Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


Politischer Auftrag oder Vetternwirtschaft?

∞  29 Oktober 2014, 19:49 Kommentare

Andere Länder, andere Sitten… andere Meriten, andere Machtverhältnisse… Wahlen in Brasilien, und wir schauen hin und formulieren es dann schön, weil wiir davon ausgehen, dass eine gewonnene politische Wahl tatsächlich mit einem Auftrag gleich zu setzen ist.

Ich lese also:

Titel in der NZZ von gestern (Print, Frontseite):

DILMA ROUSSEFF VOR DER BEWÄHRUNGSPROBE

Die bisherige Machthaberinf hat also die Wahlen in Brasilien gewonnen – und “steht vor der Aufgabe”, ein geteiltes Land zu regieren. Ich befürchte nur, dass die herrschende Kaste eher den Reflex kennt: Wahl gewonnen, alles gewonnen. Vier Jahre Vetternwirtschaft mehr und Pfründeverteilung gesichert. In wie vielen Ländern haben die Bürger mittlerweile das Gefühl, dass es gar keine Rolle spiele, wer gerade an der Macht ist? Die Mächtigen regieren immer gleich, und mit grossen eigenen Taschen. 2016 “verwaltet” Frau Rousseff die in Rio stattfindenden olympischen Sommerspiele…

Mann mit Zyklus?

∞  21 Oktober 2014, 21:32 Kommentare [2]

Ob ein glücklicher Tag oder ein bestimmtes Ereignis, das meine Fitness voraussetzt, gut ausgeht – wer hat da nicht schon von seinem möglicherweise erst abzugleichenden Biorhythmus geflachst? Seit den Achtzigerjahren ist der Ausdruck Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs geworden. Darin steckt meist Spass, zumal die These, dass wir körperlich, emotional und geistig in unterschiedlich langen Zyklen von Geburt an festgeschriebene und also berechenbare Ups und Downs haben, sich in keiner Weise empirisch je hat belegen lassen. Eine Spielerei also – und doch ist der Flachs eine Art Synonym für eine Beobachtung, die auch Männer machen können:

Denen ist der Zyklus der Frau zwar auf Ewigkeit ein Mysterium, und sie glauben sich in der Rolle jenes Parts der Menschheit, der schwankungsfrei zielsicher linear durch das Wellental der Tage zu schreiten vermag, während die Frau einmal pro Monat Kopfschmerzen hat und missmutig wird, Zeitdauer schwankend. Darüber spasst dann wieder der im Grunde Unverständige, der übrigens zu jener Spezies gehört, der, müsste er sich mit dem gleichen biologischen Phänomen herumschlagen, darüber vor Achs und Wehs gar nicht mehr in die Gänge käme. Männer leiden lauter als Frauen, und viel schneller. Darum gebären sie Gott sei Dank auch keine Kinder.

Je älter ich aber werde, um so häufiger stelle ich an mir selber fest, dass ich wahrscheinlich sehr wohl genau so einen Zyklus habe wie Frauen. Er ist nur nicht so ausgeprägt und darum auch nicht voraussehbar, und sei es nur, weil ich viel zu wenig sensibel mit mir selber umgehe. Vielleicht reagiere ich auch nur auf den Mond, so wie es die Pflanzen tun und meine Haare und Fingernägel, die bei abnehmendem Mond viel weniger schnell wachsen als umgekehrt.

Nun, wenn das zunehmende Alter dazu führt, dass ich besser auf mich acht gebe und ich sensibler für solche Vorgänge werde, gewinne ich ja tendenziell Sinnesfreude hinzu, denn es ist doch schön, Freude, Müdigkeit, Energie und Erschöpfung bewusster zu spüren – und vor allem in den Körper hinein horchen zu können, um ein wenig voraus zu sehen, was er und ich gerade brauchen.

Kreative Wohnideen - das wäre private Altersvorsorge

∞  6 Oktober 2014, 21:19 Kommentare [2]

Die Babyboomer werden in gut zehn Jahren das heutige Rentenalter erreichen.

Ich gehöre zwar nicht zu jenen, die glauben, dass bis dahin Rentenansprüche illusorisch werden – denn noch scheint mir das unvorstellbar, und vor allem von solcher politischen Tragweite im Verhältnis des Bürgers zu seinem Staat, dass ich mir das lieber gar nicht vorstellen will Und es ist auch noch genügend Zeit, dass die Politiker die Verpflichtung des Staates gegenüber seinen Bürgern in dieser Frage erkennen und moderate Lösungen finden.

Wenn ich also bezüglich der Rentenansprüche nichts davon halte, dass man nun den Bürger einfach zu mehr “Selbstverantwortung” und damit Selbstvorsorge ermahnt, zumal wenn die möglichen Sparvariationen dem Anspruch des Staates auf Konsum als Triebfeder des Wachstums so diametral entgegen stehen, so denke ich doch, dass wir gar nicht genügend private Kreativität an den Tag legen können, wenn es darum geht, wie wir denn im Alter zusammenleben wollen? Denn nicht nur die Finanzierung unserer Rente wird schwierig werden – es wird auch immer weniger sozialen Rückhalt durch Familienstukturen geben: Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Menschen allein, und auch wenn sie nicht unbedingt möchten, dass das so bleibt, so werden uns in jedem Fall in vielen Fällen die sozialen Auffangnetze fehlen – und Pflegeheime, wie wir sie kennen, sind ja nicht unbedingt das, was wir uns selbst wünschen würden, oder?

Darum finde ich jeden Ansatz interessant, bei dem Wohnformen diskutiert werden, auf privater Initiative beruhend, in der sich Gemeinschaften von Menschen in ähnlicher Lebenssituation bilden können, in denen aktive Lebensgestaltung und Unterstützung möglich ist – und der Verbleib im sozialen Umfeld, auch wenn die Gesundheit nachlässt. Die Tatsache, dass solche Modelle vielleicht schon zehn Jahre vor der Pension geplant und projektiert werden könnten, für alle offenen Fragen entsprechend Raum, Zeit und Knowhow gefunden werden könnte – es könnte dazu führen, dass die Energie aus dem Berufsalltag in eine aktive und pro-aktive Alters-Lebensgestaltung mündete. Phantasterei in unserer individualisierten Gesellschaft? Womöglich noch. Aber die Zukunft wird zeigen, ob Modelle von Stadtsiedlungen, in denen familiengerechte Strukturen in Überbauungen sich mit Single-Haushalten vertragen und ihnen umgekehrt Nähe, soziale Kontakte und Gemeinschaftsempfinden erleichtern sollen, sind eventuell Erfahrungsschatz am andern Ende der Alterspyramide – mit gleicher Zielsetzung.

Der Gedanke, sich einer gewissen Trostlosigkeit am Ende des eigenen Lebens nicht zwangsläufig ergeben zu müssen, macht doch eigentlich für sich schon Mumm, oder? Was wir nun brauchen, sind Modelle, die Mut machen, Erfahrungsaustausch und konkrete Beschäftigung mit dem Thema – nicht erst, wenn der Postbote zum ersten Mal mit der AHV an die Tür klopft.

Die Deutsche Welle gegen Putin

∞  25 September 2014, 21:06 Kommentare

Das waren noch Zeiten, als unabhängige internationale Radioprogramme in Kriegszeiten dafür sorgten, dass interessierte Bürger objektivere Informationen erhalten konnten, als es die einheimischen Staatsprogramme im Sinn hatten.

BBC international oder Radio Beromünster zum Ende des zweiten Weltkriegs zum Beispiel, als die Berichte und Einschätzungen eines Jean Rudolf von Salis international gehört und beachtet wurden. Natürlich war dabei eine BBC nie auf der Linie von Hitler, natürlich waren die Meldungen darauf ausgerichtet, der Propaganda des Despoten andere Informationen entgegen zu setzen. Die eigentliche Waffe in der Hand der Macher aber war und blieb doch eine gewisse Sachlichkeit, denn die Desavouierung der Machthaber gelang ja schon durch die Relativierung, die in der Objektivität lag – und sich an dieser orientieren zu können, war für manchen freien Geist in diesen Zeiten überlebenswichtig.

Scheinbar traut sich die Deutsche Welle heute in den Staaten des ehemaligen Ostblocks eine ähnliche Bedeutung zu, und es ist bestimmt nicht Putins Absicht, seine Landsleute mit nüchternen Fakten zu versorgen. Wahrscheinlich beherrschte tatsächlich kaum je zuvor eine Staatsmacht im ehemals kommunistischen Herrschaftsbereich die Kunst der Beeinflussung besser als es die Putin-Nomenklatur vermag. Sie geht eindeutig mit der Zeit und nutzt die vorhandenen Mittel leidlich aus. Unter diesem Eindruck steht ganz offensichtlich auch der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, der mehr Geld für seinen Sender fordert, um “der Propaganda des russischen Präsidenten Wladimir Putin künftig stärker Paroli zu bieten”.

Da beschleicht mich einfach ein ungutes Grundgefühl – denn wie weit soll denn dieses Contra gehen? Soll daraus ein Propagandafeldzug werden, in dem Übertreibungen gegen Behauptungen stehen und am Ende keiner mehr weiss, was er glauben kann? Wenn ein Format wie die Deutsche Welle sich nicht der objektiven ausgewogenen Berichterstattung verpflichtet fühlt, bleibt am Ende nichts übrig, was überprüfbare Grundlage einer Orientierung für die Bevölkerung darstellen könnte – und das würde dann wohl auch zum Bumerang für alle Beteiligten. Mir kommt es so vor, wie wenn aktuell alle Beteiligten sich gerade mal daran delektieren wollten, wie denn dem russischen Bären beizukommen sei – dabei hat der noch gar nicht richtig zu fauchen begonnen…

*

Quelle: Handelsplatt.com mit: Deutsche Welle soll Anti-Putin-Sender werden

Der islamische Staat ist unser Schlamassel

∞  24 September 2014, 22:41 Kommentare

Vorsicht: Dieser Beitrag scheut sich nicht davor, etwas naiv zu wirken – und sein Verfasser auch nicht. Aber ich bin überzeugt, dass das Bauchgefühl, das er wiedergibt, berechtigt ist.

Ich weiss noch, wie ich Ende der siebziger und in den achtziger Jahren als junger, politisch interessierter Mensch aufgewachsen bin – ohne Palästinenser-Tuch um die Schultern, aber fast ständig unter dem Eindruck der allenfalls nachlassenden Wehen des kalten Krieges und vor allem im Bann des ständig auf- und abschwellenden Nahostkonflikts. “Die Araber” – das war ein unbekannter Haufen mit Bärten. Ausser den Palästinensern und den Ägyptern hatte niemand “da unten” wirklich ein Gesicht.

Und das Bild, das man allenfalls noch von Saudi Arabien vermittelt bekam, war quasi nur das Eintrittsticket für die grosse allgemeine Massgabe:

Die Araber sitzen auf dem Öl, haben keine Durchsetzungskraft, wenig Kultur und bedrohen Israel. Den Islam hat kaum jemand gekannt und auch nur wenige interessierten sich dafür. Die Juden aber waren jene, die man trotz iher Kultur oder gerade wegen ihr vertrieben und verfolgt hatte. Sie waren uns immer viel näher als diese fremde Welt Mohammeds – mochten wir auch Ferienreisen dahin unternehmen – bestenfalls.

Es ging im Umgang und in der Einschätzung der arabischen Staaten immer um Öl und Israel. Vor allem um Öl. Und die scheinbare Abhängigkeit verwandelten wir in ein Machtgehabe, das wir bald nicht mehr hinterfragten, die Militärmächte schon gar nicht. Wir haben Jahrzehnte überheblicher Nahostpolitik hinter uns, in denen wir mit unseren weissen Ärschen in fremden Wüsten hockten, vor uns her transpirierten und dabei nur eine Sorge kannten: Dass wir die Hand nicht mehr auf die Zapfhähnen der Ölquellen halten könnten.

Das muslimische Selbstverständnis war für uns inexistent, während die jüdische Kultur wie selbstverständlich bedroht blieb. Die iranische Revolution machte Angst, und jeder Versuch muslimischer Staaten, durch eine aggressive Politik gegen Israel eigenes Profil im eigenen Verbund zu erlangen, bestätigte die westlichen Vorurteile und Haltungen zusätzlich.

Heute ernten wir die bitteren Früchte dieses Verhaltens. Der Westen bekommt einen Schmelztiegel und ein kochendes Fass Teer vorgesetzt, weil es ihm nie gelang, aus einer Position der Stärke heraus ausgleichend zu wirken. Wir haben die islamischen Staaten nie verstanden – und wir haben uns nie die geringste Mühe gemacht, daran etwas zu ändern. Dies ist im tiefsten Sinn des Wortes kolonialistisches, ja, imperialistisches Verhalten. Und Afghanistan oder der IS sind genau das, was im Grunde folgerichtig daraus entstehen musste – oder zumindest konnte. Und was hat sich denn, bitteschön, in Pakistan verändert, in den letzten fünfzig Jahren, mal abgesehen davon, dass es ein Ort ist, an dem Amerikaner, Pakistani, hiesiges Militär und er CIA ständig an irgendwelchen Drähten ziehen, die rein gar nichts verändern, schon gar nicht verbessern?

Wie können wir annehmen, es liesse sich irgend etwas kontrollieren, das von seiner Bedeutung her überhaupt nicht verstanden wird, aber viel grösser ist als die Kraft einer einzelnen Nation? Es geht um die Identität, die eine Weltreligion sucht und finden will, und es wird für die Angehörigen dieser Religion, aber auch für uns, höchste Zeit, das ernst zu nehmen.

Die NATO als ständiger Stachel für Russland

∞  21 September 2014, 21:20 Kommentare

Die Nato – wie lange haben wir gar nicht mehr wahr genommen, dass es sie überhaupt gibt?! Und nun ist sie plötzlich omnipräsent. Und natürlich brauchen wir sie gegen den bösen Putin. Dabei haben wir eine merkwürdige Brille auf.

Denn wenn das Kürzel NATO in den Mund genommen wird, haben die Russen allen Grund, die Galle hoch kommen zu lassen.

Wir vergessen hier gern, weil der Wortbruch aus der für uns richtigen Richtung kommt, dass viele Ex-Mitglieder aus dem ehemaligen Ostblock heute Länder der EU geworden sind – und im Zuge davon auch von der NATO aktiv als neue Mitglieder angeworben wurden – was Russland nicht schmecken kann. Dabei ist die NATO gegenüber Russland sehr bald wortbrüchig geworden, indem es die Zusage, in diesen neuen Mitgliedsländern keine ständigen Stationierungen vorzunehmen, nicht einhielt. Das ursprünglich beruhigte Russland hatte so sehr bald allen Grund, sich seinerseits bedroht und in die Enge getrieben zu fühlen.

Die Kraftmeierei, die jetzt betrieben wird, will mir einfach nicht schmecken.

Der freundliche Bus

∞  10 September 2014, 22:25 Kommentare

Ich fuhr vor ein paar Wochen unsere Durchgangsstrasse hoch und war kurz vor dem Abbiegen in den wohl verdienten Feierabend, wie ich fand, und dabei ganz zufrieden mit mir.
Da bemerkte ich, dass der Bus sich gerne in die Spur einfügen würde, und ich gab ihm Lichtzeichen, noch bevor er den Blinker stellen konnte. Als er sich vor mir in den Verkehr eingliederte, wechselte an seinem Heck die Ortsanzeige mit der Nummer der Buslinie und dem Zielort, und im Display erschien das Wort:

Danke!

Mit Ausrufezeichen, jawohl. Das fand ich sehr cool, und ich grinste entsprechend in mich hinein. Netter Zug, muss ich schon sagen.

Heute nun lief ich als Fussgänger an der gleichen Busstation vorbei, es gab weit und briet keinen Verkehr, der Bus stellte den Blinker, fuhr aus der Parkposition auf die Spur – und im Heck wechselte die Anzeige, die für ein paar Sekunden ins Niemandsland dankte.

Ich gebe zu, dass ich mich für ein paar Momente geärgert habe. Wäre der ganze Vorgang dem bewussten Handeln zwischen Buschauffeur und Autofahrer zu verdanken und Ergebnis desselben, hätt es einfach nochmals eine andere Qualität. So ist es eine gute Marketing-Massnahme, die sich ein findiger Kopf überlegt hat und die wahrscheinlich nur deshalb eine Chance hatte, weil sie standardisiert über die Software der Benutzerführung aller Anzeigen programmiert werden konnte – und so keinen speziellen Einsatz im Betrieb erfordert. Nicht mehr ganz so smart – aber drauf kommen muss man dennoch erst mal. Dass wir es dann in der Umsetzung schon ein wenig verhunzen und der Sache den Charme rauben – nun, daran kranken wir auf allen Ebenen des heutigen Geschäftsgebarens selber schon genügend. Da ist dem öffentlichen Bus kein Strich zu drehen, sondern trotzdem ein Kränzchen zu winden. Allerdings mit künstlichen Blumen. Für das Pflücken im Vorgarten reicht es nicht mehr.

Kleiner Bericht aus dem Paradies Schweiz

∞  5 September 2014, 19:18 Kommentare [1]

Die Schweiz ist ein Paradies. Wenn ich auf Reisen vom Umgang unsere Behörden erzähle und von Bürokratie, die zumindest freundlich daher kommt, dann ernte ich ungläubiges Staunen. Oder wenn ich von der Schnelligkeit und Güte rede, mit der die Infrastruktur gepflegt wird. Dazu habe ich ein neues Beispiel.

Wir haben im Briefkasten diese Woche einen Flyer vorgefunden, dass im Quartier die Wasserleitungen erneuert werden und dafür Arbeiten ums Haus nötig wären. Wir würden von acht Uhr morgens am Freitag bis zwölf Uhr kein fliessendes Wasser haben. Angerufen hat uns die Bauleitung dazu auch noch, nur waren wir da nicht zuhause.

Und um zehn Minuten vor zwölf war es dann tatsächlich so weit: Das Wasser floss wieder, der alltägliche Luxus war wieder Tatsache.

Ich erlebe es eigentlich nie, dass solche Ankündigungen je nicht eingehalten werden, etwas viel länger dauert oder solche Arbeiten dann doch viel später beginnen. Nun werden andere vielleicht anderes zu berichten haben, oder finden, das wäre ja wohl eine Selbstverständlichkeit – oder monieren, dass die Bauleitung nicht ein zweites Mal versuchte, uns telefonisch zu erreichen. Also, ich finde den Sevice hier phantastisch – und ich bin immer wieder erfreut, wie mir Ausländer nur beipflichten können.

10 Min spontanes schreiben über: Zynismus

∞  7 August 2014, 16:23 Kommentare [4]

Zynismus ist pure Rhetorik, die messerscharf daher kommt. Ich schneide die Worte ab, die ein anderer gar nicht mehr denken, geschweige denn aussprechen soll. Ich spüre blossen Unmut. Unwillen. Alles in mir ist auf Rechthaberei gestellt, ich mag den Konflikt nicht aushalten – oder gestehe dem anderen gar nicht erst zu, mit mir einen Konflikt zu führen.

Zynismus kann nicht streiten. Zynismus schlägt zu, und dann die Türe zu.
Zynismus ist eine Schutzhaltung, manchmal auch ein Angriff auf Vorrat: Vorbeugung, weil man ahnt, was einem blühen könnte, liesse man sich auf Repliken ein.

Zynismus ist für Rhetoriker eine grosse Versuchung. Wer gut formulieren kann, den verbalen Zweihänder auszupacken versteht, und sich dann auch noch gerne reden hört, der teilt schon mal aus, wenn der Gegner schon am Boden liegt.

Zynismus ist verschlagen, bösartig, er blendet hundert Dinge aus, um auf dem einen anderen Ding rumzureiten. Und er ist selbstgefällig, wird oft aus einer eigenen Verletzung heraus heraufbeschworen, und wenn den Rhetoriker dann nicht Paroli geboten wird, kann man sich wunderbar darin suhlen. Wunderbar? Verheerend! Denn solche Zyniker werden zu sehr einsamen Menschen, die sich am Ende nur noch bestätigen können, dass die Welt so schlecht ist, wie sie diese selber sehen.

Zynismus findet kaum Beifall. Lachen kann man darüber ganz bestimmt nicht, allenfalls mag man schäbig grinsen, wenn jemand anders sein Fett wegkriegt. Zyniker sind bösartig, und man wird ihnen immer unterstellen, dass sie sich einfach selbst nicht aushalten und deshalb über die Welt hinweg kotzen müssen.

Wenn ich zynisch werde, habe ich mich verloren. Dann ist es wirklich Zeit, die Klappe zu halten und zu sehen, dass ich nicht noch mehr anrichte. Wieder in die Spur kommen und aus dem Zynismus heraus Fragen zu stellen beginnen, kann helfen:

Warum mache ich das? Vielleicht folgt dann eine Entschuldigung gegen aussen – und vor allem eine Versöhnung gegen innen.

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eines der Ergebnisse aus meiner Schreibstube für spontane Texte zu Schlagworten

Klamme Staaten, strategische Chinesen

∞  31 Juli 2014, 21:18 Kommentare

Ein Prozent der Chinesen besitzen einen Drittel des chinesischen Volksvermögens. China ist definitiv im Kapitalismus angekommen und sitzt am Zuflusshahn:

Die Staaten sind klamm. Exekutiven haben für Sozialprogramme oder spezifisch für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit so viel Geld zur Verfügung, wie ein einziger börsenkotierter Konzern in einem Jahr verdient. Oder in einem halben. Der Staat hängt am Tropfenzähler der Finanzindustrie und hat nur eine Waffe in der Hand: Lenkende Regulatorien. Die er nicht behalten wird. Es sei denn, es handelt sich um Russland – die Macht der Rohstoffe – oder um China, wo der Staat die Wirtschaft lenkt und mitverdient.

Eben hat das italienische Parlament den Verkauf eines Drittels der Anteile am eigenen Energienetz an China abgenickt. Das klamme Italien akzeptiert für lumpige 2.1 Milliarden Euro fremde Herren über eine eigene Lebensader. Die Haushaltshilfe wird verpuffen, die fremden Herren werden bleiben.

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