Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Wir liessen uns schütteln für ein paar Augenblicke

∞  12 November 2014, 07:52

Robert Enke, der Torwart von Hannover 96 und Mitglied des Nationalmannschaftskaders, hat sich vor fünf Jahren vor den Zug geworfen. Bald wurde bekannt: Enke war schwer depressiv. Eine Krankheit wurde für ein paar Wochen enttabuisiert. Betroffenheit wurde vorgelebt. Die Menschen drängte es nach Bekundung, nach Zusammenstehen. 35’000 Trauernde in einem Fussballstadion, die Hilflosigkeit im Gesicht und mitten unter sich:

Wir haben es nicht gewusst. Und: Was war denn so schlimm? Aufbruch schien angesagt, der Sport der Menschen sollte wieder menschlicher werden, selbst im Profigeschäft.

In einer Reportage sehe ich die Kamera über die Transparente im Stadion schweifen. Doch teilweise werden dadurch die bezahlten Werbeslogans der Sponsoren von Hannover 96 nicht überdeckt. Und so kann ich mitten in allen Transparenten lesen:

Mehr Siege. Mehr Tore. Mehr netto.

Es geht ums Gewinnen. Im Spitzensport erst recht. Wenn man dieses Spiel nicht will, muss man seinem Leben ganz persönlich andere Inhalte geben können. Der Mainstream verheisst nichts anderes als Selektion und Zuneigung für die Guten. Wobei gut Tore schiesst – oder eben verhindert.

Am meisten Realitätssinn zeigt hier Teresa Enke. Und ihre Arbeit ist wohl auch sehr viel mehr wert als das für einen kleinen Moment nicht des Fussball wegens volle Stadion: Frau Enke weiss, dass das Bewusstsein der Menschen nur sehr zäh zu ändern ist, aber wenig ist ihr nicht nichts. Und so engagiert sich die Robert Enke Stiftung eben nicht nur für herzkranke Kinder, sondern auch für die Bekämpfung der Depression. So schwer es auch ist, der Krankheit wie unseren gesellschaftlichen Reflexen entgegen zu treten.

  1. Gerhard · 13. November 2014, 07:26 · #

    Bzgl zähe Änderung des Bewusstseins:
    Ich sehe das anders:
    Das Bewusstsein ändert sich auch deswegen nicht, weil man Aussenseiter braucht, um sich gut zu fühlen. Auf den verwahrlosten Depressiven herunterzuschauen liegt näher als sich um ihn zu bemühen, denn das wäre unbequem.

  2. Relax-Senf · 14. November 2014, 13:02 · #

    …. gesellschaftliche Reflexe ….

    Es ist viel zu viel was täglich auf uns – für mein Empfinden – einprasselt. Ertrinkende Flüchtlinge, Kinder ohne Eltern auf der Flucht, die Tierhaltung die schockt, vergiftete Lebensmittel ab Discounter, Kriegsschauplätze überall und ständig mehr, tödliche Virusinfektion nach der erfolgreichen OP im Krankenhaus, Implantate die schon beim Einsetzen defekt sind etc.

    All dies reicht um eine eigene Depression zu entwickeln, wenn man nicht Mitgefühl, Energie und Nachdenken sehr kontrolliert einsetzt.

    Gegengleich fliesst Energie zuerst zu der F&F Kategorie,

    Nicht nur mit seinem Geld muss man auskommen, auch Energie ist letztlich sehr beschränkt vorhanden, was ehrlich gesagt auch häufig zu einer “so what Haltung führt”. Man erschrickt zwar immer mal wieder selber über diese Haltung, aber der Lebensdschungel lässt gar nicht zu, dass man ständig mehr Energie abfliessen lässt als man aufnimmt. Ein Defizit an Energie und Lebensfreude führt unausweichlich in die Depression.


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