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Frauenquote für Führungsgremien in börsenkotierten Unternehmen?

∞  29 November 2014, 18:15

Der Schweizer Bundesrat hat verkündet, dass er eine Geschlechterquote für wirtschaftlich bedeutende, an der Börse kotierte Unternehmen einführen will. Nach seiner Vorstellung will er vorschreiben, dass mindestens 30% beider Geschlechter in den Führungsgremien vertreten sind.

Nun bin ich durchaus auch der Meinung, dass noch viel mehr dafür getan muss, dass die Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau abgebaut werden. Aber der Staat kann einem privaten Unternehmen nicht die Bestellung seiner Führungsorgane vorschreiben! Es ist allein Sache der Eigentümer einer Firma, also der Aktionäre, über die Führungspersonen des “eigenen” Unternehmens zu entscheiden, denn sie tragen auch das Risiko für die eigenen Investitionen. Damit muss jede Person wählbar sein, die mit einwandfreiem Leumund und nach Meinung der Eigentümer mit dem entsprechenden Wissen und Können ausgerüstet ist. Weiter hat das, mit Verlaub, den Staat nicht zu interessieren.

Wird eine Frau in einer entsprechenden Position, egal auf welcher Führungsebene, nicht gerecht bezahlt, haben wir eine ganz andere Situation – denn keine Firma soll mit der Wahl einer Frau einfach die billigere Lösung wählen können. Die Wahl aber in eine Position ist nun mal nicht einklagbar – und es bleibt eine schlechte Lösung, per Quote irgend eine Positon zugeschanzt zu bekommen. Auch in der Politik.

  1. Alice Gabathuler · 1. Dezember 2014, 08:16 · #

    Mir ist das langsam alles egal.

    Nur so viel:

    Unsere lokale Wirtschaftsbeilage enthält zu 99% Berichte, Portraits und Bilder von und über Männer => weigere mich, das zu lesen.

    Gleiches gilt für die neue Beilage der Hochschule FL. Lauter Männer und Männerportraits => lese ich nicht.

    Podien, auf denen keine Frauen mitdiskutieren => besuche ich nicht.

    Unsere Wirtschaft ist männlich, vor allem die hier bei mir draussen in der Ostschweiz. Wahrscheinlich bin ich nicht die einzige Frau, der das längst alles zu blöd ist. Frauen gründen Einzelfirmen oder KMUS. Abseits der Riesenfirmen.

    Ob Quoten das ändern würden? Ich bin nicht sicher.

    Was ich in anderen Ländern erlebe: Frauen in allen Positionen. Frauen, die im TV-Interviews geben (Expertinnen, Frauen aus der Wirtschaft, Politikerinnen usw), und das mit einer totalen Selbstverständlichkeit. Dann komme ich zurück in die Enge der Schweiz. Bundeshausexperten (ohne Innen), Politikexperten (ohne Innen), Wirtschaftsexperten (ohne Innen) usw.

    Wenn man lange genug hier lebt, fällt einem das entweder nicht mehr auf, oder eben: Frau wird das zu blöd und sie macht selber was.

    Ja, Postionen sind nicht einklagbar. Mann erhält sie oft durch Beziehungen, Vernetzungen, gegenseitiger Zuschacherung oder einfach deshalb, weil gar niemand auf die Idee käme, eine Frau zu fragen. Und vielleicht auch ein wenig, weil sich die Frauen eben schon längst aus diesem System verabschiedet haben, weil sie es müde sind.

    Aber sicher nicht, weil es keine Frauen hat, die das nicht könnten.

  2. Thinkabout · 1. Dezember 2014, 12:27 · #

    @Alice

    Ja. ich erlebe zwar die Beteiligung und Berücksichtigung der Frauen in unserem System nicht als so untervertreten, aber ich lebe nicht am Ostrand der Schweiz und ich bin ein Mann. Da fehlt gewiss ein Stück Sensibilität.

    Wenn ich nichts von Quotenregelungen halte, dann heisst das nicht, dass ich mich gegen Frauen in Unternehmensspitzen verwahre. Quoten sind nur einfach keine Lösung, weil sie als starre Maxime jedem Unternehmergeist widersprechen. Hingegen würde es dem Unternehmergeist sehr wohl entsprechen, wenn Positionen wirklich nach der Qualifikation vergeben würden, und nicht nach dem Geschlecht. Immer mehr ist das auch der Fall, in jedem Fall in Wirtschaftsballungszentren wie Zürich.

    Wobei ich mich ertappe: Dass ich oft von Frauen in Führungspositionen enttäuscht bin: Sie scheinen sich so auf der Karriereleiter abzuschleifen, wie es Männer eben auch tun. Und werden mir dabei fremd. Was ungerecht geurteilt ist, ich weiss das wohl. Ich glaube nur, dass neben der vermehrten Berücksichtigung von Frauen eine generell nachhaltigere Personalpolitik Not täte – die betriebswirtschaftlichen Führungsgrundsätze sind immer weniger darauf ausgerichtet.

  3. Alice Gabathuler · 3. Dezember 2014, 08:03 · #

    “Ich glaube nur, dass neben der vermehrten Berücksichtigung von Frauen eine generell nachhaltigere Personalpolitik Not täte – die betriebswirtschaftlichen Führungsgrundsätze sind immer weniger darauf ausgerichtet.”

    Da sind wir uns völlig einig.

    Ich bin auch gegen Quoten (wer will schon Quotenfrau sein), aber manchmal denke sogar ich, dass es ohne nicht geht. Ganz witzig: Herr Ehemann seufzte resigniert und sagte: “Wahrscheinlich geht das gar nicht anders – hat sich ja in all den Jahren nichts getan.”

    Zu den Erwartungshaltungen: Frauen sind auch nur Menschen. Sie können einen Job gut machen oder auch nicht. Sie können ihm gewachsen sein oder auch nicht. Ich weiss kenne einfach aus meiner Zeit als Angestellte viele Beispiele dafür, wie wenig auch Männer in Führungsjobs taugen können. Schlechter können das die Frauen auch nicht.

    Gestern Abend noch dies erfahren: Es gibt 57 Lokführerinnen in der Schweiz. 57. Und Frauen lernen wieder “Frauenjobs”. Meiner Ansicht nach versagt da gerade eine ganze Gesellschaft.

  4. Thinkabout · 5. Dezember 2014, 01:04 · #

    @Alice
    Also… Lokführer wollte ich nie werden… ich finde, es gibt kaum einen eintönigeren Job… Und die Garantie, die Du da bekommst, früher oder später bestimmt einen Selbstmörder zu überfahren ist auch nicht so erstrebenswert…

    Natürlich ist schlechtes Führungspersonal nicht geschlechterspezifisch, und es ist bestimmt auch nicht gerecht, wenn ich speziell von Frauen dann enttäuscht bin. Klassischer Reflex von uns Männern: Frauen wollen die besseren Chefs sein, und dann so was? ist natürlich Quatsch, aber gesellschaftlich relevant ist es irgendwie schon:
    Was geschieht eher? Dass weibliche Stärken in Führungspositonen eingebracht werden können – oder dass diese Eigenschaften abgeschliffen werden? Mir geht da irgendwo etwas verloren.

    Und dieses Phänomen zum Beispiel finde ich ätzend: Wenn mir Männer sagen, dass sie in ihrer Firma nie mit einer Frau allein in den Lift steigen würden… männliche Phobie vor der Komplikation einer vorgeworfenen sexuellen Belästigung…
    Das ist kein Witz und es sind auch nicht einfach nur Chauvis, die solches erzählen.

    Wir spinnen einfach langsam, finde ich – auf allen Ebenen.


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