Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Danke für Ihr Fragen und Erzählen

∞  31 Dezember 2011, 17:00

Ein paar Worte zum Jahreswechsel an meine stillen, aber treuen Leser.





Liebe Leserinnen, liebe Leser dieses Blogs


Ich blogge nun im achten Jahr, und ich kann immer mal wieder erwähnen, dass ich mir die Frage, was das hier soll, gar nie stelle. Die Frage hat sich, je ruhiger es in der Blogszene wurde, je weniger gestellt. Ich weiss es nämlich. Es bedeutet mir viel und schenkt mir eine Menge. Und dafür möchte ich mich heute mal bedanken – und ein paar Worte an jene Leserinnen und Leser richten, die ich mittlerweile kenne, auch wenn sie hier nicht kommentieren – und an alle anderen natürlich auch.

Es geht bei Thinkabout immer wieder auch um politische Themen. Ich bin ein politisch interessierter Mensch, diskutiere gerne engagiert und finde auch, dass so manche Errungenschaft, die für uns politisch in früherer Zeit mit Blut und Schweiss und Hartnäckigkeit und viel Zivilcourage erstritten wurde, es wert ist, dass sie verteidigt wird – auch und gerade gegen die Gleichgültigkeit, die manchmal den Eindruck erweckt, wir würden meinen, nichts von alledem könnte uns auch wieder genommen werden.

Aber immer wieder kommen hier auch die leiseren Zwischentöne vor, und die sind auch mir ganz wichtig. Denn schlussendlich ist dieses Blog eine Reflexion zu allen Fragen der Lebenskunst, und diese stellen sich uns allen nicht in erster Linie in der Kommentierung gesellschaftlicher und politischer Ereignisse, sondern in der Gestaltung unserer eigenen nächsten Um-Welt – und im Umgang mit uns selbst. Mit diesem Wunsch, genau über diese Fragen zu reflektieren, ist Thinkabout 2004 auch entstanden, und dieser Antrieb ist die innerste Energie dieses Blogs. Daraus sind viele Begegnungen gewachsen, reale und virtuelle, und manches Mail hat mich erreicht, in dem Sie mir ein Stück Ihres eigenen Lebens erzählt oder mir drängende persönliche Fragen gestellt haben. Es ist nur ein Mail, könnte man meinen, und da ist es nicht besonders schwer, etwas von sich preis zu geben. Ich sehe das anders. Ich darf darin nämlich immer wieder den Willen erkennen, mit sich vereint und zufrieden leben zu können – und die Frage, was es dazu braucht, wirklich ehrlich zu stellen.

Es geht in meinen Antworten wohl auch nicht unbedingt darum, die Wahrheit zu kennen und in jedem Fall raten zu können, Lösungen zu beschreiben. Viel wichtiger ist wohl oft, zu zeigen, was mich selbst auch umtreibt und wo ich genau so immer wieder in meiner Entwicklung “anstehe”. Es ist nicht leicht, eingefahrene Pfade zu verlassen, ein Verhalten zu ändern oder in seinen spontanen Reaktionen eine Veränderung herbei zu führen, die einem mehr Selbstverantwortung und –bestimmung bescherrn. Und doch sollten wir es immer wieder versuchen.

Ich denke an Dich, der Du einen lieben Menschen nach langer Pflege verloren hast, und an Deinen Kummer in den Selbstvorwürfen, am Ende doch nicht genug Kraft gehabt und zu wenig getan zu haben. Und ich denke an Dein Neues Jahr und die Chance, nun wirklich voraus blicken und die Gegenwart neu sehen zu dürfen.

Und ich denke an Dich, der Du von Deinen Zipperlein, wie Du sie nennst, geplagt wirst, ganz unterschiedlich heftig und meist anders intensiv, als erwartet, an Deine Zukunft, die keine mehr zu sein scheint und doch so viel sein kann, wenn Du das auch anders empfindest und gestaltet haben möchtest als Dein Umfeld, das nicht verlieren will, was es an Dir und in Dir glaubt zu kennen.

Ich denke an jene, die sich plötzlich nicht mehr meldeten, ob mit gutem Rat versehen oder unverstanden geblieben, und ich wünsche Euch Allen, dass Ihr auf jeden Fall etwas ins Neue Jahr mitnehmt: Ihr habt mir alle viel geschenkt, und Ihr seid mir immer willkommen. Kein Ansinnen, keine investierte Zeit ist für mich verloren. Ich bekomme damit so viel geschenkt, und wenn ich antworte oder von mir selbst erzähle, so spüre ich sehr unmittelbar, dass ich in allem stets selbst ein Lernender bin, der eine weitere Chance bekommt, selbst bessere Sicht auf das eigene Leben zu bekommen.

Ich danke für die Begleitung, ich danke fürs Erzählen, für Vertrauen, Glück und Zuhören – für jeden Moment Zeit, der geschenkt wurde und bei mir zu mehr Sinnhaftigkeit in den eigenen Betrachtungen beigetragen hat.

Ich wünsche Ihnen Allen von ganzem Herzen ein Neues Jahr mit dem Glück, dass Sie sich gut mit sich selbst vertragen können – es wird nicht wirklich auf Kosten anderer gehen, sondern alle freuen, die Ihnen wirklich gut gesinnt sind.

Glück und Segen und echtes Leben in 2012.

Ihr Thinkabout