiedlichen Auffassungen in grundlegenden Fragen.

Die Reaktionen nach der Minarettinitiative, in denen ausländische Medien den Entscheid als Beweis anprangerten, dass die direkte Demokratie unpraktikabel sei, haben uns die Augen geöffnet: Ganz offensichtlich traut die intellektuelle Elite Europas der Mehrheit des eigenen Volkes rational vernünftige Volksentscheide nicht zu. Es herrscht eine regelrechte Angst vor dem sich artikulierenden Unwillen oder Willen des eigenen Volkes. Und es wird stellvertretend für dieses Volk eine Güterabwägung vorgenommen, die diesem Volk dann auch aufgezwungen wird. Dass dabei Grundrechte in Abrede gestellt werden, über Ansichten entschieden wird, bevor sie diskutiert werden könnten, ist höchst problematisch. Mir hat dieser kollektive ausländische Ausbruch an Unverständnis, mag er sich in den folgenden Wochen auch abgeschwächt haben, die Augen dafür geöffnet, in welchem ausserordentlichen politischen System wir in der Schweiz leben. Und ich bin seither entschlossener als jemals zuvor, diese direkte Demokratie so weit, wie es nur irgendwie geht, zu verteidigen.

Im Gegensatz zu vielen Nachbarn traue ich diesen Völkern im übrigen sehr viel mehr Rationalität zu, als deren Regierungen und Medien es tun. Dass es umgekehrt an der Zeit sein könnte, das Volk nicht nur zu Wahlzwecken nach deren Stimmung zu befragen, sondern auch Fragen der Europapolitik, zum Beispiel, nach Mehrheitsbefindlichkeiten anzugehen – oder zumindest die dafür notwendige Überzeugungsarbeit auch zu leisten, ist offensichtlich.

Die Weltwoche hat in einer grossen Umfrage in den Grenzregionen zur Schweiz (Baden-Württemberg, Vorarlberg, Savoyen/Hochsavoyen, Como/Varese) Erstaunliches zu Tage gefördert. Die Ergebnisse sind in der Print-Ausgabe 28/2010 und im Web zusammengefasst.
Erstaunlich sind nicht nur die Resultate an sich, sondern die Gründe dafür – und die Tatsache, dass sich das Ergebnis aller Regionen herzlich wenig unterscheidet.
Zusammengefasst lässt sich folgendes feststellen:
In allen Regionen antworten zwischen 48 und 52% der Befragten auf die Frage:
Möchten Sie der Schweiz beitreten? – mit Ja. Mit Nein antworten nirgends mehr als 44%.
Erstaunlich ist nun, dass die Schweiz nicht nur bezüglich der wirtschaftlichen und steuerlichen Attraktivität bevorzugt wird (mindestens 68%), sondern dass keine Frage so eindeutig mit Ja beantwortet wird wie diese:

Sollte die direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild auch in Deutschland/Österreich/Italien/Frankreich eingeführt werden?


Die Antworten sind eindeutig: JA sagen
79% in Baden-Württemberg
76% in Vorarlberg
72% in (Hoch-)Savoyen
82% in Como/Varese

Die Antworten sind deutlich. Sehr deutlich. Politikverdrossenheit scheint offensichtlich. Ganz eindeutig fühlen sich die Büger in den Nachbarländern nicht (mehr) als Teil der Demokratie, sie sehen sich von einer Kaste regiert, deren Programme sich in Wahlbroschüren unterscheiden, nicht aber im Willen und der Kompetenz zur Durchsetzung dieser Programme. Das Kreuzchen alle vier Jahre ist als Willenskundgebung komplett ungenügend geworden. Die Bürger wollen keiner Regierung einen vierjährigen Freipass geben. An einzelnen Sachentscheiden aber lässt sich sowohl der Wille der Stimmenden wie die Nähe der Politiker zur Basis messen – oder fördern.




Österreich als Blogger-Brachlandschaft?

∞  20 August 2008, 14:35

Nicht nur blogoscoop.net scheint sich in Österreich schwer zu tun: Aber auch in Österreich haben sie Internet. Man muss es nur wissen. Denn spüren tut man davon kaum etwas.





Es gibt ein neues Blog-Verzeichnis, das mir recht vielversprechend scheint. Doch blogoscoop.net ist hier (noch) nicht das Thema. Neue Web-Angebote für Blogger und Blog-LeserInnen sind aber immer ein Indiz dafür, wie lebendig die akutelle Szene ist. Denn die Verbreitung geschieht um so schneller, um so mehr Blogs das Angebot aufnehmen, es verlinken und darüber berichten.

Die meisten deutschsprachigen Impulse kommen von Deutschland aus – angesichts der Grösse des Landes logisch. Wenn ich aber die Schweiz und Österreich vergleiche, dann komme ich bald mal aus dem Fragen nicht mehr heraus:

Ist Österreich eigentlich nicht ans Internet angeschlossen??? Es gibt doch mit twoday.net sogar einen Blogsoftware- und -portalanbieter der praktisch ersten Stunde(n) von Blogs. Bisher sind rund 1500 Blogs bei blogoscoop.net angemeldet. Das Bild oben zeigt die räumliche Verteilung. Ja, richtig, die weisse Fläche, das ist Österreich…


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Unbekanntes Austria
und
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Österreich - nicht nur unbekannter, auch verkannter Nachbar?

Österreichische Vielfalt

∞  12 Juni 2008, 17:45

Das Österreich, die Österreicher sind… anders. Vielseitiger, vielschichtiger, spannender, reicher, als wir ahnen, wissen, denken, vermuten. Wie die Schweizer und die Deutschen auch.


Zu Ehren Österreichs vor dem heutigen 2. EM-Spiel folgt daher dieser kleine Report:


Das ZDF hat in seiner Sendung Österreich von A-Z einen Blick auf sein Nachbarland geworfen, und ich habe Katrin Bauerfeind über die Schulter geschaut.
Ein paar Besonderheiten unseres östlichen Nachbars will ich dann doch hier rapportieren:

• Wo kann man sich denn wohl zum Biersommelier ausbilden lassen? In Deutschland? Holland? Falsch. Nur in Salzburg.

• Das älteste Auktionshaus der Welt ist nicht Sothebys oder so, sondern das Dorotheum in Wien, das gleichzeitig auch Pfandleihhaus ist.

Der Einspänner ist nicht (nur) eine Kutsche mit 1 PS, sondern vor allem ein Kaffee mit Schlagobers (Schlagrahm, wie wir Schweizer sagen). Merke: Darunter bliebt der Kaffee länger warm.

Güssing ist eine bezüglich Energieversorgung völlig autarke Stadt/Gemeinde mit 30’000 Einwohnern, die es sich als Gesetz verschrieben haben, dass alle von ihnen verbrauchte Energie auch in der Gemeinde wieder generiert werden muss. Warum nur möchten die Multis seit eh die entsprechenden Anlagen unbedingt kaufen?

• Österreich hat die einzige europäische Armee, die in den Kasernen islamische Gebetsräume für ihre muslimischen Soldaten unterhält. Angestrebt wird nun gar die Beschäftigung zweier Feld-Imame für die Seelsorge.

• Das ist im Budget von 1.8 Mia Euro fürs Militär inbegriffen – einer der kleinsten Etats weltweit.

• Mit dem Life Ball beherbergt Wien den grössten karitativen Anlass zur Bekämpfung von Aids. Bei der letzten Aids Charity wurden 1,4 Mio Euro gesammelt.

• Ist Mozart nun ein Österreicher? Auf jeden Fall ist er Salzburger, auch wenn er daselbst im heiligen römischen Reich deutscher Nation geboren wurde.

• Wien besitzt den ältesten Tiergarten (Zoo) der Welt (1752).

• Der Grossglockner ist mit 3798müM der höchste Berg Österreichs.

• Österreich dürfte das einzige Land sein, in dem selbst Motorradfahrer gesetzlich verpflichtet sind, einen Verbandskasten mit zu führen.

• Österreich fördert Öl. Die ÖMV deckt mit 40td Barrel pro Tag ca. 10% des Bedarfs des Landes selbst.

Der Tod muss ein Wiener sein, sagt man und meint damit den Aufwand, den die Menschen um ihr Begräbnis betreiben.
In Wien musst Du sterben, damit man Dich hochleben lässt, sagt man. “Aber dann lebst’ lang.”
A schöne Laich steht für ein pompöses Begräbnis mit Leichenumzug, und das ist wichtig, will man etwas bedeuten (bedeutet haben). Obwohl man weiss:
“Dem tuat nix mer weh.”

• Der Titelfetisch ist hinlänglich bekannt und wird auch von einheimischen Kabarettisten gerne aufs Korn genommen. Haben Sie Abitur? Dann nennen Sie sich, bittschön, Magister. Oder besser Obermagister.

Herausragende Persönlichkeiten – welches Land hat sie nicht vorzuweisen, in ihrer ganzen Vielschichtigkeit ein Spiegelbild der eigenen Kultur?
Elfriede Jellinek, Niki Lauda, Maria Theresia, Sigmund Freud, Arnold Schwarzenegger

Walzern kommt von “Drehen” – und war vor 200 Jahren höchst anstössig: Ständiger Körperkontakt und sich dem männlichen Blick offenbarende Knöchel der Damen…

***

Was mir noch aufgefallen ist: Die Vielzahl der Dialekte dürfte ähnlich ausgeprägt sein wie in der Schweiz. Und nicht wenige Deutsche beneiden die Österreicher um deren feine Sprache: In der Tag ist das Timbre so mancher gehörter Stimme sehr samten weich und schön. Anmutig eben.
Da sind wir Schweizer dann eher für die kernigeren Interpretationen zuständig.
Danke dem ZDF für diesen Einblick ins Nachbarland. Und den Wiener Taxi-Fahrer habe ich auch nicht verstanden. Kein Sterbenswörtchen. Null Chance.

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[Bildquelle: brasil.at ]


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Ösis, Teutonen und Eidgenossen zum Liebhaben

∞  7 Juni 2008, 16:30

Wie wir uns lieb haben (könnten), und was uns – unter vielem anderem – so faszinierend unterschiedlich macht.


Noch ist die Fussball-EM 08 nicht angepfiffen. Zeit, ohne falsche Verdachtsmomente bezüglich meiner Motivation nochmals auf einen besonderen Umstand hinzuweisen: Es ist wohl das erste Mal, dass eine EM auf deutschsprachigem Boden ausgetragen wird und alle drei “grossen” (sorry, Liechtenstein) Länder mit deutscher Landessprache daran teilnehmen. Das war für die Talk-Sendung Nachtcafé des SWR Grund genug, Wilfried Backes die Frage stellen zu lassen: Ösis, Eidgenossen und Teutonen: Nachbarn zum Liebhaben?. Da das Verhältnis zu Deutschland für uns Deutschschweizer stets ein Thema ist und wir genau zu wissen meinen, was wir von unseren Nachbarn zu halten haben (und sie von uns), ist das natürlich jetzt DAS Thema. Dazu passt auch, dass ich mich hier ja vermehrt auch mit Österreich auseinandersetzen möchte. Danke daher Dir, Gabi für Deinen Hinweis!
Es seien an dieser Stelle, ohne grossen weiteren Kommentar, ein paar Aussagen wiedergegeben, die gestern in der Sendung von den Talkgästen gemacht wurden:

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Im Grunde wollen wir uns liebhaben. Die Tatsache, dass wir uns unter einander akustisch verstehen, macht es nur offensichtlich und schwieriger, jene Situationen hinzunehmen, in denen wir das nicht verstehen. Bei Italienern und Franzosen stört uns das nicht, obwohl wir eigentlich diese Länder noch viel weniger verstehen (DJ Bobo, Schweizer)

*
Für Peter Roos (deutscher Schriftsteller, in Wien lebend) ist das Alltagsklima in Wien in den letzten drei, vier Monaten unerträglich geworden. Er stellt eine aufgeheizte Stimmung gegenüber dem “Lieblingsfeind Deutschland” fest. Und er weist auf den Skandal hin, dass die deutsche Nationalhymne beim letzten Freundschaftsspiel von den österreichischen Zuschauern niedergeschrien wurde.

*
Die Schweizer machen es den Deutschen mit ihren festen Vorurteilen nicht unbedingt leichter (Katrin Wilde, in der Schweiz abgelehnte und wieder nach Deutschland zurück gekehrte Ratiomoderatorin).

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In Sachen Gastfreundschaft sind die Österreicher bei ihrer ersten Kontaktaufnahme in ihrer Freundlichkeit absolute Spitze.

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Deutschen ist es im Ausland, nicht nur in der Schweiz eigen, dass sie es einfach nicht realisieren, wenn sie auf die Nerven gehen (Philipp Tingler, deutscher Schriftsteller, seit vielen Jahren überzeugter Wahlzürcher mit Berliner Wurzeln).

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Wofür die Deutschen die Österreicher beneiden, ist deren Intonation der Sprache: Der Charme des ganz eigenen Singsangs in der Aussprache.

*
Die Rede des Deutschen ist: “Ja!” oder: “Nein!”.
Der Wiener sagt: Jein.
Und er sagt auch:
“Ja, da werden wir schau’n.” Was er meint, ist: “Vergiss es!”
Der Vertröstete aber geht nach Hause und freut sich noch 24 Stunden, in der Meinung, dass für ihn gesorgt wird. Was ist daran so schlecht? (Birgit Sarata, mehrfache Industriellengattin, Operettensängerinn, natürlich für Hauptrollen, und Mitglied der Wiener Gesellschaft, also, der wirklichen, des kleinen Kreises, wie sie es selber betont).
Peter Roos “ergänzte” sie nicht nur hier in der Diskussion:
“Der Wiener sagt auch nicht: “Entweder, oder”, sondern er sagt: “Entweder und oder.”

*
Philipp Tingler: “Wenn ich nach Berlin zurück komme, dann geniesse ich durchaus zuweilen den stark berlinerischen Impuls, rasch auf den Punkt zu kommen.”

*
Der Teuto-Touri (Peter Roos) ist willkommen, aber der Alltag gestaltet sich für einen in Wien lebenden Deutschen wahnsinnig schwierig. Er fühlt sich wie ein “Seltenheitsmitglied in der Diaspora” und er stört sich extrem an “diesem Pseudo-Hofieren, bis ‘der Arsch’ sich umgedreht hat.”
Die Deutschenfeindlichkeit hindere aber die Österreicher nicht daran, die Deutschen zum schwer Arbeiten immer willkommen zu heissen. Dabei kommen sie in der Umgangssprache nicht aus Deutschland, sondern “von draussen”.

*
Was uns unterscheidet, ist unsere gemeinsame Sprache. (Bruno Ziauddin, Schweizer Weltwoche-Journalist).

*
Die Schweizer fühlen sich den Österreichern tendenziell überlegen und empfinden die Deutschen als arrogant… (DJ Bobo). Aber die Schweizer sind nicht elitär. Dagegen haben wir etwas, solches Gehaben macht uns misstrauisch und extrem kritisch.

*
Den ausgeprägten Pragmatismus der Schweizer und ihre Weltoffenheit erkennt man am besten am folgenden Phänomen: Selbst in der Schweiz versucht sich der Schweizer einem Ausländer sofort anzupassen, indem er nach dessen Herkunft fragt und dann bemüht ist, in dessen Sprache ein paar Worte zu sagen. Daran erkennt man auch das Selbstvertrauen des Schweizers. [Sinngemäss:] Er hat keine Angst vor Fehlern, der Lernende zu sein (Philipp Tingler)

*
“Unsere Mitarbeiter und vor allem unsere Gäste sind unser Spiegelbild.”
Und:
“Gastgeber wissen: Das Glück des Lebens ist das Geben.” (Balthasar Hauser, Tiroler Stanglwirt)

*
Peter Roos: Es werden in Österreich Werte gepflegt, die in Deutschland längst vorbei sind.
Man sagt und meint:
“Danke.”
“Das mach’ ich gerne.”
Und in der Strassenbahn ertönt regelmässig eine Durchsage über Lautsprecher, man möge doch älteren Passagieren den Platz frei machen.
Österreich kennt und pflegt im Gegensatz zu Deutschland eine deutliche Entschleunigung.

*
Und zum Abschluss der (alte) Witz von Wilfried Backes, Moderator, über das Gespräch zwischen einem Österreicher und einem Schweizer. Sagt der Österreicher:
“Komm, wir sind doch so ähnlich. In den Flaggen haben wir sogar die gleichen Farben.”
“Ja,” antwortet der Schweizer, “nur haben wir das Plus, und ihr das Minus.”


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Willkommen, liebe Gäste, auch aus Deutschland, zur EM in der Schweiz und Österreich. Sorry: In Österreich und in der Schweiz.

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Unbekanntes Österreich, nächste Folge

∞  4 Juni 2008, 22:04

Österreich – Die Nachbarschaftssuche, mit neuen Beispielen


Die Spurensuche nach Österreich(ischem) bei uns fällt nicht nur mir schwer, und nicht nur den Schweizern. So sucht Leu seit Tagen verzweifelt nach einer Österreichischen Landesfahne, um seinen Balkon auch mit dem Landesbanner seiner Frau schmücken zu können. Er hätte mal besser vor Monaten zu suchen begonnen, denn im Ochsner Sport oder in anderen einschlägigen Fan-Shops ist von Griechenland bis Portugal alles zu finden. Aber Österreich?
Und André Zechbauer (Links in seinem Beitrag) weiss zu berichten: Auch die “Welt online” in Deutschland spürt die Notwendigkeit, den Deutschen die Österreicher (der Fairness halber sei erwähnt: die Österreicher UND die Schweizer) näher zu bringen. Und was tut man dafür?

Man präsentiert Spezialausdrücke und erklärt, was sie bedeuten. Dumm nur, dass Menschen, die schon lange in Österreich leben, also die, welche selbst Österreicher sind, sich nun zu Wort melden: Um zu sagen, dass sie diese Ausdrücke überhaupt nicht kennen… Besser könnte man nördlich des Rheins die eigene Unkenntnis der Nachbarn nicht dokumentieren. Und auch das im Grunde fehlende Interesse? Ich schätze mal: Recherche aus dem Archiv. Bequem, aber peinlich.



Österreich in diesem Blog
Ich weiss, auch hier ist es (noch) nicht viel.


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Wir haben definitiv kein Verhältnis!

∞  2 Juni 2008, 13:42

Über Österreich lässt sich kurzfristig nichts erfahren.


Ich gebe auf. Will heissen:

Ich finde es noch immer lohnenswert, sich darüber Gedanken zu machen. Aber ich setze mir keinen Zeitdruck. Denn: Unser Verhältnis zu unserem Nachbarn Österreich scheint tatsächlich inexistent zu sein. Ich habe ein bisschen Presse in Österreich angschrieben, eingeladen zur Reflexion über das Nachbarschaftsverhältnis. Ich habe Schweizer befragt, die in der Nähe der Grenze wohnen – alle Welt wusste herzlich wenig bis gar nichts zu berichten. Es sei denn, man bemüht die allseits bekannten Platitüden, die jeweils Betroffene völlig zu Recht auf die Palme bringen.

Also habe ich mich dazu entschieden, von Zeit zu Zeit einen spontanen Blick hinüber zu werfen. Da ich, wie es scheint, die EM nun doch von zu Hause aus mitbekomme, wird ja von Zeit zu Zeit etwas anfallen, aber bestimmt auch darüber hinaus. Bis auf weiteres bleibt es mir aber ein Rätsel, warum wir so überhaupt kein Gefühl für einander haben.

Könnte es am Ende sein, dass wir Deutschschweizer genau so wie die Österreicher in erster Linie damit beschäftigt sind, unsere Einstellung zu Deutschland zu klären, so dass neben diesem grossen Brocken schlicht keine Zeit mehr bleibt, zu fragen: Und wie macht Ihr da drüben dies und jenes?

Wahrscheinlich bleibt das Interessanteste an der Geschichte aber genau das, was ich schon vermute:
Wir sind – tatsächlich – grundverschieden.

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Eine österreichische Form des Widerstands (Austria 1)

∞  5 Mai 2008, 10:27

Die Inzestfälle in Österreich verleiten zu vielen miesen Zeitungsartikeln, und ich finde, so mancher Journalist demaskiert sich damit selbst am meisten. So verdient auch der Artikel von Norbert Mappes-Niediek im “Sonntag” keine besondere Erwähnung (“Warum gerade Österreich?”, Printausgabe), vor allem nicht seines Schlusssatzes wegen, der mehr als zynisch ist. Aber er enthält ein paar Hinweise auf österreichische Besonderheiten, die ich hier gerne aufgreifen möchte.

An den Förmlichkeiten, am Umgang mit einander, den gepflegten Höflichkeitsformen, mag man ablesen, was man will. Ganz offensichtlich ist es so, dass in Österreich sich Formen der Anrede und Titel länger halten als anderswo, so es sie denn in dieser Form wo anders überhaupt gegeben hat. Vielleicht pflegen die Österreicher ja gerade deswegen diese Sitten so hartnäckig, weil sie darin instinktiv die Möglichkeit sehen, sich abzugrenzen, ein Stück Identität zu erhalten. Dennoch würde es mich interessieren, ob es tatsächlich in allen Landesgegenden noch üblich ist, dass der Lehrer der “Herr Professor” und die Kindergärtnerin “die Tante” ist?

Weiter lese ich, dass es keinen Bussgeldkatalog gibt – die Polizei bzw. deren Vertreter büsst nach Situation (?). Entscheiden die Beamten in Österreich daher mehr nach Gefühl als anderswo? Und ist das schlecht? Das Gespräch, das die Schrift, den Erlass ersetzt?
Solche Phänomene lassen auf einen Vertrauensvorschuss für den Staat schliessen, auf eine Obrigkeitsgläubigkeit. Ist das naiv? Sind wir realistischer, dem Leben mit seinen Sachzwängen und Tatsächlichkeiten näher, wenn wir grundsätzlich immer noch weniger Staat fordern, weil, wie uns die SVP beweisen unermüdlich beweisen will, vom Staat nichts Gutes zu erwarten ist?

Ist es nur skurril, oder wäre es vielleicht manchmal gerade eine zu prüfende Strategie, einen voller Kritik geifernden Redner mit höflichen Applaus zu bedenken, aber sich gar nicht erst um eine Antwort zu bemühen: “Ned amol ignorieren”, lautet das Bonmot dazu. Die Höchststrafe wäre das für die echten Brandstifter, und auch eine Form von Widerstand. Man stelle sich mal vor, wie ein Alt-Bundesrat Blocher oder der Monsieur Levrat damit zurecht käme…



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