Alice Schwarzer macht sich unmöglich
Irgendwie hat sich Alice Schwarzers Mission erfüllt, ohne dass sie es selbst mitbekommen hat – könnte man böswillig feststellen, wenn man beobachtet, wie sich die Vorreiterin der Frauenrechte in der Causa Kachelmann verhält:
Natürlich ist es nicht Alice Schwarzers Fehler, dass es auch unter den Frauen mittlerweile genügend Früchtchen gibt, die den Druck einer be- oder angeklagten Vergewaltigung oder einer sexuellen Belästigung schon mal berechnend einsetzen. Natürlich ist es quälend, dass das Problem der Frauen, noch immer viel zu oft Vergewaltigungsopfer zu werden, von einer Öffentlichkeit relativiert wird, die das Thema je länger je weniger auf der Frontseite der Zeitungen diskutiert haben will. Alice Schwarzer hat uns die Ohren müde gepredigt, und die Empörung mag uns nicht mehr so recht gelingen – auch angesichts der vielen Schicksale unschuldig Angeklagter – oder der absurden Situation, heute noch Turnlehrer oder überhaupt Lehrer sein zu wollen, ohne sich irgendwann dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, unsittliche Absichten gehegt zu haben.
Was Alice Schwarzer im Fall Kachelmann betreibt, ist leider die eigene Demontage – und sie hat damit noch längst nicht aufgehört. Erst macht sie sich zur Bild-Gerichtsreporterin für die Sache der Frau, genau wissend, was hier wieder für eine Schweinerei ablaufen wird, um dann so laut zu denken, dass man meinen könnte, sie sitze als Nebenklägerin selbst als Partei im Gerichtssaal. Und dann, als der vermeintliche Unhold freigesprochen wird und von den Vorwürfen der Vergewaltigung nichts mehr bleibt, versteigt sie sich zu einem Kommentar in der Emma, in der sie vom Freigesprochenen als von einem Vergewaltiger spricht, der seine Strafe nicht bekommt – verallgemeinernd, als Aufhänger für eine sozial allgemein gültige Aussage, wie sie weis machen will – und dies mit juristischen Winkelzügen die so fadenscheinig sind, dass man einfach nur noch sagen kann: Frau Schwarzer, das meinen sie nicht ernst! Und das macht sie peinlich billig.
Und genau das ist das Problem. Ihr ist etwas heilig und dafür nichts heilig – und Kachelmann zieht ihr den Zahn, weil da einer genau so verbiestert hartnäckig die Rechthaberei betreibt wie Frau Schwarzer und dabei glatt genug ist, dass er die nötige Teflon-Härte mitbringt, um sich die Rufschädigung nicht bieten zu lassen, ganz egal, ob Schwarzer und Co. samt Staatsanwaltschaft dieses Ziel schon erreicht haben.
Am Ende gibt es nur Verlierer. Am meisten aber wird Schwarzer verlieren, denn sie hat scheinbar noch immer nicht genug, wie der Spiegel weiss.
gefunden via mycomfor
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Presse-Artikel zu Alice Schwarzer
Ein Ferienhaus stellt Aufgaben
Ein Ferienhaus kann eine Herausforderung sein: Du kommst an, und tausend kleine Dinge sind zu erledigen oder aufzubereiten – sofern du es eben nicht “schlüsselfertig” übernehmen kannst.
Und die Charaktere sind gewiss verschieden. Die einen setzen sich zuerst mal hin und prüfen zuvor einzig, ob die Kaffeemaschine funktioniert. Tut es das, so hat man zuerst mal Zeit für den ersten gemütlichen Moment.
Die andern kommen an und checken sofort, ob alles funktioniert, prüfen alle Funktionen, und wenn auch noch Gäste erwartet werden, hat “man” sowieso keinen ruhigen Moment, bis alles tipp-topp ist.
Das kann ganz schön stressig werden. Und ich mag in keiner Art und Weise die zweite Vorgehensweise kritisieren, denn ich geniesse die Sorge für das allgemeine Wohl, das darin liegt, sehr wohl. Ich behaupte zwar, dass ich auch nicht so extrem zur Kaffeefraktion gehöre, wie oben beschrieben, aber ich gebe gerne zu, dass ich
- erstens bestimmt nicht strukturierter an die Sache herangehe, nach dem Motto, es muss ja eh alles erledigt werden und am Ende gemacht sein
- den praktischen Sinn nicht gepachtet habe.
Nur wird ein Handlanger nicht besser, wenn man ihm die Arbeit am Ende gar nicht mehr zuweist, nur weil er gerade wo anders beschäftigt ist. Und hol´s der Teufel: Will der Gehörnte oder Mister Murphy übel mitspielen, sitzt man am Ende vor einem Problem, das tatsächlich nur ein Handwerker lösen kann – und das Provisorium ist unabwendbar – ohne dass man Kaffee getrunken hat. Wir haben in den Schlafzimmern kein fliessendes kaltes Wasser…
Aber ich bleibe mal hübsch bei mir selbst, denn mein Schatz ist ein Riese mit unglaublicher Power, wenn es um solche Aufgabenstellungen geht. Ich wünsche mir also von mir selbst mehr praktische Mithilfe, mehr Dinge, die ich von allein sehe und dann auch gleich übernehme. Dann wird vielleicht auch spürbar, dass in diesem Haus niemand wirklich allein zu allem schauen muss.
Erfolg ist alles?
Akzeptieren wir überhaupt noch Autoritäten? Welche Grenzen hat unser Streben nach Erfolg? Wofür akzeptieren wir Sanktionen? Wie unterscheiden wir zwischen Recht und Unrecht? Was bedeutet es für uns, vom Schicksal ungerecht behandelt zu werden?
Spitzenfussball ist zur Konsumdroge geworden. Wochenende für Wochenende, bald Abend für Abend sitzen wir vor der Glotze und ziehen uns irgend ein ultimatives Spiel “rein”. Schon meine eigene Formulierung sagt eigentlich alles aus. Aber ich schaue weiter. Wenn auch – gemessen am Angebot, das ständig zunimmt – nicht mehr ganz so häufig. Die Gedanken, die mir dabei mache, zeigen mir auf, wie verstört ich zunehmend auf das reagiere, was mir da vorgesetzt wird…
Sie können sich an dieser Stelle schon ausklinken und feststellen: Fussball ist so wichtig wie ein Sack Reis, der in China umfällt oder auch nicht. Richtig. Aber der Fussball liefert mittlerweile ein Gesellschaftsbild, und die Menschen in diesem Sport funktionieren nach den Regeln, die für die Gesellschaft gelten. Wenn Sport gesellschaftlich so akzeptiert wird, wie es der Spitzenfussball heute ist, dann bilden sich in ihm und in den Wertungen, die wir dabei vornehmen, tatsächliche Werte und Grundlagen unseres Verhaltens ab. Ich bin überzeugt, dass die Art, wie Fussball heute gespielt, erlebt und verarbeitet wird, von allen Protagonisten, das Abbild hergibt, das auch für jeden Wettbewerb gilt, dem wir uns beruflich stellen müssen, ja, womöglich auch privat, wenn wir uns fragen, wo wir wie dazu gehören wollen oder was wir aus welchen Gründen wie für uns und unsere Familie beanspruchen wollen.
Der Fussball verändert sich genau so, wie es die Gesellschaft auch tut. Die Leistungsgesellschaft bildet sich nirgends so krass ab, wie im bezahlten Fussball. Die Parameter, die festlegen, welche Mittel zulässig sind, um Erfolg zu haben, verschieben sich laufend. Und Fussball ist deswegen so ein wunderbares Spiegelbild dafür, weil er einerseits meist gar klarere Regeln kennt, als sie uns gesellschaftlich, politisch und rechtlich vorgegeben sind – und anderseits offen zutage tritt, wie wir mit der Anwendung dieser Regeln umgehen: Fussball ist ein scheinbar einfaches Spiel. Doch es kreiert durch seine Dynamik und Schnelligkeit laufend Situationen, die kontrovers diskutiert werden. Die Abseitsregel ist ein klassiker für ein Reglement, das nie so klar formuliert ist, dass wir es wirklcih verstehen könnten – aber auch ein Hand-Vergehen ist längst nicht immer eindeutig. Entsprechend wird über Auslegungen gestritten, und die Autorität, die das entscheidet, laufend auf dem Platz angegangen. Und hier trifft die immer grössere gesellschaftliche Akzeptanz für jene, die dem Erfolg alles unterordnen, auf das Ideal, dass der Schiedsrichter immer recht hat. Die an sich fatale, für die Gesellschaftsbetrachtung aber geniale Prämisse, dass der Entscheid des Schiedsrichters immer gültig bleibt, fordert die Leistungsgesellschafter heraus, den eigenen Misserfolg zu aktzeptieren, auch wenn er ungerechtfertigt erscheint: Du tust alles für den Erfolg, machst alles richtig, bist besser, und am Schluss geht der Ball nur an den Pfosten, oder, noch schlimmer, ins Tor, ohne dass das anerkannt wird. Ein Fehlentscheid kann den Erfolg verunmöglichen. In der letzten Konsequenz ist nie ausgeschlossen, dass mich das Schicksal um den Lohn meiner Anstrengung “betrügt”.
Wer immer sich mit Fussball beschäftigt, muss das akzeptieren, und damit auch die Rolle des Schiedsichters annehmen. Doch wir haben es nicht so mit Autoritäten…. Wenn wir ihnen überhaupt noch einen Bonus zubilligen, wenn unser Kind am ersten Tag zum Lehrer in die Schule geht, die Behandlung durch den Arzt beginnt, dann ist dieser Bonus schnell hinfällig, wenn die ersten Entscheidungen anfallen oder mir eine Verhaltensänderung nahe gelegt wird… Wir akzeptieren Sanktionen immer widerwilliger, wir bedenken Kritik erst dann, wenn wir die blutige Nase schon haben. Davor sind wir “geradlinig”, “ordnen wir dem Erfolg alles unter” und wollen genau so zu den Siegertypen gehören. Wir fragen kaum nach der Grundidee des Spiels und den philosophischen Aspekten seiner Anlage, als danach, wie wir in diesem Spiel gewinnen können. Der Erfolg ist auch wirtschaftlich notwendig, und da ich ein Gehalt bekomme, bin ich niemandem so sehr verpflichtet wie meinem Arbeitgeber, der will, dass ich mit meiner Mannschaft das Spiel gewinne. Das führt bei den Trainern zur Offenlegung von Charaktereigenschaften, dass einem angst und bange werden kann. Wie sehr die Protagonisten dabei ihr Gesicht verlieren, betrachtet man deren Verhalten mit nur ein wenig Distanz, ist für mich immer wieder erschreckend.
Doch diese Distanz zu wahren, ist angesichts der Tatsache, wie gross die Gesellschaft das Spiel macht – natürlich – eine Herausforderung:
Jürgen Klopp in einer Talkshow erleben, seine Reflexionen über Lebenswerte zu hören, ist sehr spannend. Da hat ein Mensch eine tolle Ausstrahlung und scheinbar eine Gelassenheit in sich, die es sehr angenehm machen, ihm zuzuhören. Da ist Raum für Zwischentöne und man kann sich sehr gut vorstellen, wie dieser Mensch andere, jüngere Menschen führen kann.
Dann ist Spieltag, Bundesliga, und Jürgen Klopp wird als Trainer von Borussia Dortmund zur Furie. Er tigert der Seitenlinie entlang, steht ständig unter Strom und blafft, wenn es gegen seine Mannschaft läuft, bei jedem Schiedsrichterpfiff den vierten Offiziellen, den Ersatzschiedsrichter an – und zwar mit einer Verve und Körpersprache und in einer Lautstärke, die vermuten lassen, dass da einer von Sinnen ist. Peinlich daran, ja körperlich schmerzhaft ist für mich die Beobachtung, weil Klopp dabei nichts anderes mehr ist als ein Fan – er sieht keine Entscheidung auch nur mehr bedingt objektiv und zweifelt alles an. Die Bilder vom Spielfeld belegen dann auch, dass er regelmässig falsch liegt – was es sehr schwer macht, den Mann dann noch ernst zu nehmen. Die Männer, die das trotzdem versuchen müssen, sind ausgerechnet die Schiedsrichter, die sich in der nächsten Situation weiter darum bemühen müssen, objektiv zu urteilen. Sie blenden notgedrungen ein gutes Stück weit aus, was sie da an Druck bekommen – hoffentlich. Denn neben der Emotion gibt es natürlich den gesellschaftlich in diesem Spiel tolerierten Reflex, mit der Reklamation zu erreichen, dass das “das nächste Mal nicht mehr passiert”. Bzw. in die andere Richtung, wenn schon falsch entschieden…
Wenn ich dieses Phänomen nun mit Fussballkollegen bespreche, dann werde ich zum Teil verständnislos angesehen. Emotion würde doch zum Fussball gehören, heisst es dann. Wirklich? Toben wir so durch unseren Alltag? Natürlich nicht. Aber genau so, wie sich Klopp an der Linie enerviert, schreien heute Eltern den Schiedsrichter an, wenn ihre Zöglinge auf dem Platz stehen. Es ist verheerend.
Übrigens gibt es eine Sportart, die, weil sie mehr Aufwand erfordert, um überhaupt gespielt werden zu können, nicht so weit verbreitet ist, die aber ähnlich viel Popularitätspotential hat und in der auch viel Geld verdient wird: Eishockey. Ein Sport mit Schiedsrichtern. Die sprechen Zeitstrafen aus, die für den Spielausgang laufend sehr bedeutsam sind und die auch nicht immer nachvollziehbar sein müssen. Doch diskutiert wird kaum. Es gibt einen Kodex, und der Fernsehzuschauer erlebt in erster Linie mit, wie Spieler sich fügen – müssen. Es gibt pro Mannschaft einen Captain und zwei Assistenzcaptains. Wenn es Diskussionsbedarf gibt, dann geht das über den Coach oder über diese Spieler, und wenn die Schiedsrichter ihre Sicht erklärt haben, wird nicht weiter diskutiert. Punkt. Ein harter Sport mit klarem Kodex. Wie wohltuend. Das Rad im Fussball wird wohl niemand zurück drehen. Aber man stelle sich mal vor, es gelänge. Wie toll wäre denn das! Mit Emotionen, die aufs Spiel fokussiert bleiben würden – und mit Kids auf dem Feld, die sich in erster Linie mit dem Spiel beschäftigen könnten und mit dem Lernprozess, wie man Entscheidungen gegen sich akzeptieren lernt – unbehindert von Eltern, die das zumindest für die Dauer des Spiels selbst vergessen zu haben scheinen – oder haben sie es gar nie gelernt? Muss es ihnen schlicht vom Leben beigebracht werden? Mit hohem Einsatz an Lehrgeld?
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Neuen Anschluss finden
Ich komme von einem extrem erfüllten Sportabend nach Hause. Mit neuen Sparringpartnern, mit einem müden Körper, der echt gefordert wurde, sich dennoch wunderbar anfühlt, mit einem netten Gespräch im Anschluss mit ganz unterschiedlichen Typen. Und ich muss dabei an meine Mutter denken:
Du hast mir was beigebracht, Mam, und ich bin Dir sehr dankbar dafür. Du hast es vorgelebt: Wenn man nicht vereinsamen will, wenn man neue Bekanntschaften machen will, dann muss man es riskieren, auf die Menschen zuzugehen. Mehr als Ablehnung kann man nicht erfahren. Dann ist man gleich weit wie zuvor. Im andern Fall jedoch wird das eigene Leben bunter und lebendiger – und das fühlt sich einfach gut an.
Ich bin überzeugt, dass Du heute Grund hattest, zu lächeln, wenn Du mir zugeschaut hast.
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Die Seele der Gruppe
Ich habe einen guten Freund, von dem ich mir viel abschauen kann. Er hat immer ein Auge für die Gruppe, er verkriecht sich nicht, wenn er findet, etwas läuft nicht richtig. Hat man bei ihm einen Stein im Brett, ist der nicht so leicht zu entfernen. Er übernimmt Verantwortung und ist ein guter Redner. Was er für seine Freunde als Gruppe leistet, ist phänomenal. Und die Gruppe dankt es ihm. Und meistens kann er das auch bemerken. Alle wissen: Er hält uns zusammen. Natürlich redet er nicht nur gut, er macht es auch gern. Er liebt die Herausforderung, einen Tisch in einem gemeinsamen Geist zusammen zu führen und das anschliessende Prost von funkelnden Augen begleitet zu sehen.
Und er ist nicht nur rhetorisch bewandert, er ist auch ehrlich, spricht Dinge an, die ihn jucken. Er ist immer für das grosse Ganze unterwegs, getrieben auch von Überzeugungen, was gut und richtig ist. Aber er hat immer den Menschen im Blick – mit einer klaren Vorstellung, wie wir miteinander umgehen sollten. Und so beredt wie er ist, so bescheiden kann er sein, wenn es darum geht, seine Überzeugungen in erster Linie selbst zu leben. Da genügt ihm der Mikrokosmos der eigenen Ehe, Familie und der engsten Freunde durchaus. Er lebt das, was er be-spricht. Ich kenne keinen zweiten Mann seiner Generation, der so bedingungslos und begeistert von der Liebe zu seiner Frau erzählen – und sie auch zeigen kann.
Dieser Freund möchte kürzer treten, möchte Aufgaben, die er wie selbstverständlich immer übernommen hat, abgeben. Und im Grunde gerne auch mal die eigentliche Chefrolle, die ihm die Gruppe im Sportclub gerne überlässt, in jüngere Hände legen. Doch seine Kollegen lassen ihn nicht. Er ist doch in seinem Element und tut mit seinem Engagement allen so gut – und wem läge die Gruppe mehr am Herzen als ihm selbst?
Es wird der Moment kommen, wo es ihm zuviel wird – und ich hoffe, die Reflexe der Gruppe werden dann andere sein – und es wird Vieles auf ihn zurück fallen, hoffentlich, was er verschenkt und gegeben hat. Dann wird er am Tisch sitzen, weiterhin eloquent debattieren, aber sich nicht mehr Gedanken darüber machen müssen, ob alle dabei sind, keiner untergeht. Er wird es noch immer tun, aber hoffentlich nicht länger mit Verantwortung. Und einfach geniessen können. Ich hoffe, die Gruppe und seine Freunde in ihr werden die Zeichen nicht überhören wollen, wenn sie mal stark genug sind.
Was er säte, wird dann weiter leben, und ich fände es sehr schön, wenn er das entsprechend auch noch geniessen könnte. Es wäre ihm wirklich zu gönnen!
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Fün für Alle in der Mixed Zone
Clubmeisterschaften im Mixed-Doppel. Abschluss der Turniersaison. Der Plausch steht im Vordergrund. Und der Zusammenhalt über die üblichen Begegnungsmuster hinweg: Ich stehe mit Clubmitgliedern auf dem Platz, mit denen ich sonst nie Tennis spielen würde. Die Altersspanne zwischen dem ältesten und dem jüngsten Teilnehmer beträgt achtundfünfzig Jahre.
In der letzten Partie stehe ich mit meiner Partnerin ihrer Tochter gegenüber. Die Teenagerin und ihr Kollege reichen mit ihren Köpfen zwar schon übers Netz, aber gleichwohl scheint der Tennisplatz auf ihrer Seite riesig zu sein. Aber hoppla, ausspielen ist dann dennoch gar nicht so leicht. Auf jeden Fall haben wir Spass. Viel Spass. Flottes Mundwerk gehört auch dazu, lustige Ballwechsel und richtig gekonnt heraus gespielte Punkte.
Und das Schönste: Nach dem Abschluss des Turnierchens und der Siegerehrung bleibt das Clubhaus berstend voll und das Stimmengewirr klebt unter der Decke – auch jetzt ist die Gesellschaft toll gemischt. Ich bin um neun Uhr abends einer der ersten, der nach Hause geht. Absolut zufrieden, aber müde.
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Nachgedanken: Zeitgeist im Wandel
Für einmal einfach ein paar Gedankenschnipsel dieses Abends, die so schön zeigen, in welchem Spannungsfeld wir leben – heute scheint nicht nur jede Generation ein neues Gesellschaftsleben zu kreieren – schon die sich folgenden Jahrzehnte lassen sich fast nicht mehr mit einander vergleichen. Und doch gibt es Personen und Haltungen, die sich über Generationen hinaus unserer Aufmerksamkeit sicher sein können.
Wir schauen Davis-Cup im Tennis – die Schweizer Wawrinka und Federer kämpfen als Nummern vier und drei der Welt um den Einzug in den Final dieses Team-Wettbewerbs. Für die Schweiz haben wir eine einmalige Konstellation mit zwei absoluten Top-Spielern in einer Weltsportart, und mit einem Weltstar, der das Tennis verkörpert wie vielleicht kein zweiter Sportler seine Sportart zu repräsentieren vermag. Die Ausstrahlung von Federer wird weit über seine aktive Karriere hinaus Bestand haben, und ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch danach seinen Sinn für den sicheren, gehaltvollen Auftritt bewahren wird.
Dann diskutieren wir über GeriGate – Geri Müller, ein Schweizer Politiker, Nationalrat und Stadtpräsident, gerät ins Stolpern, weil seine Adonis-Selfies, die er seiner Chatbekanntschaft aus den Amtsräumen gesandt hat, in die Öffentlichkeit geraten sind. Ist er nun Opfer oder Täter? Wir stellen fest, wie unterschiedlich die Generationen mit dieser Konstellation umgehen. Dass überhaupt Fotos privat unter einander verschickt werden, ist für viele Jüngere unter uns keine Frage mehr. Kommt vielleicht noch darauf an, was für welche. Die eigentliche Täterin ist für sie aber die Frau, welche die Bilder an die Öffentlichkeit zerrt – und zwielichtig sind die Journalisten, die das vorantreiben. Das sehe ich auch so, aber interessant ist der Umstand, wie unterschiedlich die Reaktionen über das Ereignis an sich sind. Die Jungen pflegen ihre Freundschaften heute über viel grössere Distanzen dank aller aktuellen digitalen Mittel – verantwortungsvoller Umgang ist aber sehr wohl auch für sie ein Thema. Amtsräume? Nun, andere pflegen ihre Liebschaften im von der Firma finanzierten Hotelbett. Oder im Büro. Wo ist der Unterschied? Entscheidend dabei ist wohl genau das: Dass wir Respekt bewahren. Für andere Ansichten, für die Privatsphäre, auch von Politikern, und auch für jene, die Müllers Verhalten absolut nicht goutieren – der grundsätzliche Respekt, den wir hochhalten sollten, muss in jedem Fall die Privatsphäre schützen: Wir sollten uns hüten, hier nur mit der Moral zu argumentieren – es könnte sich bei anderer Gelegenheit gegen uns wenden. Was wir ganz bestimmt nicht goutieren müssen, ist Doppelzüngigkeit: Wenn ein Politiker das eine predigt, und das andere tut, dann disqualifiziert er sich. Hier aber wird er als Ergebnis seiner Unvorsichtigkeit demontiert, ohne dass man ihm Erpressbarkeit vorwerfen könnte. Entsprechend kämpft er um sein Amt. Ob es Sinn macht, kann ich nicht beurteilen. Wir sollten nur sehr vorsichtig sein mit dem, was wir verurteilen, um es umgekehrt hemmungslos zu konsumieren…
Und auf dem Heimweg hören wir den Boss Bruce Springsteen. In der Wunschkonzert-Sendung Nachtexpress – die, gefühlt, schon von unseren Eltern in deren jungen Jahren gehört wurde. Und Springsteen gab es wohl damals schon, so kommt es einem vor. Und er gibt alles. Immer. Er verkörpert seine Musik, ist authentisch, und als Zuhörer in seinen Konzerten hat man das Gefühl, dass er genau für dich singt. Und zwar bis zur Erschöpfung. Mit Herzblut. Noch einer kommt mir in den Sinn, auf den das zutrifft, mit ganz anderer Stilrichtung: Udo Jürgens. Jawoll.
Tja, bei solchen Personen und deren Schaffen fällt Respekt nicht schwer, selbst wenn man deren Musik nicht absolut mögen sollte. Die Heimfahrt ist leicht, das Auto gleitet durch den Regen, die Musik perlt auf der Haut, wie der Regen auf der Scheibe, und ich freue mich aufs Bloggen. Bloggen? Es scheint eine Ewigkeit her, dass dies populär wurde. Und ist doch so kurze Zeit erst ein Begriff.
Wie lange noch?
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Schumi at home
Michael Schumacher ist zuhause. Der Mann, der wie viele andere Prominente in der Schweiz im Waadtland lebt, “um dort Steuern zu sparen”, hatte dort immer seine Ruhe. Es geht immer wieder gern vergessen, dass Schweizer ganz generell den Glamour, den Prominente verströmen, bestenfalls ertragen, zur Kenntnis nehmen und zur Tagesordnung übergehen. Wir machen kein gar so grosses Aufhebens um sie.
Wir freuen uns auch über Erfolge einheimischer Sportler, aber es ist “nur” Sport und es bleibt auch so.
Schumacher hat das gut getan und seiner Familie auch. Er konnte sogar in der heimischen Fussballmannschaft mispielen und mit den Kollegen nach dem Match relativ unbehelligt eine Bratwurst essen und was trinken: Schumacher ist, wie jeder Berühmte, für uns sehr bald mal auch einfach ein Mensch. Und diese Unaufgeregtheit wird von vielen bekannten Persönlichkeiten geschätzt.
Es ist zu hoffen, dass sich das fortsetzt. Im Spital in Lausanne ging es schon ruhiger zu als in Grenoble, und nun, zu Hause, muss zwar die Polizei noch patroullieren, um aktuelle ein russisches Fernsehteam in Schach zu halten. Aber das wird man in den Griff kriegen und die Privatsphäre ziemlich rigoros hoch oben ansiedeln.
Und so, wie Schumi “bei uns” gelebt hat, ist es sogar sehr gut möglich, dass nachbarschaftliche Verbindungen gar mithelfen, der Familie Mut zu machen. Und vielleicht, Schumi, wirst Du eines Tages einfach an den Grasnarben schnuppern, die Du früher mit den Fussballschuhen umgepflügt hast, und die positiven Emotionen tun Dir dabei gut. Wären nur nicht die todsicher zu Neugierigen rundum, welche nur darauf warten, Dein Elend mal öffentlich zu sehen… Das ist wohl in der aktuellen Situation auch bei uns nicht anders.
Alles Gute!
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Die Seele des kleinen Unternehmens
Es gibt sie in fast jeder Ortschaft: Die kleinen Unternehmer, die ihr ganzes Herzblut in ihr Geschäft stecken. Auch Sie kennen Ladentüren, die sie gerne öffnen, weil ihnen dann mit Garantie ein freundliches, offenes Gesicht entgegen lächelt. Und das Verblüffende und Erfrischende daran ist, dass es nicht einfach professionell ist, sondern dass das Engagement und die Freude dahinter zu spüren ist: Die Überzeugung.
Und manchmal sind damit noch nicht mal die Besitzer, die eigentlichen Unternehmer gemeint, sondern die Angestellten an der Kundenfront, die mit ihrer Art der Beratung und des Kontaktes dafür sorgen, dass man sich einfach wohl fühlt. Wie der spezielle Kellner, der mit eiserner Disziplin und stets geordneter Robe samt Fliege jede noch so kleine Bestellung mit Ernsthaftigkeit und Konzentration entgegen nimmt und mit Liebenswürdigkeit serviert.
Schön, dass ich manchmal an solche Personen erinnert werde und so erfahre, dass dies auch anderen auffällt. Und schade, dass wir das diesen bewundernswerten Berufsgenossen nicht häufiger auch direkt sagen.
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Wir Autofahrer
Des zivilisierten Menschen heiligste Kuh ist die Mobilität, und zu dessen Ausübung braucht er das Auto – und die Fahrerlaubnis, sprich, den Führerausweis. Kommt der abhanden oder droht ihm das, tritt die mangelnde Objektivität absurd deutlich zu Tage.
Bevor ich weiter schreibe füge ich dies ein:
Ich nehme mich von der hier geäusserten Einschätzung nicht aus, will sagen, dass mir selbst der Verlust der Fahrerlaubnis im Alter enorm zu schaffen machen dürfte…
Tatsache ist: Ich kenne keinen, der von sich aus sagt, er wäre ein schlechter Autofahrer.
Ich kenne aber auch keinen, der einem anderen, der damit prahlt, dass er seit zwanzig Jahren unfallfrei fährt, nicht unterstellen würde, dass er dafür auch mal die Weitsicht anderer Verkehrsteilnehmer in Anspruch genommen haben wird.
Wenn es ums Autofahren geht, werden wir zu Egomanen. Sitzen wir in unseren Blechkisten, sind alle anderen Idioten. Vielleicht braucht es diese Art Selbstverständnis, um sich durch die kniffligsten Verkehrssituationen hindurch zu schlängeln – ganz sicher scheinen wir es zu brauchen, um dreissig Sekunden früher anzukommen, weil wir uns einen Vorteil, der uns ja doch eigentlich auch tatsächlich zusteht, auch genommen haben. Wir kaufen Kisten mit viel Blech um uns herum und nennen das passive Sicherheit. Mit der Wucht, mit der wir damit Fussgänger treffen könnten, beschäftigen wir uns nicht. Das geschieht einfach nicht. Wir wollen von A nach B, und zwar spontan, jederzeit, bequem und schnell.
Wir sind für harte Strafen bei allen möglichen Straftaten, aber Verkehrsdelikte sind Bagatellen, Fahrausweisentzüge viel zu hart und die Promillegrenze ist eine Schikane für die Restaurants. Wir sind wie alle anderen Autofahrer medizinische Wunder, weil wir entweder problemlos Alkohol trinken können, ohne Promille anzuhäufen, oder aber wir gehören zu jenen erstaunlichen Phänomenen, die auch mit 1,0 Promille noch absolut identische Reaktionswerte haben wie nüchterne Zeitgenossen.
Auch Richter sind Autofahrer, weshalb viele Jahre lang Lebensgefährdung durch Gefährdung im Verkehr zum Teil absurd geringe Strafen auslöste. Heute verschiebt sich das manchmal ins Gegenteil, ich weiss. Aber an dieser Stelle darf schon mal geschmunzelt werden über die Subjektivität, mit der wir uns sehen, wenn wir ein Steuerrad in der Hand haben.
Nicht nur die Gerichtsverhandlungen waren manchmal ein Witz, die Attest-Verfahren für ältere Lenker waren es auch – je nach Kanton sogar noch etwas absurder. Mit der Einführung schärferer Regeln für Neulenker ist es auch nicht mehr so leicht für Betagte, ihre Fahrerlaubnis zu behalten. Die Vernunft ist aber auch nicht vom Alter abhängig, und ich kenne bisher auch keinen Autofahrer, der von jener Weisheit geküsst wurde, die ihn wünschen lässt, die Abklärungen wären seriös und würden ihm aufzeigen, ob sein subjektiver Eindruck, dem Verkehr noch gewachsen zu sein, objektiv bestätigt wird. Nein. Das Attest ist einfach nur eine lästige Pflicht, und der Arzt, der sich allenfalls erdreistet, Bedenken zu äussern, unfähig.
Gewisse Dinge wollen wir einfach nicht hören. Zu erleben, allerdings, wie man aus Überforderung ein Menschenleben gefährdet, oder, noch schlimmer, auslöscht, das ist dann wirklich eine Katastrophe. Respekt vor dieser Gefahr aber haben wir kaum. Würden wir diesen Respekt zeigen, wären wir ganz sicher defensivere Autofahrer, tatsächlich vielleicht gar nicht bessere. Ganz sicher aber wären es viele von uns weniger lange. Und doch lange genug.
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